Kreiszeitung-Autor Philipp Schockenhoff frischt Kenntnisse in Lebensrettung auf

Auch Pflasteraufkleben ist Erste Hilfe

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Jetzt weiß Philipp Schockenhoff, wie es geht: Der Kurs motivierte ihn, auszuprobieren, wie er ein Warndreieck richtig aufbaut.

Hoya - Von Philipp Schockenhoff. Wie jeder Autofahrer in Deutschland habe auch ich vor meiner Führerscheinprüfung einen Erste-Hilfe-Kurs besucht und mir erklären lassen, wie man eine Unfallstelle absichert, was in meinem Erste-Hilfe-Verbandskasten steckt und wie man die stabile Seitenlage macht. Das ist jetzt zehn Jahre her und das meiste hatte ich wieder vergessen. Zum Glück bin ich bisher nie in die Situation gekommen, im Straßenverkehr das eigentlich Gelernte anzuwenden. Trotzdem nagte der Gedanke an mir, was, wenn ich es doch mal muss?

Aus diesem Grund besuchte ich jetzt eine „Unterweisung in lebensrettenden Sofortmaßnahmen“ in der Fahrschule Selent in Hoya, geleitet von Frank Wenzlow. Er ist Sachverständiger für den Rettungsdienst und Leiter des „Ambulance Service Nord (ASN)“.

Zu Anfang macht Wenzlow klar, wie gering das Risiko ist, tatsächlich Erste Hilfe im Straßenverkehr leisten zu müssen. Er zeigte uns die Unfallstatistik des vergangenen Jahres. 374000 Menschen verletzten sich bei Verkehrsunfällen. 2,73 Millionen Unfälle passierten hingegen im Haushalt. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich fünfmal so hoch. Gefährlicher als auf den Straßen ist es also zu Hause.

Nach dieser statistischen Unterweisung stelle ich schnell fest, dass fast alles, was ich in meinem ersten Erste-Hilfe-Kurs gelernt habe, veraltet ist. Wenzlow überrascht das nicht: „Wir haben eigentlich alle zwei Jahre neue Inhalte in den Kursen“, erklärt er.

Immerhin zwei Dinge habe ich noch richtig im Kopf: Eigenschutz steht an erster Stelle. Ich soll mein eigenes Leben nicht riskieren, um jemandem zu helfen, denn im schlimmsten Fall haben die Sanitäter dann zwei, um die sie sich kümmern müssen. Trotzdem gilt noch immer: Jeder muss Erste Hilfe leisten.

„Niemand erwartet von euch dabei besondere medizinische Kenntnisse“, erklärt Wenzlow der Gruppe. Ich bin beruhigt, als er sagt, dass auch Pflasteraufkleben schon Erste Hilfe ist. Das kriege ich auf jeden Fall hin.

Unser Kursleiter hat viele Informationen. Großzügig schmeißt er damit um sich, oft gepaart mit einem Spruch. Möglicherweise ist sein Humor ein Mittel mit den Erfahrungen, die er in seinem Job und bei den zahlreichen Unfällen schon gemacht hat, zurecht zu kommen. Er wird aber immer wieder ernst, wenn er Klartext redet und schonungslos von dem erzählt, was er gesehen hat. Damit schafft er es, schreckliche Dinge zu erzählen, ohne uns in eine Schockstarre zu versetzen.

Es ist eine ganze Menge, die sich in den Jahren, die ich jetzt schon mit dem Auto unterwegs bin, geändert hat. Ich bin in der Gruppe sicherlich nicht der Einzige, der zu dem Schluss kommt, dass diese Erste-Hilfe-Auffrischung äußerst hilfreich ist. Ich will jetzt zumindest ausprobieren, wie ich ein Warndreieck richtig aufstelle. Das habe ich vorher nie versucht.

Von all den wichtigen Sätzen, die Wenzlow während des Kurses sagt, ist dieser meiner Meinung nach der wichtigste: „Es gibt keine Sicherheit, die man kaufen kann, und man sollte nie schneller fahren als der eigene Schutzengel fliegen kann.“

Quelle: kreiszeitung.de

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