Engel in den dunkelsten Stunden

DRK-Krisenhelfer geben Opfern Halt

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Gemeinsam kümmert sich das Kriseninterventionsteam des DRK um geschockte Opfer. Dieses Engagement wird durch eine von Ralf Thäsler (links) überreichte Spende unterstützt.

Nienburg - Wer als Angehöriger mit den Folgen eines schweren Unfalls konfrontiert wurde, weiß, welche Wunden ein solches Unglück in der Seele hinterlässt. Und auch die Helfer von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei haben bei aller Professionalität Bilder im Kopf, die sie nie vergessen werden. Kaum jemand kennt die Menschen, die sich in diesen Momenten um die Seele der Betroffenen kümmern.

Seit Mai 2016 bilden Kira Borghorst und ihre fünf Kollegen das Kriseninterventionsteam des Landkreises Nienburg. Alle sechs sind hauptamtliche Mitarbeiter beim Rettungsdienst des DRK-Kreisverbands; die 380 Stunden umfassende Ausbildung zum Kriseninterventionshelfer haben sie aus persönlichem Interesse „draufgesattelt“. Bei beispielsweise Verkehrsunfällen kümmern sie sich um geschockte Opfer; sie geben aber auch Menschen, denen die Nachricht vom Tod eines Angehörigen überbracht wurde, Halt.

Wie, das ist ganz unterschiedlich, sagt Wilfried Gallas: „Manchmal müssen wir einfach nur da sein. Manchmal hilft reden. Oft geht es um intensives Zuhören.“ Die Mitglieder des Teams versuchen, das soziale Netzwerk des Betroffenen zu aktivieren. Freude und Familie sollen – sofern möglich – verhindern, dass ein Mensch in einen seelischen Abgrund stürzt. Bis dahin nehmen sie sich Zeit: „Wir gehen erst dann, wenn wir mit gutem Gewissen gehen können.“

Für Kinder finden sich in den Koffern des Kriseninterventionsteams Kuscheltiere, Malsachen und Spielzeug. Geht es um Kinder, da sind sich die sechs einig, ist die Arbeit am schwersten. Doch nicht nur bei Kindern, sondern generell versuchen die Krisenhelfer, die Menschen abzuschirmen und sich mit ihnen möglichst in einen geschützten Raum zurückzuziehen – notfalls in einen Polizeiwagen. Auch, um zu verhindern, dass Gaffer mit ihren Handys die Trauer und das Leid der Betroffenen in alle Welt verbreiten. Der Bedarf an der Arbeit des Kriseninterventionsteams wächst, zumal sich die Notfallseelsorger auch um Retter und Helfer kümmern, die an die Grenze ihrer Belastbarkeit kommen und die das während des Einsatzes manchmal selbst gar nicht wahrnehmen. Um die Arbeit zu bezahlen, die Ausrüstung zu verbessern und das Team personell erweitern zu können, ist finanzielle Unterstützung wichtig.

Die kam jüngst von Ralf Thäsler, Mitarbeiter des regionalen Netzbetreibers Avacon, der die „Seelen-Helfer“ mit einer namhaften Spende überraschte. Mike Plate, Leiter Rettungsdienst beim DRK-Kreisverband, würdigt dieses finanzielle Engagement: „Das Kriseninterventionsteam ist in einem Bereich tätig, bei dem sich Werbung von selbst verbietet. Umso wichtiger ist solche Unterstützung von regionalen Unternehmen.“

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