Wer war der junge Mann in Begleitung von Judith Thijsen?

Klosterwald-Mord in Loccum: Neue offene Fragen

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Die 8. Große Strafkammer glaubt einer Rentnerin, die Judith Thijsen am Nachmittag des 12. September 2015 gesehen haben will.

Verden/Loccum - von Wiebke Bruns. Neue offenen Fragen beschäftigen das Verdener Landgericht im Mordfall Judith Thijsen.

Nachdem die Richter in dem Verdener Landgerichtsprozess es bereits als „erwiesen“ bezeichnet haben, dass Judith Thijsen kurz vor dem vermuteten Todeszeitpunkt noch in Begleitung eines anderen Mannes im Loccumer Klosterwald gesehen worden ist, gibt es neue offene Fragen. Wer war dieser Mann? Und hätte die Zeit für einen Mord durch den Angeklagten Jörg N. dennoch ausgereicht? Letzteres hat die Kammer in einem Beschluss bejaht.

Wie bereits berichtet, glaubt die 8. Große Strafkammer einer Rentnerin, die Judith Thijsen am Nachmittag des 12. September 2015 gesehen haben will. In der Begleitung eines jungen Mannes, nicht des 50 Jahre alten Angeklagten. Die Begegnung soll zwischen 15.45 und 16 Uhr gewesen sein. Der Angeklagte war damals im Maßregelvollzugszentrum Bad Rehburg (MRVZ) untergebracht, hatte aber an dem Tag des Verschwindens der 23-Jährigen unbegleiteten Freigang. Mit Kratzern im Gesicht soll er um zirka 17 Uhr, möglicherweise auch erst 17.30 Uhr in die Einrichtung zurückgekehrt sein. Grundlage dafür sind Vermerke in den Unterlagen des MRVZ über die Kratzer und eine Medikamentenausgabe. Die Kratzer will sich Jörg N. beim Radfahren an einem Gebüsch zugezogen haben, so zumindest soll er es damals erklärt haben. In dem Prozess schweigt er.

Genug Zeit für die Tat

Ermittelt wurde von der Polizei, dass man vom Tatort bis zum MRVZ mit dem Fahrrad bei „gemütlichem Tempo“ 24 Minuten und 17 Sekunden benötigt. „Für die reine Tatbegehung und das Verstecken der Leiche hätten ihm mindestens 30 Minuten zur Verfügung gestanden, stellten die Richter in einem Beweisbeschluss fest und das „wäre in der Zeit möglich gewesen“, so deren Einschätzung.

„Das Entsorgen der Kleidung und des Handys der Getöteten wäre auch auf dem Rückweg möglich gewesen. Eventuell auch erst zu einem späteren Zeitpunkt“, heißt es weiter. Zumal der Angeklagte am nächsten und darauffolgenden Tagen wieder Freigang gehabt habe.

Die Kammer bezog Stellung im Rahmen eines Beschlusses mit dem ein Antrag der Verteidiger Matthias Huse und Torben Werk abgelehnt worden ist. Die Juristen hatten die Zeit als nicht ausreichend für die Tat angesehen. Huse streute aber sogleich neue Zweifel: „Als wahr unterstellt, dass sie an dem 12. September mit einem jungen Mann gesehen worden ist, warum meldet sich dieser Mann nicht?“

Unbekannter junger Mann auf dem Beifahrersitz

Eine berechtigte Frage, denn immerhin scheint der junge Mann Judith Thijsen vertraut gewesen zu sein. Denn eine Nachbarin will die 23-Jährige an diesem 12. September 2015 mittags mit einem Mann auf dem Beifahrersitz bei ihrer Wohnung wegfahren sehen haben. Möglicherweise saß der Unbekannte auch in dem roten Kleinwagen als die 23-Jährige bei einer Tankstelle Tabak besorgen wollte. Der Wagen parkte dabei jedoch so, dass der Beifahrerbereich nicht von einer Überwachungskamera erfasst worden war. Und laut einem Kassenbeleg bezahlte sie um 14.10 Uhr bei Rossmann ihren Einkauf. Ihr roter Fiat Seicento wurde am Abend des 18. September geparkt am Marktplatz in Loccum entdeckt. Und ihr Leichnam am 20. September im Klosterforst.

Der Prozess soll am 15. November fortgesetzt werden.

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