Zu Gast beim Kirchenstammtisch in Hassel

Wolfsberater: „Es läuft ein Freilandversuch ,Mensch und Wolf‘“

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Lars Pump (vorn, rechts) ist Förster und Wolfsberater im Landkreis Diepholz. Beim Kirchenstammtisch für Männer im Haus der Gemeinde Hassel hielt er einen Vortrag über „Wölfe in Niedersachsen“. Peter Fleischer (vorn, links) vom Kirchenvorstand leitete die Veranstaltung.

Hassel - Von Horst Friedrichs. Der „einsame Wolf“ kommt in die Stadt und räumt auf. Die Szene ist ein Standard-Motiv aus amerikanischen Westernfilmen – und ein Vergleich, der hinkt.

Das erfuhren die Zuhörer eines spannenden Vortrags diese Woche während des Kirchenstammtischs für Männer im Gemeindehaus in Hassel. Mag das Bild vom menschlichen „Lone Wolf“ auch wunderbar ins Klischee des Revolver schwingenden Westernhelden passen, der eine Stadt mal eben von Tyrannen oder sonstigen Bösewichtern befreit, die wirklichen amerikanischen Wölfe jagen nur im Rudel. Der Einzelgängerwolf dagegen – ist ein Europäer.

So erklärte es Lars Pump, Förster und Wolfsberater aus Syke, seinen Zuhörern in Hassel. Peter Fleischer vom Kirchenvorstand begrüßte die Teilnehmer, die diesmal in besonders großer Zahl zum Kirchenstammtisch gekommen waren. „Ich bin nicht der Anwalt der Wölfe“, betonte Lars Pump. „Ich liefere lediglich Informationen und ergreife dabei weder für die eine noch die andere Seite Partei.“ In Niedersachsen laufe ein großer Freilandversuch „Mensch und Wolf“, und dazu würden die Meinungen bekanntlich weit auseinandergehen.

Ehrenamtlich als Berater aktiv

Lars Pump ist als ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter der Jägerschaft Syke und des Landvolks zuständig für den nördlichen Landkreis Diepholz, also das Gebiet des ehemaligen Landkreises Grafschaft Hoya.

Anhand von Bildern schilderte Lars Pump die Geschichte des eurasischen Wolfs, der in Niedersachsen und in weiten anderen Teilen Deutschlands heimisch geworden ist. Bereits in der germanischen Götterwelt seien Odins Wölfe verehrt und gefürchtet worden. Der Mythos vom Werwolf sei fraglos durch die Tollwut entstanden. Schon zu Zeiten Karls des Großen († 814) sei Jagd auf den Wolf gemacht worden.

Nur selten ging ein Tier durch die Lappen

Pump nannte Beispiele aus den vielen Arten der Wolfsjagd. So habe man früher etwa reihenweise Lappen an Seilen aufgehängt, auf die dann die Wölfe zugetrieben wurden. Weil die Tiere aber eine natürliche Scheu vor dem scheinbaren Hindernis hatten, wichen sie vor den Lappen zurück und wurden dann getötet. Nur selten kam es vor, dass ein Wolf „durch die Lappen ging“ – daher das Sprichwort.

Eine andere Jagdmethode war die sogenannte Wolfsangel: Ein Fleischbrocken wurde in einem Haken an einem Baum aufgehängt, so hoch, dass der Wolf ihn eben noch erreichen konnte. Hatte er den Köder erwischt, blieb er an dem Haken hängen und verendete qualvoll.

Seit den 1970er-Jahren ist der Wolf nun geschützt. „Erst bei einer gesicherten Population könnte das geändert werden“, sagte Lars Pump. „Die bei uns gesichteten Wölfe kommen alle aus Polen. Sie sind auf natürliche Weise eingewandert; es gibt bei uns keine ausgesetzten Wölfe. Anders war es beim Luchs, der wurde gezielt ausgewildert.“

Bildbeispiele geben mehr Aufschluss

Mit aufschlussreichen Bildbeispielen demonstrierte der Wolfsberater, wie schwierig es manchmal sei, Wölfe von bestimmten Hunderassen, etwa dem Wolfshund, zu unterscheiden. „Probleme gibt es, wenn Wölfe und Hunde sich paaren“, antwortete Pump auf eine Zuhörerfrage. Dann entstehen sogenannte Hybriden, eine gefährliche Mischung, weil sie andere Verhaltensweisen entwickeln und beispielsweise den Menschen angreifen. Dagegen hat der echte Wolf, wenn er keine Tollwut hat, eine natürliche Scheu vor dem Menschen.

Der eurasische Wolf, so erklärte Lars Pump weiter, jage überwiegend einzeln oder bestenfalls einmal zu zweit. Der nordamerikanische Wolf dagegen jage in Rudeln. Wolfsrudel gebe es bei uns dagegen lediglich als Familienverband.

Rehwild bevorzugtes Beutetier

Bevorzugte Beutetiere des Wolfs seien hierzulande vor allem Rehwild mit einem Anteil von 54 Prozent, daneben auch Damwild und Schwarzwild. Haustiere seien im Beuteschema des Wolfs nur mit einem Anteil von 0,6 Prozent vertreten. „Man kann nicht sagen, der Wolf frisst alle Rehe“, unterstrich Pump. „Das stimmt einfach nicht. Außerdem gibt es in unserer Gegend genügend Wild.“ Im Gebiet um Hassel und Hoya sei aber „zu viel los“, deshalb lasse sich der Wolf dort nicht nieder.

Für den Menschen sei die Gefahr durch den Wolf gering. Probleme gebe es vor allem zwischen Wölfen und Nutztierhaltern. Lars Pump zeigte in diesem Zusammenhang Fotos aus seiner Arbeit als Wolfsbeauftragter. Zu seinem Aufgabengebiet gehört es, von Wölfen gerissene Nutztiere genau zu dokumentieren, letztlich auch wegen Entschädigungsansprüchen der Besitzer.

Pump berichtete auch über spezielle Herdenschutzhunde, deren Einsatz allerdings nur bei großen Schafherden sinnvoll sei. Ähnliches gelte für Esel, die auch aus Schutz vor Wölfen eingesetzt werden können.

Auf Zuhörerfragen ging der Wolfsberater ebenfalls ausführlich ein.

Quelle: kreiszeitung.de

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