Betrieb ruht seit 161 Tagen

Filmhof Hoya: Kino-Betreiberin erwartet schwierigen Neustart nach Lockdown

„Nur ein kleiner Fleck am Rand.“ Elke Brümmer legt keinen Wert darauf, groß im Bild zu sein.
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„Nur ein kleiner Fleck am Rand.“ Elke Brümmer legt keinen Wert darauf, groß im Bild zu sein.

Hoya – Viel zu tun hat Elke Brümmer vom Filmhof in Hoya derzeit nicht. Seit 116 Tagen ruht ihr Betrieb. Vier Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, von den 16 Mini-Jobbern, die sich in Hochzeiten vor allem um den Service für die Besucher kümmerten, haben sich einige mittlerweile eine andere Beschäftigung gesucht. Wann sie ihr Kino wieder öffnen darf, kann Brümmer nicht sagen.

In der Branche rechneten viele erst mit Sommer, einige mit April. Genaues wisse niemand. „Es fehlt die Perspektive.“ Und wenn es irgendwann einmal so weit ist, dass die Menschen wieder ins Kino gehen dürfen, sind beileibe nicht alle Probleme verschwunden. Im Gegenteil: Dann wird es erst richtig schwierig.

Aktuell ist Brümmer um die Existenz des Kinos an der Deichstraße nicht bange. Sie habe die Kosten für den Betrieb sehr stark senken können. Weil die Kinos zu den besonders stark von den Einschränkungen in Folge der Corona-Pandemie betroffenen Betrieben zählten, sei auch die Finanzhilfe des Bundes bislang gesichert. „Wir sind auf die Hilfen angewiesen, weil wir keine nennenswerten Einnahmequellen haben“, sagt Brümmer. Doch so richtig ans Eingemachte geht es, wenn der Filmhof wieder Kino sein darf. „Es wird dauern, bis wir wieder kostendeckend arbeiten können“, sagt Brümmer. Das habe der vergangene Sommer gezeigt.

Vom 16. März bis zum 22. Juni musste der Filmhof das erste Mal in der Corona-Krise schließen. Die Daten hat Elke Brümmer im Kopf. Als es dann wieder losging, kamen die Besucher nur zögerlich zurück in die Säle. Brümmer spürte damals eine Zurückhaltung wegen Corona. Die Menschen trafen sich lieber draußen im Regen, als ins Kino zu gehen. Dazu trug auch das Programm seinen Teil bei. Ein richtiges Zugpferd, dass die Menschen in Scharen vor die Leinwand bringt, fehlte zunächst. Stattdessen habe es ein Überangebot an Kinderfilmen gegeben, erinnert sich Brümmer.

Erst im Herbst habe sich die Situation gebessert. „Ich erinnere mich noch, wie wir Ende Oktober mit dem Team zusammensaßen und gesagt haben: ,Jetzt wird es langsam wieder so wie vorher‘“, sagt Brümmer. Wenige Tage später, am 28. Oktober, verkündete die Bundesregierung, dass Kinos, Theater und andere Freizeiteinrichtungen ab dem 2. November wieder schließen müssen. Am folgenden Wochenende waren alle Vorstellungen im Filmhof so gut besucht wie vor der Pandemie. „Ich hatte den Eindruck, dass alle Welt noch einmal ins Kino wollte.“

Elke Brümmer tut sich bis heute schwer, die Entscheidung von Bund und Ländern nachzuvollziehen. Auch viele Kunden hätten damals mit Unverständnis reagiert, sagt sie. Der Filmhof habe sämtliche Regeln zum Infektionsschutz befolgt. Einzelne Reihen waren abgesperrt, um die Abstände zwischen den Gästen zu erhöhen. Ein Einbahnstraßensystem sollte Begegnungen auf den Gängen minimieren. Oberflächen wurden regelmäßig desinfiziert, und natürlich galt die Maskenpflicht bis zum Platz.

Durch den Online-Kartenverkauf sei auch die Kontaktverfolgung durch das Gesundheitsamt gewährleistet gewesen, sagt Brümmer. Gebraucht worden sei das aber nie. Es sei kein Fall bekannt, bei dem sich ein Mensch im Kino mit dem Coronavirus infiziert habe, so Brümmer. Weder in Hoya noch an irgendeinem anderen Ort in Deutschland.

Ein Versuch des Filmhofs, sich gegen die Schließung im Frühjahr zu wehren, ist gescheitert. Elke Brümmer wollte mithilfe eines Anwalts im Sommer 2020 erreichen, dass das Lichtspielhaus in Hoya früher öffnen darf, wie zum Beispiel die Kinos in Nordrhein-Westfalen. Doch sie scheiterte mit ihrem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg.

Elke Brümmer bleibt nur eines: warten. Ihre Hoffnung, dass sich kurzfristig etwas an der Situation ändern wird, ist gering. Bund und Länder hätten die Öffnung von Kinos immer wieder „geschoben, geschoben, geschoben“. Dabei werde es auch wohl dieses Mal bleiben, zumal die Infektionszahlen zuletzt stagnierten oder sogar wieder anstiegen.

Welche Folgen die Krise langfristig für die Filmbranche insgesamt haben wird, ist laut Brümmer schwer abzuschätzen. „Die meisten Studios haben sich zur Ruhe begeben“, sagt sie. Filme zu drehen, ist ohnehin ein kostspieliges Unterfangen. Während einer Pandemie können sich das nur noch die ganz großen Produktionen leisten. Die spannende Frage wird also sein: Gibt es genug gute Titel, wenn die Kinos wieder öffnen dürfen?

Dass Kinofilme nun zum Teil direkt auf Streaming-Plattformen wie Netflix, Disney oder Amazon landen, macht Brümmer keine große Angst. Man müsse auf Dauer ohnehin alternative Angebote für die Gäste anbieten – neben dem normalen Film auch den besonderen Film und Events – um zu überleben. Etwas, dass es zu Hause nicht gibt. In diesem Bereich sieht die Filmhof-Inhaberin ihren Betrieb gut aufgestellt.

Wer Brümmers Ausführungen folgt, gewinnt den Eindruck, als stünde das Kino vor ähnlichen Herausforderungen wie die Gastronomie. Ein Restaurantbesuch zeichnet sich auch nicht nur durch die Qualität der Speisen aus. Er lebt von der Atmosphäre, der Gesellschaft oder dem Service. Andererseits: Wenn das Essen mies ist, hilft auch der beste Kellner nicht.

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