Ermittlung des Todeszeitpunkts

Klosterwald-Mord: Fliegenlarven helfen 

Verden/Loccum - Von Wiebke Bruns. Wenig appetitlich, aber spannend ist der Bereich der forensischen Entomologie. Es geht dabei um die rechtsmedizinische, kriminalistische Insektenkunde. Die Besiedelung eines Leichnams durch Insekten lässt Rückschlüsse auf die Leichenliegezeit zu.

Als Experte gilt der Biologe Dr. Jens Amendt. Der 53-Jährige hatte auch im Fall der im September 2015 getöteten Judith Thijsen Untersuchungen durchgeführt. In dem neu aufgerollten Mordprozess am Landgericht Verden wurde er nun nochmals als Zeuge gehört.

Am 20. September 2015 hatte der Vater im Loccumer Klosterwald die Leiche seiner 23 Jahre alten Tochter gefunden. Zeugen hatten die junge Frau acht Tage zuvor lebend gesehen. Die Staatsanwaltschaft Verden wirft dem 51 Jahre alten Angeklagten vor, die Frau am Nachmittag des 12. September 2015 ermordet zu haben. Um den Todeszeitpunkt zu bestimmen, bedienten sich die Ermittler des Biologen Dr. Jens Amendt. Nützliche Helfer bei der Ermittlung der Leichenliegezeit waren ihm die Grünschmeißfliegen. „Lucilia ampullacea“ hatten ihre Eier auf dem Leichnam abgelegt. „Es gibt Insektenarten, die besondere Vorlieben für Verwesungsstadien haben. Manche kommen erst dann, wenn der Körper schon abgebaut und die Verwesung vorangeschritten ist“, erklärte der Sachverständige.

Einen Tag nach dem Auffinden der Leiche wurden die Fliegenlarven abgesammelt und ihm nach Frankfurt geschickt, berichtete der Zeuge. „Einige waren konserviert, andere wurden weitergezüchtet. Denn die Fliege hat mehr als nackte Maden zu bieten“, verdeutlichte er. Bei den Maden sei dann eine Altersbestimmung durchgeführt worden. „Sie müssen mindestens sechs Tage alt gewesen sein“, legte sich Amendt fest. „Es bedeutet, dass der tote Körper spätestens am 14. September 2015 besiedelt worden ist.“ Es könne auch ein, zwei, drei Tage zuvor gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 23-Jährige in den Nachmittagsstunden des 12. September 2015 getötet worden ist. Kurz zuvor war sie noch lebend bei einem Drogeriemarkt gesehen worden. Eine Zeugin will sie noch an dem Nachmittag im Klosterwald gesehen haben. In dem ersten Prozess wurde dies als Verwechslung gewertet.

Der Angeklagte war damals im Maßregelvollzugszentrum Bad Rehburg untergebracht und hatte an diesem Tag unbegleiteten Freigang. Bei seiner Rückkehr waren einem Mitarbeiter Kratzer im Gesicht des 51-Jährigen aufgefallen. Dies soll der Mitarbeiter damals auch dokumentiert haben. Der Angeklagte soll die Kratzer damit erklärt haben, dass er bei einer Radtour in Gebüsch geraten sei.

Zu diesem Punkt haben die Verteidiger Matthias Huse und Torben Werk ein Sachverständigengutachten beantragt. Sie wollen damit beweisen, dass eine Ursache der Kratzer ohne genaue Untersuchung gar nicht zu bestimmen sei. Hintergrund ist, dass ein Mitarbeiter schon damals Zweifel an der Schilderung des Angeklagten gehabt haben will. Immer wieder kreisen Fragen um diesen Kratzer, wobei unklar ist, ob es einer oder mehrere waren. Ein Foto von der Verletzung wäre hilfreich, wurde damals aber nicht gemacht.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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