Bundespräsident übernimmt Patenschaft für Nachwuchs von Hasseler Großfamilie

Kind sechs und sieben kamen auf einen Streich

Die Hasseler Christine Wiegandt-Keßler und Jens Wiegandt nahmen im Hoyaer Rathaus die Ehrenpatenschafts-Urkunden des Bundespräsidenten für ihre im Juni geborenen Zwillinge Tarja und Tamme entgegen, übergeben von Gemeindebürgermeister Heiko Lange (links) und Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer (rechts). Ihre weiteren fünf Kinder verfolgten das Spektakel. - Foto: Michael Wendt

Hassel/Hoya - Von Michael Wendt. Bringt der Storch im Wappen den Babyboom ins Dorf? Hassel scheint ein fruchtbarer Landstrich. Binnen 16 Monaten hat der Bundespräsident zum zweiten Mal die Ehrenpatenschaft für einen Neubürger übernommen. Das macht er immer beim siebten Kind einer Familie – ein rein symbolischer Akt. In diesem Fall ist Frank-Walter Steinmeier sogar Pate von Zwillingen: Tarja und Tamme Wiegandt. Im August hatte der damalige Präsident Joachim Gauck die Ehrenpatenschaft für Lysann Chloé Strege übernommen. Dass Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer am Donnerstag bereits zum zweiten Mal im Namen des Staatsoberhaupts Ehrenpatenschafts-Urkunden überreichen durfte, konnte er erst kaum glauben („Das ist schon sensationell“). Ungläubig war auch Christine Wiegandt-Keßler, als sie die Nachricht erhielt, mit Zwillingen schwanger zu sein.

Fünf Kinder hatte sie zu dem Zeitpunkt schon: Levin (heute 9 Jahre alt), Alexa (8), Luan (6), Jonah (3) und Aneke (1). Vater der ersten Drei ist ihr Ex-Mann, Vater der weiteren vier ihr jetziger Ehemann Jens Wiegandt. „Wir hatten fünf Kinder in der Familie, von mir kamen ein Junge und ein Mädchen – für mich war die Familienplanung abgeschlossen“, sagt er. Aber unverhofft kommt oft, und am 11. Juni in Form von Tarja und Tamme.

Während Jens Wiegandt (42) nur eine jüngere Schwester hat, kennt seine Frau das Leben in einer Großfamilie. Die 29-Jährige hat selbst sechs Geschwister. Ihre jüngste Schwester ist Patenkind von Richard von Weizsäcker (1920-2015).

Dennoch schockierte sie die Nachricht, erneut schwanger zu sein, und das auch noch mit Zwillingen. „Ich glaube, ich war drei Tage nicht ansprechbar nach der Zwillingsprognose. Aber jetzt wollen wir keinen mehr hergeben“, sagt sie. Sie herzugeben oder gar abzutreiben, war nie eine Option, sagt Jens Wiegandt.

Mit allen Kindern sind er und seine Frau zum Termin im Hoyaer Rathaus gekommen – und mit zwei Autos. Ein Bus, in den alle zusammen passen, ist derzeit noch ein Wunsch.

Als Vater zweier Kinder ist Detlef Meyer baff. „Wie organisiert man den Alltag?“, will er wissen und stellt beim Überschlagen des Einwohnermelderegisters fest: „Sie haben ja nur drei Monate im Jahr ohne Geburtstag!“

Christine Wiegandt-Keßler scherzt: „So lange sie Gummibärchen und Lollis haben, ist alles gut.“ Und tatsächlich: Still genießend sitzen ihre älteren fünf Kinder am großen Tisch im kleinen Sitzungszimmer des Rathauses. Das Verwaltungsteam hat ihn mit jenen Süßigkeiten genau richtig eingedeckt. Für Tarja und Tamme gibt es als Aufmerksamkeit Babybrei. Beide begnügen sich jedoch mit Körperkontakt zu ihren Eltern und verfolgen stumm das Geschehen.

Aber wie sieht er denn nun aus, der Alltag mit sieben Kindern? „Wir haben einen festen Trott“, sagt Christine Wiegandt-Keßler. Nach dem Abendbrot zum Beispiel werden die Kinder von jung nach alt durchsortiert und ins Bett gebracht. Morgens und mittags, wenn sie die Kinder zur Schule und in den Kindergarten bringt und wieder abholt, sei sie Spediteurin, scherzt die 29-Jährige.

Derzeit kann sie ihr Mann voll unterstützen. Er hat ein Jahr Elternzeit genommen. Anders wäre es wohl auch kaum gegangen, denn Jens Wiegandt arbeitet in einer Firma mit Drei-Schicht-Betrieb und hat normalerweise nur jedes dritte Wochenende frei.

Verwandte, Nachbarn und Freunde unterstützen das Ehepaar, und manchmal findet es dadurch sogar etwas länger Zeit füreinander.

„Viele fragen, wie das mit der Erziehung geht“, sagt Jens Wiegandt, „ich finde das gar nicht so schlimm. Oft erziehen sich die Kinder gegenseitig.“ Wenn er sehe, bei welchen Gelegenheiten Levin seine Geschwister ermahnt, denke er manchmal: So schlimm war das doch gar nicht.

Als schließlich die Gummibärchen alle und die Lollis aufgelutscht sind, wird es dann doch etwas lebhafter im Sitzungszimmer. Hassels Bürgermeister Heiko Lange, der zum Gratulieren gekommen ist, nimmt sich einem Kind nach dem anderen an. Er ist schließlich nicht nur pensionierter Soldat, sondern gelernter Erzieher. „Ich bin heutzutage aber auch froh, wenn ich Kinder nach einer Zeit auch wieder abgeben kann“, gesteht er. Das können Jens und Christine Wiegandt nicht – und sie wollen es auch gar nicht.

Quelle: kreiszeitung.de

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