Ein Kommentar

Streit um „Hakenkreuz-Glocke“ in Schweringen: Unnötig Porzellan zerschlagen

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Unbekannte haben das Hakenkreuz und den Schriftzug „dies Kreuz gab Gelingen half Zwietracht bezwingen" entfernt.

Das Hakenkreuz ist weg von der inzwischen überregional bekannten Kirchenglocke in Schweringen. Diese Meldung sorgte nun für reichlich Diskussion in den sozialen Medien. Redakteur Michael Wendt kommentiert den Vorfall.

Gott ist barmherzig, und endlich hat sich auch ein Menschenkind erbarmt – oder waren es mehrere? Der oder die Täter bleiben mit etwas Glück im Dunkeln. Sie haben eine gute Tat begangen, als sie das unsägliche Hakenkreuz mit dem Trennschleifer vom Körper der Schweringer Kirchenglocke flexten. Applaus! 

Aus der anfänglichen Diskussion über den Umgang mit dem Nazisymbol war längst ein offener Streit geworden, der das Dorf zu spalten drohte. Ein Dorf, in dem Nachbarschaft noch etwas zählt, in dem man sich kennt, hilft, vertraut und an einem Strang zieht. In dem man bis heute stolz ist auf den Bundessieg im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ (1983). 

Die einen (meist Jüngere) konnten einfach nicht verstehen, warum den anderen (oft Ältere) der fehlende Glockenklang viel mehr auf der Seele brannte als das Nazisymbol, das bis September 2017 in Vergessenheit geraten war und niemanden gestört hatte. Vielleicht muss man das auch nicht verstehen.

Unter Denkmalschutz? Ernsthaft?

Michael Wendt

Aber um einen Streit zu beenden, muss man die Meinung anderer akzeptieren können. Das schien zuletzt beiderseits unmöglich. Gut also, dass das Problem nun mit der Flex gelöst wurde. Man fragt sich allerdings: Warum nicht gleich so? Weil die Glocke unter Denkmalschutz steht? Ernsthaft?

Weil die Glocke ohne Hakenkreuz möglicherweise anders klingt oder vor dessen Entfernung und danach irgendeinem kirchlichen Ritus hätte unterzogen werden müssen? Weil es unbedingt einer „Hakenkreuz-Glocke“ als Mahnmal bedurft hätte? Man kann sich das Leben auch schwer machen. 

Vor allem aber hat die Landeskirche dem ehrenamtlichen Kirchenvorstand das Leben schwer gemacht. Erst lässt man ihn entscheiden, dass die Glocke wieder schlagen soll. Und dann beißt man sich – wenige Tage vor Ostern! – an einem Formfehler bei der Abstimmung fest, um die Glocke weiterhin schweigen lassen zu können. Hätte man besser früher die Bronze geflext anstatt unnötig Porzellan im Dorf zerschlagen.

Quelle: kreiszeitung.de

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