Interessengruppe möchte ADHS aus Tabu-Zone holen / „Arche Noah“-Initiative

Klischees und Vorurteile gemeinsam ausräumen

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Haben sich in der Interessengemeinschaft zusammengefunden: (vorne von links) Dr. Lars Budde und Heike Teichmann sowie (hinten von links) Jutta Mack, Sonja Löhmann, Ute Kastens und Michael Albers. ·

Hoya - Kinder, die unter dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom, kurz ADHS, leiden, sind allgemein als Zappelphilippe und Problemkinder bekannt. Sie neigen zu Träumereien und Hyperaktivität, und die Schuld an dieser „Verhaltensstörung“ liegt generell bei den Erziehenden.

Die „Interessengemeinschaft ADHS“, eine auf Initiative der Kindertagesstätte „Arche Noah“ in Hoya gegründete Gruppe, hat es sich zum Ziel gesetzt, solchen Stigmatisierungen und Verurteilungen entgegenzuwirken.

Das Syndrom ist in Deutschland weit verbreitet und zählt trotzdem als absolut negativ konnotiertes Tabu-Thema. Schlimmer noch, über ADHS kursieren die unterschiedlichsten Gerüchte.

Kita-Leiterin Heike Teichmann, ihre Stellvertreterin Ute Kastens, der Arzt Dr. Lars Budde, die Diplom-Sozialpädagogin Sonja Löhmann vom Gesundheitsamt, der Diplom-Psychologe und Vertreter des Jugendamtes Hoya Michael Albers, Ralf Gropp sowie Jutta Mack aus der Ergotherapeutischen Praxis am Burgmannshof in Nienburg gehören zu den Gründungsmitgliedern der Initiative.

„ADHS ist ein von der Gesellschaft und den Medien verurteiltes und abgeschobenes Thema“, erklärte Heike Teichmann die Idee hinter der Gründung der Interessengemeinschaft. „Während unserer Arbeit im Kindergarten bekommen wir immer öfter und deutlicher die Probleme sowohl von Seiten der Kinder und Eltern als auch von Seiten der Erzieher zu spüren.“

Bisher hätten Betroffene im Landkreis Nienburg kaum eine Chance gehabt auf kompetente Beratung, Unterstützung und angemessene Hilfe – ein weiteres Zeichen für die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz des Themas, finden die Mitglieder. „Das Thema ADHS ist von Klischees und Vorurteilen geprägt, Betroffene erfahren oft Isolation, Unverständnis und sogar Verachtung“, erklärte die Diplom-Sozialpädagogin Sonja Löhmann.

„Wir wollen mit dieser Initiative und mehreren Fachvorträgen (siehe Artikelende) ein Stück Aufklärungsarbeit leisten“, kommentierte Lars Budde. „Vier Buchstaben umfassen in keiner Weise alle Aspekte dieser Krankheit.“ Nicht bei jedem von ADHS betroffenen Kind zeigen sich die Symptome, zu denen nicht nur Hyperaktivität und ein Aufmerksamkeitsdefizit zählen, in gleichem Maße.

Rund um die Krankheit spinnen sich nicht nur die wissenschaftlichen Thematiken. Auch die Frage nach der Schuld für das Verhalten stellt sich häufig. „ADHS gehört zu den angeborenen Krankheiten. Daran ist weder eine falsche Erziehung durch die Eltern, noch die Lehrerinnen und Lehrer, noch sonst irgendwer schuld“, sagte Michael Albers.

Das Thema ADHS umfasst sowohl medizinische als auch psychologische, physische sowie soziale Aspekte und ist weit gefächert. Die Interessengemeinschaft ADHS plant neben vier Fachvorträgen mit anschließenden Diskussionsrunden auch das Angebot einer ortsübergreifenden Gruppe für Eltern und Betroffene mit regelmäßiger fachlicher Begleitung.

Das Thema ADHS aus der Tabu-Zone zu holen, Vorurteile und Klischees auszuräumen und damit der Gesellschaft den Umgang ein wenig näher zu bringen, ist das erklärte Ziel der Interessengemeinschaft.

Die Interessengemeinschaft startet eine Vortragsreihe zum Thema ADHS in der Kindertagesstätte „Arche Noah“, Rudolf-Harbig-Straße 4 in Hoya. Informationen gibt es dazu unter Telefon 04251/3950.

30. Januar, 19.30 Uhr:

Medizinische Grundlagen,

Dr. Lars Budde

20. Februar, 19.30 Uhr:

Auswirkungen in Familie und Schule, Lutz Bittner (Johann-Beckmann-Gymnasium)

13. März, 19.30 Uhr:

Therapeutische Sichtweisen und Möglichkeiten,

Jutta Mack/Ralf Gropp

3. April, 19.30 Uhr:

Unterstützungsangebote,

Petra Kienast (Fachberaterin der Landesschulbehörde)

· jaw

Quelle: kreiszeitung.de

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