Über Frauen, Finanzen und Klischees

Kommentar zu Finanzen: „Liebe Frauen, das muss nicht sein“

„Liebe Frauen, das muss nicht sein. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Klischees zutreffen“, schreibt Blickpunkt-Redakteurin in ihrem Kommentar.  Es geht um den „Equal Pay Day“ und das Verhältnis von Frauen und Finanzen. 

Zum „Equal Pay Day“ waren die Medien voll mit Aussagen über Frauen und die Lohnlücke zu Männern: „Frauen verdienen weniger als Männer“, „Frauen sind von Altersarmut bedroht“ oder „Frauen akzeptieren viel zu schnell ein Nein“ hieß es dort. Das alles ist schlimm genug. Was mich in diesem Zusammenhang aber hat aufhorchen lassen, ist die Aussage, dass Frauen sich selten oder viel zu wenig um ihre Finanzen kümmern. Und das nicht nur im Job. Völlig unverständlich ist es für mich, dass Frauen wohl Themen wie Versicherungen, Geldanlagen oder Finanzierungen von Immobilien ihren Partnern überlassen.

Ein solches Verhalten kenne ich nicht – und das wäre auch nichts für mich. So lange ich denken kann, hat sich meine Mutter etwa um die Steuererklärung gekümmert. Entscheidungen über Anschaffungen, damit eventuell verbundene Kredite oder auch Anlagen treffen meine Eltern gemeinsam. Für mich war das immer selbstverständlich. Heute muss ich wohl sagen: Danke Mama und Papa, für dieses positive Vorbild. Es ist traurig, dass dieses Verhalten nicht selbstverständlich zu sein scheint.

Johanna Müller 

Ebenso verhält es sich beim generellen Umgang mit Geld. Sparen gehört für mich zum Alltag dazu, seitdem ich als Schülerin im Eiscafé gekellnert habe. Das Trinkgeld wurde verprasst, der Rest erst einmal in eine Kiste gelegt. Heute mache ich mir auch darüber Gedanken, meine Ersparnisse sinnvoll anzulegen. Bei Recherchen zu diesem Thema bin ich auf die Autorin Natascha Wegelin alias „Madame Moneypenny“ gestoßen. Gespannt habe ich meine Nase in ihr Buch „Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“ gesteckt. Und war schnell ernüchtert. Darin geht es darum, dass Frauen sich keine überteuerten Rentenversicherungen andrehen lassen sollen, ein Mann keine Altersvorsorge sei und dass frau ihre Einnahmen und Ausgaben im Blick behalten sollte. Ich habe zwar auch einige neue Anregungen erhalten, aber vieles war mir schon klar. Daher hat es mich beim Lesen überrascht, dass andere Frauen das alles wohl nicht wissen. Geld wird ungezügelt ausgegeben, Kredite werden aufgenommen und der Teilzeitjob angenommen, ohne auch nur einmal an die Rente zu denken.

Liebe Frauen, das muss nicht sein. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Klischees zutreffen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Tut das! Guckt ins Netz, kauft euch Zeitschriften und Bücher. Beschäftigt euch mit eurem Geld – und das nicht nur beim Shopping. Denn es ist klar: Haben ist nicht nur besser, sondern auch angenehmer als brauchen.

Johanna Müller 


Kniffe der Gehaltsverhandlung

Im Rahmen ihrer Recherche zum „Equal Pay Day“ hat Redakteurin Johanna Müller auch das Seminar „Kniffe der Gehaltsverhandlung“ bei der Nienburger Koordinierungsstelle „frau+wirtschaft“ besucht. Dabei wurde den Frauen vermittelt, dass eine gute Vorbereitung eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche  Verhandlung sei.

Aktionstag „Equal Pay Day“

Gleiche Bezahlung für Männer und Frauen – noch immer ist das nicht überall Realität. Am „Equal Pay Day“ geht es darum, auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Der Aktionstag lag in diesem Jahr auf dem 18. März, der Tag ab dem Frauen theoretisch überhaupt etwas verdienen. Denn der durchschnittliche Verdienstunterschied liegt bei 21 Prozent, berichtet das Statistische Bundesamt. Kritisiert wird diese Zahl jedoch etwa vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Eine ideale Berechnung würde etwa ausschließlich den Lohn von gleich qualifizierten Männern und Frauen vergleichen, die unter exakt gleichen Bedingungen arbeiten. Diese sogenannte bereinigte Lohnlücke beziffern die Wissenschaftler auf 3,8 Prozent.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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