Umgang mit Auflagen und der Öffentlichkeit / Agrar-Tagungen

„Kritikern der Tierhaltung offen begegnen“

Referenten der Agrar-Tagungen (v.l.): Uwe Rötschke (LWK Niedersachsen), Bernd Rosenberg (Sparkasse Nienburg), Hartmut Schlepps (Landvolk Niedersachsen), Angelika Sontheimer (Meißendorf), Heinfried Sudmann (Sankt Hülfe) sowie Oliver Pohlmeier (Sparkasse Nienburg). ·
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Referenten der Agrar-Tagungen (v.l.): Uwe Rötschke (LWK Niedersachsen), Bernd Rosenberg (Sparkasse Nienburg), Hartmut Schlepps (Landvolk Niedersachsen), Angelika Sontheimer (Meißendorf), Heinfried Sudmann (Sankt Hülfe) sowie Oliver Pohlmeier (Sparkasse Nienburg). ·

Nienburg - UCHTE / BÜCKEN · Zur vierten Agrar-Management-Tagung im Uchter Ortsteil Höfen und in Bücken hatte die Sparkasse Nienburg in enger Zusammenarbeit mit der Bezirkstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWKN) landwirtschaftliche Unternehmer eingeladen. Ist mein Betriebsstandort für die Zukunft noch geeignet? Umgang mit behördlichen Auflagen und einer kritischen Öffentlichkeit lautete das Thema dieser Veranstaltungen.

In ihren Begrüßungen machten Oliver Pohlmeier und Bernd Rosenberg von der Sparkasse Nienburg deutlich, dass aufgrund des fortschreitenden Strukturwandels eine Erweiterung vieler landwirtschaftlicher Betriebe notwendig sei. Diese Entwicklung betrachte die Bevölkerung oft kritisch.

Hartmut Schlepps, Umweltreferent beim Landvolk Niedersachsen – Landesbauernverband in Hannover, ging auf die weltweit steigende Nachfrage von Erzeugnissen der Landwirtschaft und deren Chancen für betriebliches Wachstum ein. Wachstum ja – allerdings nur unter strenger Beachtung der Auflagen. Diese nähmen ständig zu und ließen die Kosten für Neuinvestitionen in die Tierhaltung stark ansteigen. Ein wichtiges Thema dabei sei die Wirtschaftsdüngerverwertung, wie es in einer jetzt vorgelegten Pressemitteilung heißt.

Bei der Wahl eines neuen Standortes für einen Stall seien insbesondere Anforderungen an den Immissionsschutz zu beachten. Es müssten gesetzlich vorgeschriebene Abstände zu empfindlichen Ökosystemen und Wohnbebauung eingehalten oder die Abluft der Ställe durch Filteranlagen gereinigt werden. Schlepps Fazit: „Lösungen zur Weiterentwicklung in der Tierhaltung sind vorhanden, aber zum Teil sehr kostenaufwendig.“

Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung spiele eine wichtige Rolle. Den Kritikern der Tierhaltung müsse offen begegnet werden, um gemeinsam vertretbare Lösungen zu finden. Dort setzte der Vortrag von Angelika Sontheimer über die Öffentlichkeitsarbeit auf landwirtschaftlichen Betrieben an. „Es geht darum, den Menschen zu erklären, was Landwirte überhaupt tun und warum sie das tun“, erklärte die Agrar-Journalistin. Pressearbeit, Betriebsführungen, die Teilnahme am Tag des offenen Hofes, Internet-Auftritte, Flyer und vieles mehr könnten dabei helfen. Das Entscheidende sei, wie die Öffentlichkeit den Landwirt wahrnehme. „Landwirte sind Artenschützer, Landschaftsarchitekten, Kuh-Wellness-Trainer, Produktmanager und Bodenbewahrer zugleich. Alles eine Frage der Sichtweise“, erklärt Sontheimer. Insbesondere den „Nicht-Landwirten“ müssten die Zusammenhänge und die Technik in der Landwirtschaft erklärt werden. Der erste Eindruck vom Hof und das Auftreten des Betriebsleiters selbst seien dabei besonders wichtig. Eine frühzeitige Vorbereitung auf Gespräche, Reportagen oder Ähnliches könne dabei helfen, kurze und verständliche Antworten zu finden. Gesprächspartner sollten respektiert und Sorgen von Kritikern ernstgenommen werden.

Heinfried Sudmann berichtete schließlich aus der Praxis über die „Betriebsentwicklung im Einklang mit Behörden und der Bevölkerung“. Der Landwirt aus Sankt Hülfe gründete den heutigen Betrieb 1987 mit dem Bau eines Boxenlaufstalls für 70 Milchkühe und erweiterte diesen kontinuierlich zu einem landwirtschaftlichen Unternehmen mit zurzeit 800 Kühen, einer Biogasanlage und elf Mitarbeitern. Neben dem Erfüllen der gesetzlichen Vorgaben war für ihn wichtig, dass Bauvorhaben rechtzeitig der Politik, der Bevölkerung und den zuständigen Ämtern vorzustellen. Zur guten Zusammenarbeit mit Behörden gehöre es auch, benötigte Unterlagen zeitnah ein- beziehungsweise nachzureichen und stets für Rückfragen zur Verfügung zu stehen. Auch eine Betriebsbesichtigung mit betroffenen Personen könne sinnvoll sein, um das geplante Bauvorhaben vorzustellen. So könnten wichtige Fragen und Sorgen direkt vor Ort geklärt werden. „Ziel muss es sein, zusammenzuarbeiten und Einigungen zu schaffen, Konfrontationen gilt es zu verhindern“, so der Landwirt aus Sankt Hülfe.

In der Diskussion sei deutlich geworden, dass es gelang, den Teilnehmern die möglichen Entwicklungs-Chancen in der Nutztierhaltung unter den gegebenen gesetzlichen Bedingungen darzustellen sowie alle Beteiligten hinsichtlich der notwendigen Öffentlichkeitsarbeit zu sensibilisieren.

Quelle: kreiszeitung.de

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