s’putnike produziert aktuell Kurzfilm „Die Blaue Brücke“

Die Dreharbeiten laufen

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„Freeze!“, ruft Frank Niemöller, die 14 Jugendlichen bleiben abrupt stehen. Sie drehen aktuell den Kurzfilm „Die Blaue Brücke“.

Nienburg - von Kristina Stecklein. Möglicherweise wird sogar Hollywood hellhörig: In Nienburg wird aktuell der Kurzfilm "Die blaue Brücke" gedreht. Die Beteiligten beweisen: Das Budget für einen guten Film muss nicht in Millionenhöhe liegen.

Sebastian Ganso (mitte) beim Filmen einer Szene.

„Und Achtung!“ Frank Niemöller klatscht in die Hände. 14 Jugendliche laufen los. „Freeze!“, ruft er auf einmal, die Jugendlichen bleiben stehen, sind wie „eingefroren“. Mit kritischen Blicken überprüft der künstlerische Leiter die Posen der jungen Schauspieler. Es ist kurz nach 15 Uhr, die Sonne scheint auf die kreativen Köpfe. Acht Stunden am Tag wird gedreht, geprobt und natürlich auch Pausen gemacht: Eben genau so, wie an einem richtigen Filmset.

Hier entsteht der Kurzfilm „Die blaue Brücke“, ein Projekt, angesiedelt im Jugendmigrationsdienst. „Wir wollen das Thema Flucht aufgreifen, aber auch Ankunft und Zukunft“, erklärt Sven Kühtz, CJD-Öffentlichkeitsbeauftragter, während er einzelne Momente mit der Kamera fotografisch festhält. Dabei soll das Gesamtprojekt keinesfalls an einen Dokumentarfilm erinnern: Jeder, der die bewegten Bilder sieht, soll danach ein gutes Gefühl haben: Zehn bis 15 Minuten, die ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Das ist zumindest der Plan. „Der Film gilt für ein offenes Europa“, sagt Niemöller und wendet sich gleich den nächsten Regieanweisungen zu.

Ein ganz genaues Konzept, woran sich die Filmemacher entlang hangeln können, gibt es nicht. „Das können wir gar nicht leisten“, gibt Kühtz zu Verstehen. So werden verschiedene Kameraeinstellungen vor Ort ausdiskutiert, umgeschmissen, wieder neu gefilmt. Es geht um zwei Gruppen, die „Einheimischen“ und die „Geflüchteten“, Doch das grobe Gerüst steht, am Donnerstagabend folgten Aufnahmen im Dunkeln, anschließend einzelne Aufzeichnungen der Jugendlichen in einer Greenbox. Möglich machen dies Jawid Sadegi aus Afghanistan und Sebastian Ganso (Facebook: Mr. Ganso) aus Nienburg. Vor seiner Flucht hat Sadegi hauptberuflich als Kameramann gearbeitet. Auch Ganso ist professioneller Filmemacher, arbeitet freiberuflich im Bereich „Ton, Bild und Film“.

„Jeder Freund war früher ein Fremder“

Ende September soll „Die Blaue Brücke“ fertig werden. „Wir werden eine öffentliche Vorführung anbieten“, überlegt Kühtz laut. Wenn alles klappt, auch als Vorfilm im Kino. Apropos – wer jetzt schon einen Blick vom Projekt erhaschen möchte, schaut besten auf der Facebook-Seite des CJD (www.facebook.com/cjdnienburg/) vorbei, hier gibt es bereits einen kurzen Teaser, der wirklich vielversprechend ist.

Nour (links) und Mohamed.

Beim Projekt nehmen auch der 18-jährige Nour Alashkar aus Syrien (ursprünglich Palästina) und der 24-jährige Mohamed Hussam, ebenfalls aus Syrien, (ursprünglich Damaskus) teil. Nour ist 2015 nach Deutschland geflohen, Mohamed 2016. Auffällig ist: Beide sprechen wirklich gut deutsch. Mohamed hat die Sprache über Youtube-Videos gelernt. Dass er am Anfang niemanden verstanden hat, war für ihn keine angenehme Erfahrung. „Eine andere Sprache, andere Straßen, man kann nichts lesen“, erinnert sich der 24-Jährige zurück. Täglich hat er weiter gelernt, sich mit der Grammatik auseinandergesetzt. Denn das hat ihm beim Unterricht oft gefehlt: Kaum jemand konnte grammatikalisch erklären, warum eigentlich so gesprochen wird. „Das haben wir nicht verstanden“, sagt Mohamed. Das Projekt gefällt den beiden jungen Männern gut, sie heben den Daumen hoch und lachen ausgelassen. „Es macht Spaß“, sind sich beide einig.

Monique (links) und Jil.

Zur Gruppe der „Einheimischen“ gehören die beiden 18-jährigen Monique Milhamke aus Nienburg und Jil Boßmann aus Lemke. Auch ihnen machen die Aufnahmen viel Spaß, Jil ist das erste Mal bei solch einem Projekt dabei. Dass die Verständigung in der Gruppe so gut funktioniert, hätten beide anfangs aber nicht vermutet. „Wir dachten, man muss sich mit Händen und Füßen verständigen“, geben sie lachend zu. Doch das Gegenteil ist der Fall. „Es ist super interessant“, sagen die beiden Mädchen.

Hier geht's zum Teaser:

Wer fördert das Projekt?

Gefördert wird das Projekt vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, WABE, Lions-Club, Cor Leonis, den Stadt- werken Nienburg und der KD- Bank-Stiftung.

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