2019 werden Menschenknochen aus Kiesgruben untersucht

Landkreis: Menschenopfer in der Weser?

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Dr. Silke Grefen-Peters, Dr. Jens Berthold, Dr. Immo Heske und Dr. Kristina Nowak-Klimscha begutachten einen Schädel.

Nienburg - Von Max Brinkmann. Menschenopfer in der Weser? Heutzutage undenkbar. In der Bronzezeit (3.000 bis 1.200 v. Chr.) jedoch schon. Ob dem wirklich so war soll nächstes Jahr erforscht werden.

Auf diese Idee kam der Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold gemeinsam mit Museumsleiterin Dr. Kristina Nowak-Klimscha aus Nienburg. Im Museum gibt es nächstes Jahr eine Ausstellung, die sich unter anderem mit den eiszeitlichen Tierresten aus den Kiesgruben entlang der Weser beschäftigen wird.

Das Forschungsprojekt ist zwar unabhängig „schmiegt sich thematisch aber daran an“, da die Fundumstände sehr ähnlich sind. Geklärt werden soll vor allem die Frage, warum so viele Menschenreste in die Sand- und Kiesablagerungen der Weser eingebettet sind.

Mit einer beantragten Förderung des Landschaftsverbandes Weser-Hunte werden die Universität Göttingen und die Kommunalarchäologie eine Untersuchung von Kiesgrubenfunden in die Wege leiten. Neben vielen Tierresten und anderen Funden verschiedener Epochen kommen immer wieder menschliche Schädel und Skelettteile zum Vorschien, die aus sich heraus nicht sicher zeitlich einzuordnen sind. Über bestimmte Untersuchungen soll geklärt werden, ob sich Schwerpunkte abzeichnen.

In England gibt es bereits entsprechende Erhebungen über Funde in der Themse. Dort gab es Schwerpunkte zur Bronzezeit. Wissenschaftler gehen deswegen davon aus, dass zu dieser Zeit nicht nur Gegenstände sondern auch Menschen in dem Fluss geopfert wurden. Ob es ähnliche Opfer auch in der Weser gab, will das Nienburger Team jetzt herausfinden.

Dazu stehen erst einmal 2.500 Euro zur Verfügung. „Das Projekt ist eine Art Testlauf“, erzählt Bethold. Bei einem ersten Arbeitstreffen haben sich die Beteiligten für fünf Schädel und Knochen entschieden, die nun untersucht werden sollen – für mehr steht kein Geld zur Verfügung. „Wenn wir gute Ergebnisse erzielen, können wir damit an eine größere Stiftung herantreten, um anschließend weiter forschen zu können“.

Die fünf „Beispiel“-Knochen und -Schädel stammen aus Kiesgruben in Stolzenau, Leese und Landesbergen. Eine Schädeldecke wurde sogar im Jahr 1933 gefunden, aber auch Knochenfunde aus diesem Jahr sind dabei.

„Die Funde werden Anfang nächsten Jahres zu einem Labor in Mannheim geschickt“, erklärt Dr. Immo Heske von der Uni Göttingen. „Nach drei bis vier Monaten haben wir die Ergebnisse“. Anschließend kann Anthropologin Dr. Silke Grefen-Peters das Alter bestimmen: „Die Schädeldicke und -nähte sind zum Beispiel gute Merkmale, um Alter und Geschlecht der Person zu bestimmen“, sagt sie.

Mitte 2019 sollten dann die ersten filnalen Ergebnisse auf dem Tisch liegen, sind sich die Beteiligten sicher. Wer Menschenknochen in Kiesgruben findet, sollte laut Berthold auf jeden Fall das Museum oder die Kommunalarchäologie informieren: „Dort werden die Funde dann weiter untersucht.“

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