Schule mal woanders

Kleinkunstdiele in Bücken als „außerschulischer Lernstandort“ ausgezeichnet

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Urkunde und Schild gab es von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (Zweite von rechts). Über die Auszeichnung freuten sich (von links) Markus Hirschmann von der Initiative „Bildung trifft Entwicklung“, Ulrike und Laura Eckhardt von der Kaffeerösterei „Catucho“ sowie Peter Klein von der Kleinkunstdiele.

Bücken - Von Michael Wendt. Zunächst standen die im Mittelpunkt, für die dieses Projekt gedacht ist: die Schüler. In diesem Fall war es eine Gruppe Bücker Grundschüler, die am Montagmittag gespannt auf die Kultusministerin wartete, um sie musikalisch zu empfangen. Frauke Heiligenstadt (SPD) kam dann auch pünktlich an der Kleinkunstdiele in Bücken an und erfuhr gleich bei ihrer Begrüßung, dass Schule, Kultur und Bildung im Ort eng verzahnt sind.

Der Grund für ihren Besuch: Sie zeichnete die Kleinkunstdiele als „außerschulischen Lernstandort“ aus. Der Schwerpunkt dort: Bildung in nachhaltiger Entwicklung.

Niedersachsenweit 58 Institutionen ausgezeichnet

Die Kleinkunstdiele reiht sich nun ein in eine Liste von niedersachsenweit 58 anerkannten außerschulischen Lernstandorten. Der nächste ist das Regionale Umweltbildungszentrum Syke, ansonsten gibt es keinen weiteren in der näheren Umgebung.

Die Kleinkunstdiele und die benachbarte Kaffee- und Kakaomanufaktur „Catucho“ sind prädestiniert dazu. Das liegt in erster Linie an ihren Betreibern, der Familie von Peter Klein und Ulrike Eckhardt. Sie lebt nachhaltige Entwicklung.

Peter Klein ist pensionierter Lehrer und hat in den vergangenen zehn Jahren mit der Kleinkunstdiele einen kulturellen Treffpunkt geschaffen, der nicht nur ein monatliches Musikevent bietet, sondern immer wieder über die Landesgrenzen hinaus blickt und in der Reihe „Geschichten von hinter dem Horizont“ Gäste einlädt, die über ihre Erfahrungen im Ausland berichten.

Funktionsweise nachhaltiger Entwicklungen sichtbar gemacht

Ulrike Eckhardt hat lange Zeit in Mittelamerika mit Kaffee- und Kakaobauern gearbeitet und ist heute als Kaffeerösterin gemeinsam mit ihrer Tochter Laura deren Geschäftspartnerin. Sie lebt den fairen Handel mit Bio-Lebensmitteln. Und der ist Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung in den Anbauländern.

Zudem ist Ulrike Eckhardt ausgebildete Heilpraktikerin. Ein besonderes Interessensgebiet von ihr sind Heilpflanzen, die zuhauf in ihrem Garten wachsen.

Dieser Garten, die Kaffeerösterei und die Kleinkunstdiele bilden für Schüler Lernorte außerhalb der Schule. Dort erfahren sie aus der Praxis, was nachhaltige Entwicklung bedeutet, wie Wirtschaft über Ländergrenzen hinweg funktioniert, wie globaler Handel möglichst nachhaltig gestaltet werden kann.

Aus ganz Niedersachsen kommen Schüler zu Seminaren nach Bücken

„Sie beschäftigen sich nicht nur mit Fairtrade, sondern darüber hinaus mit sozialen Beziehungen, mit dem Klimawandel, dem Ressourcenverbrauch“, lobte Frauke Heiligenstadt die Familien Eckhardt und Klein. Und weil Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und das „globale Lernen“ zwei wichtige Punkte in den entwicklungspolitischen Leitlinien der Landesregierung seien, wurde die Kleinkunstdiele nun als außerschulischer Lernstandort anerkannt.

Schon bislang ist die Kleinkunstdiele ein außerschulischer Lernort, ausgezeichnet von der Initiative „Bildung trifft Entwicklung“. Schüler aus ganz Niedersachsen lernen hier in Tages- und Halbtagesseminaren zum Beispiel mehr über Heilpflanzen, über Kaffeeanbau und Schokoladenherstellung. „Die meisten Veranstaltungen sind sehr interaktiv“, sagt Peter Klein. Heißt: Man spricht nicht nur über Schokolade, man stellt sie her. Und nebenbei lernt man etwas über den Anbau von Kakao, das Leben der Kakaobauern und den Transport der Bohnen nach Europa.

Dank Auszeichnung gibt es eine Lehrkraft

Was aber ändert sich konkret für die Kleinkunstdiele durch die Auszeichnung des Kultusministeriums? Sie erhält bei den pädagogischen Angeboten Unterstützung durch eine Lehrkraft – im Umfang von fünf Wochenstunden. Ab wann und wer die Lehrkraft konkret sein wird, steht allerdings noch nicht fest.

„Wir wollen uns neu aufstellen“, sagt Peter Klein. Eine noch stärkere Zusammenarbeit mit anderen außerschulischen Lernorten sei geplant – und eine Vernetzung etwa mit Produktionsorten wie dem Büffelhof in Warpe und der Hofkäserei in Helzendorf sowie mit Bildungsorten wie dem Druckereimuseum in Hoya und dem Wolfscenter in Verden.

Leider können Schüler von außerhalb der Region Bücken bislang eher schlecht erreichen, gab Peter Klein zu. Bürgermeister Wilhelm Schröder stellte vonseiten der (Samt-) Gemeinde mögliche Unterstützung in Aussicht. „Wir haben deshalb erste Gespräche geführt“, sagte er, „Beschlüsse stehen aber noch aus.“

Quelle: kreiszeitung.de

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