DLRG kritisiert Pläne des Fleckens Steyerberg, beide Freibäder zu schließen

„Kinder lernen dort etwas, das ihr Leben retten kann“

Steyeberg - Von Julia Kreykenbohm. Dass der Bürgermeister des Fleckens Steyerberg eine Verantwortung für den Haushalt trägt, versteht Achim Wiese, Bundes-Pressesprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG).

Aber ein Bürgermeister trage auch eine Verantwortung dafür, dass die Kinder, die in seiner Kommune groß werden, etwas lernen, was ihr Leben retten kann: nämlich das Schwimmen. „Von daher kann es die DLRG nicht nachvollziehen, dass zwei Freibäder geschlossen werden sollen, nur um Kosten zu sparen“, sagt Wiese im Gespräch mit dieser Zeitung.

Rückblick: Die Verwaltung des Fleckens hat den Vorschlag gemacht, die Freibäder in Steyerberg und im Ortsteil Deblinghausen zu schließen. Dies sei nötig, da die Einnahmen aus Gewerbesteuern massiv zurückgegangen seien, so Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber (wir berichteten). Freibäder sind eine freiwillige Leistung der Kommunen, deswegen werde dort der Rotstift angesetzt.

Wiese hat dafür kein Verständnis. „Jedes Jahr ertrinken rund 500 Menschen in Deutschland, Tendenz steigend. Seit 2016 sind auch immer mehr Kinder darunter. Gleichzeitig schließen überall die Freibäder, so dass keine Wasserfläche mehr zu Verfügung steht, um ihnen das Schwimmen beizubringen.“ Das Argument, dass es doch in den Nachbarkommunen Freibäder gebe, lässt Wiese nicht gelten. „Schwimmen kann dann kaum noch in den Schulsport integriert werden, weil es zeitlich nicht möglich ist, Kinder in einen Bus zu setzen, 15 Minuten in die Nachbargemeinde zu fahren, dort mit ihnen zu schwimmen und zurückzufahren.“ Seiner Meinung nach soll ein Bad im Ort auf jeden Fall gerettet werden.

Die DLRG stehe da auch mit Rat gern zur Seite. „Die Gemeinde kann sich an uns wenden, wenn sie beispielsweise Tipps braucht, wie sie Kosten beim Betreiben sparen kann.“ Bäder sind aus Wieses Sicht nicht einfach nur Orte, an denen man seine Freizeit gestalten kann. „Sie dienen der Daseinsvorsorge, sind eine Bildungs- und Sozialstätte.“ Er kann zwar verstehen, dass der Flecken auch Geld für Vereine bereithalten möchte. Aber für ihn klinge es nicht logisch, wenn man sich eher dafür entscheide, beispielsweise einem Verein neue Tore zu spendieren, anstatt eine Stätte zu erhalten, an der Kinder überlebenswichtige Fähigkeiten erlernen können. Aus diesem Grund sollte diesen Priorität eingeräumt werden.

Was Wiese ebenfalls verärgert, ist die Aussage, die Fördervereine könnten bis zum 15. März Konzepte vorlegen. Anhand von diesen werde dann entschieden, ob die Bäder weiterbetrieben werden. „Konzepte zu entwickeln ist nicht Aufgabe von Fördervereinen, sondern der Gemeinde!“ Die Vereine könnten helfen, ihnen dürfte aber keine Hauptverantwortung zugeschustert werden. „So nach dem Motto: Wenn euch nichts einfällt, wird das Bad geschlossen“, sagt Wiese.

Den Beobachtungen der DLRG nach, nimmt seit dem Jahr 2005 die Fähigkeit zu schwimmen immer mehr ab.

Quelle: kreiszeitung.de

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