Beratung im Polizeimuseum

Einbruchschutz: Kleine Investitionen machen Zuhause sicherer

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Mit wenigen Handgriffen lässt sich ein handelsübliches Fenster aushebeln – diese Erfahrung machte im Polizeimuseum auch Blickpunkt-Redakteur Leif Rullhusen.

Nienburg - Von Johanna Müller. Mit 307 Wohnungseinbrüchen hat die Nienburger Polizei landkreisweit im vergangenen Jahr ein Zehn-Jahres-Hoch in diesem Bereich verbucht. Daran soll sich etwas ändern.

„Es lebt sich hier sicher, aber über 300 Einbrüche sind zu viel“, sagte daher der Leiter der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg, Frank Kreykenbohm, am Mittwoch bei der offiziellen Eröffnung der „Woche des Einbruchschutzes“ im Polizeimuseum in Nienburg.

Noch bis zum morgigen Samstag beraten dort Polizeibeamte und Firmen aus der Region die Besucher zu präventiven Möglichkeiten. Ein Schwerpunkt ist dabei die Sicherheit der Fenster und Terrassentüren. An mehreren Objekten wird verdeutlicht, wie einfach es sein kann, in ein Haus einzusteigen. Die Interessenten können auch selbst mal zum Schraubenzieher greifen und ein Fenster aufhebeln. Das Fazit vieler Tester: Es ist erschreckend, wie einfach das geht.

Durch Pilzkopfverriegelungen wird ein Fenster sicherer vor Einbruch. Die Zapfen sitzen fest in den Halterungen am Rahmen (links).

Daher empfiehlt Polizeisprecher Axel Bergmann die sogenannte Pilzkopfverriegelung. Dabei verankern die Zapfen – die wie Pilzköpfe geformt sind – fest in den gegossenen Halterungen am Rahmen. Abschließbare Griffe sowie Scheiben, in denen eine spezielle Folie verklebt wurde, runden den Schutz ab. Das einbruchsichere Fenster kann dann weder aufgehebelt noch ganz zerschlagen werden – die Folie würde die Splitter zusammenhalten. Schlösser in den Griffen schützen zusätzlich vor der neusten Masche krimineller Banden: Mit kleinen Brennern werden vermehrt Löcher in die Rahmen geschmolzen, um anschließend dort durch zu greifen. So können die Einbrecher die Fenster lautlos und schnell öffnen.

Besonders bei dem Einbau neuer Fenster sollten sich Hausbesitzer daher informieren, welche Angebote es gibt, rät Bergmann.

Schutz lässt sich aber auch nachrüsten, erklärt Andreas Kalusche von der gleichnamigen Schlüssel-Zentrale. Etwa durch eine Fenstersicherung, bei der der Rahmen zusätzlich mit Schlössern am Fenster verbunden wird. Der Fachmann rät in diesem Zusammenhang besonders Terrassentüren zu schützen, denn diese seien durch eine größere Spannung noch einfach aufzuhebeln als Fenster. Hier würde sich auch ein Beschlag anbieten, der einen Alarm auslöst, sobald ein Hebel angesetzt wird.

Alarmanlagen präsentiert im Polizeimuseum auch die Firma AGT aus Drakenburg. „Sie können ihr eigener Wachmann sein“, erklärt Mitarbeiter Michael Linkersdörfer. Denn sobald die Anlage ein ungewöhnliches Verhalten registriere, würde der Nutzer per App auf dem Smartphone darüber informiert werden. Über eine Kamera zeige sich dann, ob wirklich ein Einbrecher in der Wohnung ist, oder vielleicht nur die Nachbarin die Blumen gießt. Licht- und Tonsignale sollen den Eindringling außerdem vertreiben. Mit Blick auf kleine Krachmacher vom Discounter gibt Polizeisprecher Bergmann jedoch zu bedenken, dass Alarmanlagen kein Einbruchschutz seien. Besonders günstige Geräte, die momentan häufig in den Supermarkt-Regalen liegen, versprechen mehr als sie halten. „Wenn Sie Pech haben, ist die Batterie im Fall eines Einbruchs leer. Außerdem kann doch der Einbrecher die Anlagen einfach ausstellen“, sagt Bergmann.

Günstige Soforthilfen können hingegen sogenannte TV-Simulatoren sein. „Die sind absolut genial“, findet der Polizist. Mit einer Zeitschaltuhr und Dämmerungssensor ausgestattet, gaukelt das Gerät vor, es würde jemand im Raum fernsehen.

Das sei zwar auch kein Einbruchschutz, aber würde das Objekt für den Einbrecher unattraktiv machen. Strom würden diese Geräte kaum verbrauchen – LED-Technik macht’s möglich. Wer diese auch in einen Lampen einsetzt, solle diese generell leuchten lassen. Großzügige Beleuchtung schreckt Einbrecher ab, die jetzt in der dunklen Jahreszeit wieder vermehrt zuschlagen.

Kamera-Attrappen würden auch nicht schaden, bringen aber auch nicht so viel, sagt die Polizei. Ebenso wie Klingeln, die ein Hundebellen auslösen. Einbrecher könnten davon abgehalten werden, oder sie klingeln mehrfach und merken, dass der Hunde nur dann Laut gibt. „Am Ende ist es ein Paket, das das Haus sicher macht“, sagt Bergmann. Welche Lösung für das eigene Zuhause eine richtige sein könnte, erfahren Interessenten noch bis morgen um 17 Uhr im Polizeimuseum.

Dass die Prävention sich auszahlt, merken die Beamten schon jetzt, berichtet Polizeichef Kreykenbohm: „Die aktuelle Entwicklung liegt hinter dem Wert von 2016. Wir hoffen auf deutlich unter 300 Einbrüche im Landkreis.“

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