Die Natur hat nur gewartet

Knapp vier Jahre nach der Renaturierung ist der Meerbach in Nienburg nicht wiederzuerkennen

Der Steinhuder Meerbach in Nienburg
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Wo sich der Meerbach noch vor vier Jahren als schnurgerader Kanal durch die Felder zog, mäandert er jetzt zwischen Eichen, Binsen, Schilf und Erlen.

Der Erfolg der Renaturierungsmaßnahmen am Steinhuder Meerbach in Nienburg lassen sogar Fachleute ins Schwärmen geraten.

Nienburg. Hermann Morische, Abteilungsleiter Gewässerunterhaltung beim Kreisverband für Wasserwirtschaft, hat einige Renaturierungsmaßnahmen betreut. Hin und wieder aber ist selbst der Fachmann von den Ergebnissen überrascht. Am Steinhuder Meerbach in Nienburg, dicht am neuen Südring, kommt Morische regelrecht ins Schwärmen.

Vor knapp vier Jahren hatte der Kreisverband für den Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband Meerbach und Führse die Renaturierung eines 330 Meter langen Gewässerabschnitts begleitet. Die Flächen stammten aus der Flurbereinigung im Zuge der Südring-Planung. 90 Prozent der Kosten von rund 100 000 Euro trugen EU und Land; den Rest gab die Stadt Nienburg dazu. Der Unterhaltungsverband trat als Antragsteller auf, initiierte die Maßnahme und betreut das Ergebnis.

Abteilungsleiter Hermann Morische hat einige Renaturierungsmaßnahmen betreut.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen

Und das kann sich buchstäblich sehen lassen: Wo sich der Meerbach noch vor vier Jahren als schnurgerader Kanal mit steilen Böschungen durch die Felder zog, mäandert er jetzt zwischen Eichen, Binsen, Schilf und Erlen, als wäre es nie anders gewesen. Die Gestaltung und der neue Verlauf des Meerbachs wurden von Fachleuten berechnet und das Gewässer entsprechend angelegt. Sandige Ufer wechseln mit Gräsern ab, es gibt Steilkanten und Totholz im Fluss. Nach dieser Starthilfe zeigt die Natur, was sie kann. Auf potenziellen Überschwemmungsgebieten haben sich komplette Erlenbrüche gebildet – ohne Zutun des Menschen. Es wirkt, als hätten Pflanzen und Insekten nur auf diese Gelegenheit gewartet. „Ich bin gespannt, wie sich die Artenvielfalt entwickelt“, sagt Hermann Morische. „Ein Monitoring wird da Klarheit bringen.“

Theoretisch könnten beispielsweise 27 verschiedene Fischarten im Meerbach heimisch sein. Nachgewiesen sind bislang 13. Schon das würde mancher dem Flüsschen kaum zutrauen; Hermann Morische ist aber sicher, dass sich Arten und Anzahl von Fischen, Amphibien, Insekten und Vögeln spürbar erhöhen werden. „Im Idealfall würde man ein Gewässer natürlich komplett renaturieren“, sagt er. „Das ist in der Praxis aber kaum möglich. Wichtig sind darum sogenannte Trittsteine, also naturnahe Abschnitte in einem Gewässer, wo sich Pflanzen und Tiere ansiedeln können und über die dann ein Artenaustausch stattfindet.“

Der Hochwasserschutz bleibt eine Hauptaufgabe

Bei aller Freude über die Rückkehr der Artenvielfalt – der Hochwasserschutz bleibt eine Hauptaufgabe des „Meerbach und Führse“-Verbandes. Doch der, sagt Verbandsvorsteher Friedrich Könemann, steht zu einem naturnahen Gewässer nicht unbedingt im Widerspruch: „Bei Hochwasser kann der Meerbach in diesem Bereich jetzt schadlos über die Ufer treten“, sagt er. „Das hat vor allem zwei Effekte: Zum einen senkt das die Hochwassergefahr in besiedelten Gebieten, auch weil sich die Fließgeschwindigkeit verringert und eine Hochwasserwelle nicht, wie in einem Kanal, ungebremst stromabwärts zieht. Und zum zweiten wirkt der Boden im Überschwemmungsbereich wie ein Schwamm, der in trockeneren Phasen wieder Wasser abgibt.“ Angesichts extremerer Trockenperioden könnten die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen davon durchaus profitieren.

Schon jetzt kommt der naturnahe Flussabschnitt bei Spaziergängern und Radfahrern ausgesprochen gut an. Friedrich Könemann: „Uns freut besonders, dass es auch viele Leute gibt, denen es hier nicht nur gut gefällt, sondern die sich auch sehr für das Thema an sich und die Entwicklung des Projekts interessieren.“ Und diese Interessierten kommen nicht nur aus Nienburg: So plant der NDR gemeinsam mit dem BUND unter anderem einen Bericht über die erfolgreiche Renaturierung.

Idyllisch: Sandige Ufer wechseln mit Gräsern ab, es gibt Steilkanten und Totholz im Fluss.

Die nächsten 1400 Meter stromaufwärts werden überplant

Während im inneren Stadtgebiet, im Bereich Ziegelkampstraße, Planungen für eine Renaturierung unter städtischer Regie laufen, werden mit Mitteln des Landkreises derzeit die nächsten 1400 Meter Meerbach stromaufwärts in Richtung Steinhuder Meer überplant. Mit im Boot ist diesmal neben dem Kreis auch die Landesforstverwaltung, vertreten von den Förstern Kerstin Geier und Jörg Brüning. Hermann Morische hofft, dass die Planungen im Sommer abgeschlossen sind. Je nach Finanzlage könnte es im Anschluss für einen Teilabschnitt in die Umsetzung gehen.

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