Die Rückkehr des Vogels im Nordkreis

Kleiner Kauz ganz groß

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Der Steinkauz benötigt Nisthöhlen, die er in der Vergangenheit meist in hochstämmigen Obstbäumen fand. 

Wechold - Von Uwe Campe. Zu einem Infoabend über den Steinkauz und dessen Zukunft hatte der Naturschutzverein Weseraue kürzlich ins Wecholder Heimathaus eingeladen. Der Verein hatte für die Veranstaltung, zu der etwa 30 interessierte Besucher erschienen, mit Torsten Nummsen aus Pinneberg und Antje Mahnke-Ritoff aus Verden zwei ausgewiesene Steinkauz-Experten als Referenten gewonnen.

Der 42-jährige Torsten Nummsen gehört als leidenschaftlicher Steinkauzfan dem schleswig-holsteinischen Landesverband Eulenschutz an und engagiert sich dort seit 2005 schwerpunktmäßig im Raum Dithmarschen sehr erfolgreich für den Erhalt vorhandener Vorkommen und die Wiederbesiedlung ehemaliger Brutgebiete dieser kleinen Eule. Zu Beginn seines Vortrags stellte er zunächst kurz die neun in Deutschland vertretenen Eulenarten vor, von denen mit dem Waldkauz, der Waldohreule, der Schleiereule und dem Steinkauz auch vier in der näheren Umgebung als Brutvogel vorkommen. Während die ersten drei Arten noch relativ gut vertreten und in ihren Beständen nicht unmittelbar gefährdet sind, ist der etwa amselgroße Steinkauz heute aus weiten Landstrichen verschwunden.

In den Ortschaften der Mittelweser-Region ist er ehemals weitverbreitet und bekannt gewesen. Den lang gezogenen Balzruf „Kuuh-witt“ des Kauzes deuteten die Menschen in früheren Zeiten als „komm mit“, was ihn in den zweifelhaften Verdacht brachte, das bevorstehende Ableben eines kranken oder alten Menschen anzukündigen.

Nähe des Menschen stört Steinkauz nicht

Aus den Aufzeichnungen des früheren Eitzendorfer Lehrers und großen Vogelliebhabers Hermann Vespermann wissen wir, dass dort um 1950 noch bis zu sechs Brutpaare lebten. Er berichtete auch, wegen der vielen rufenden Käuze zeitweise nachts nicht in den Schlaf gekommen zu sein.

In den 70er- und 80er-Jahren setzte ein allgemeiner, durch Veränderungen der Lebensräume hervorgerufener Bestandsrückgang ein, der dazu führte, dass es zwischen Hoya und Verden nur noch ein kleines Restvorkommen im Bereich Oiste/Amedorf/Ritzenbergen gab, während alle übrigen ehemaligen Brutplätze verwaisten.

Der als sehr standorttreu geltende Steinkauz ist zur Nahrungssuche auf kurzrasige Weideflächen, wie sie etwa Pferdekoppeln bieten, und Zaunpfähle als Ansitzwarten angewiesen. Die Nahrung besteht im Wesentlichen aus Mäusen und Insekten, zur Jungenaufzucht sammelt er auch gerne Regenwürmer.

Darüber hinaus benötigt er Nisthöhlen, die er in der Vergangenheit meist in hochstämmigen alten Obstbäumen und Kopfweiden fand. Die Nähe des Menschen stört ihn dabei nicht, im Gegenteil, die meisten Brutvorkommen befinden sich gegenwärtig auf Bauernhöfen oder in deren Nachbarschaft.

Referent Torsten Nummsen stellt eine Brutröhre vor.

In unserer heutigen vielerorts ausgeräumten Landschaft ist gerade das Fehlen von natürlichen Nistgelegenheiten für Höhlenbrüter, zu denen auch der Steinkauz gehört, ein Problem. Genau dort hat Torsten Nummsen in den vergangenen Jahren angesetzt. Aufbauend auf seinen in Schleswig-Holstein gesammelten Erfahrungen hat er seit 2013 an insgesamt 56 Standorten im Bereich Hilgermissen, Hoyerhagen, Martfeld, Schwarme und Blender von ihm selbst angefertigte Nisthilfen in Form von Brutkästen oder Brutröhren angebracht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn in Wechold, Hoyerhagen, Wienbergen, Dahlhausen und seit Neuestem auch in Tuschendorf sind diese von den Vögeln angenommen worden. In Wechold schreitet inzwischen bereits ein zweites Paar zur Brut.

Auch dort, wo die überwiegend in Obstbäumen angebrachten Kästen oder Röhren (noch) nicht vom Steinkauz besetzt sind, leisten diese gute Dienste, werden sie doch regelmäßig auch von anderen Vogelarten (Stare, Gartenrotschwänzen, Meisen) und von Hornissen und Hummeln besiedelt. Bei den einmal jährlich vorgenommenen Kontrollen der Brutkästen kommt Nummsen seine berufliche Erfahrung zu Gute, schließlich ist er Polizist …

Im Anschluss berichtete Antje Mahnke-Ritoff, die seit etwa 20 Jahren als Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde, dem Landkreis Verden, ein Wiederansiedlungsprojekt für den Steinkauz leitet, über ihre Ergebnisse. Auch dort werden erfolgreich zahlreiche Nisthilfen angeboten. Ausgehend von dem bereits genannten Restvorkommen bei Oiste hat sich innerhalb des von ihr betreuten Gebiets heute wieder ein Brutbestand von 15 bis 18 Paaren etabliert.

Behörde gewährt finanzielle Zuschüsse

Ein weiteres Standbein des Steinkauzschutzes im Kreis Verden stellt die Pflege von Kopfbäumen (Weiden, Eschen) dar, die etwa alle acht Jahre vorgenommen werden muss. Zu der gewährt die Behörde, ebenso wie zum Anpflanzen neuer Obstbäume, finanzielle Zuschüsse.

Danach ging der Referent Nummsen kurz auf die übrigen drei heimischen Eulenarten ein. Er empfahl, in Steinkauzrevieren keine Nisthilfen für Waldkäuze anzubieten, da die kleineren Vettern durchaus zu deren Nahrungsspektrum zählen würden. Weniger problematisch seien Schleiereulen und Waldohreulen, die auch in direkter Nachbarschaft vorkommen könnten. Im Zuge der Kontrolle der Steinkauzkästen würden meist auch die Brutkästen der Schleiereulen nachgesehen.

Zum Abschluss der sehr gelungenen Veranstaltung stellten sich die beiden Experten in einer offenen Diskussionsrunde bereitwillig den zahlreichen Fragen der sehr fachkundigen Besucher.

Dem Naturschutzverein unter Leitung von Dr. Arne Röhrs ist es gelungen, innerhalb kurzer Zeit erneut einen sehr interessanten Vortrag anzubieten, der von den Besuchern dann auch mit berechtigtem Beifall bedacht wurde.

Wer mehr über den Verein wissen möchte, kann sich im Internet informieren. Über neue Mitgliedschaften würde man sich freuen.

www.naturschutzverein-weseraue.de

Quelle: kreiszeitung.de

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