Kirchenkreisvorstand entscheidet sich für Abhängen

Die „Nazi-Glocke“ von Schweringen bleibt still

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Glockensachverständiger Andreas Philipp hat die Glocke in Schweringen geprüft. Durch das Abflexen des Kreuzes wurden an mindestens vier Stellen Eiseneinschlüsse freigelegt. Von diesen Stellen geht die Gefahr einer Rissbildung aus.

Nienburg/Schweringen - Von Vivian Krause. Die „Nazi-Glocke“ der Kirche in Schweringen wird nicht wieder läuten, sie wird abgehängt. Das entschied der Kirchenkreisvorstand Nienburg in seiner Sitzung am Dienstagabend. Die zehn Mitglieder des Gremiums kamen nach rund fünf Stunden zu einer einvernehmlichen Entscheidung. Schweringens Pastor Jann-Axel Hellwege, der dem Kirchenkreisvorstand angehört, stimmte nicht mit ab. Das teilte Superintendent Martin Lechler Mittwoch in einem Pressegespräch mit.

Der Kirchenkreisvorstand ist der festen Überzeugung, dass eine Glocke, die mit einem Hakenkreuz und einer nationalsozialistischen Inschrift versehen ist, grundsätzlich nicht zu Gottesdienst, Andacht und Gebet geläutet werden darf, heißt es in der Beschlusserklärung. Die unzulässige Vermischung der christlichen Botschaft mit Aussagen der nationalsozialistischen Ideologie kann und konnte nach Auffassung des Vorstands auch nicht durch das Abflexen des Hakenkreuzes und eines Teils der Inschrift aufgelöst werden.

Ein Rückblick: Die 1934 gegossene und aufgehängte Glocke im Kirchturm in Schweringen ist seit September 2017 ein ständiges Thema – sowohl in den Medien als auch im Ort selbst, sie ist im Herbst stillgelegt worden. Der Grund dafür: ein Hakenkreuz und eine nationalsozialistische Inschrift. Der Vorstand der Kapellengemeinde Schweringen sollte nach Bekanntwerden dieser Tatsache eine Entscheidung über den Umgang mit der „Nazi-Glocke“ treffen, tat dies laut einer Erklärung des Vorstands aber „aufgrund der Komplexität der Problematik und aufgrund der angespannten Situation in der Gemeinde“ nicht. Pastor Hellwege erhielt dann kurz vor Ostern einen anonymen Hinweis und nahm nach einem Gottesdienst die Glocke in Augenschein. Unbekannte hatten mithilfe eines Winkelschleifers das Hakenkreuz und einen Teil der Inschrift entfernt. Die Ermittlungen dauern an.

Der Glockensachverständige der Landeskirche, Andreas Philipp (links), Superintendent und Vorsitzender des Kirchenkreisvorstands Nienburg, Martin Lechler, und die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenkreisvorstands, Sigrid Piehl, sprachen in der Superintendentur in Nienburg über die Entscheidung zum Abhängen der Glocke im Schweringer Kirchturm.

Bei einem Treffen im März stellte der Kapellenvorstand die Frage: „Müssen wir überhaupt diese Entscheidung treffen?“. Das musste er nicht. Wenn ein Gremium sich überfordert fühlt, kann es die Entscheidung an das nächst höhere Gremium weitergeben, sagte Lechler. In diesem Fall an den Kirchenkreisvorstand Nienburg. Dieser beschloss jetzt, die Glocke nicht wieder in Gebrauch zu nehmen. „Je länger sich der Prozess in die Länge zieht, umso länger kommt die Bevölkerung im Dorf nicht zur Ruhe“, sagte Lechler.

„Das ist eine theologische Entscheidung“, betonte die Vorsitzende des Kirchenkreisvorstands, Sigrid Piehl. Es gehe nicht darum, ob die Glocke noch läuten könne oder nicht. Laut dem Glockensachverständigen der Landeskirche, Andreas Philipp, werde der Klang durch den Eingriff nicht unbedingt beeinflusst. Das liege daran, dass die Buchstaben und das Kreuz in der Mitte der Glocke angebracht worden seien, nicht in dem Bereich, in dem der Klöppel anschlage. „Wir müssen mit einem Fortschreiten der Beschädigung rechnen“, sagte er jedoch mit Blick auf den Verrostungsprozess. „Auch wenn es zur Aufbewahrung der Glocke kommt, müssten wir etwas unternehmen.“ Dazu müsste ein Metallrestaurator zurate gezogen werden.

Viele Ideen für Glocken-Nutzung

Was mit der Glocke passieren soll, möchte der Kreiskirchenvorstand gemeinsam mit dem Kappellenvorstand entscheiden. „Es gibt viele Ideen“, sagte Lechler. Beispielsweise das Ausstellen in einem Museum. Aber auch das Belassen im Ort Schweringen ist eine Option. Fest steht: Die Glocke soll nicht zerstört werden. „Sie ist ein Denkmal für Vergangenheitsbewältigung“, sagte Lechler.

Der Kirchenkreisvorstand nimmt laut seinem Beschluss das Angebot der Landeskirche an und bittet um die Bereitstellung von Mitteln zur Finanzierung des Abhängens der jetzigen Glocke sowie des Gusses und der Aufhängung einer gleichwertigen, neuen Glocke. Dabei handelt es sich laut Philipp um „einen fünfstelligen Betrag in mittlerer Lage“. Er schätzt, dass im dritten Quartal des kommenden Jahres mit einer neuen Glocke im Kirchturm zu rechnen ist. Dann soll auch die alte abgenommen werden. Die zwei kleineren Glocken im Turm läuten weiter. Sie tragen keine Nazi-Symbole.

Quelle: kreiszeitung.de

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