Seuche rückt näher

Landkreis Nienburg bereitet sich auf Afrikanische Schweinepest vor

Landkreis - Von Johanna Müller und Anne Hinrichs. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich in den Wildschweinbeständen vieler Regionen Osteuropas immer weiter aus. Zudem ist mittlerweile auch Belgien betroffen, die Bundesrepublik ist also eingekesselt. Auch im Landkreis Nienburg herrscht daher eine angespannte Seuchensituation.

„In Deutschland ist bisher kein Fall der Afrikanische Schweinepest bekannt, aber man muss sensibel sein“, sagt Martin Schmitt vom Fachbereich Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Nienburg. Daher bereiten sich Veterinäramt und Jägerschaft momentan intensiv auf den Ernstfall vor. Vor allem Schweinehalter fürchten die Ausbreitung von ASP, deren Ausbruch in Deutschland zu verheerenden wirtschaftlichen Einbußen in der Landwirtschaft führen würde. 

Bei der Afrikanischen Schweinepest handelt es sich um eine hochansteckende und anzeigepflichtige Viruserkrankung, die ausschließlich Haus- und Wildschweine befällt. Menschen können sich nicht infizieren. Auch andere Tierarten, wie zum Beispiel Hunde oder Katzen, sind nicht empfänglich. Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch Menschen für die Verbreitung verantwortlich sind.

Auch landwirtschaftlich gehaltene Schweine sind von der Afrikanischen Schweinepest gefährdet.

Eine Übertragung durch Kleidung, Gegenstände und Fahrzeuge ist möglich, sofern sie mit dem Virus in Kontakt gekommen sind. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind afrikanische Länder das Hauptverbreitungsgebiet der ASP. Über illegal entsorgte Speiseabfälle gelangte die Seuche wahrscheinlich nach Georgien und von dort aus weiter zum Beispiel nach Armenien, Polen, Lettland und Rumänien. Laut des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) verbreitet sich die Krankheit direkt über den Tierkontakt oder über Blut und bluthaltiges Gewebe. 

Beispiele: Ein Jäger schießt ein infiziertes Wildschwein. Anschließend betritt er einen Schweinestall, obwohl er noch Blut am Schuh kleben hat. So kann er das Virus weitergeben. Das gleiche gilt, wenn Reisende ihre Wurstbrote auf Rastplätzen nicht in die dafür vorgesehenen Tonnen werfen, sondern achtlos in die Natur. Dort finden Keiler, Bachen und Frischlinge die Stullen, fressen sie und infizieren sich möglicherweise mit ASP. Der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt für Menschen übrigens kein gesundheitliches Risiko.

Tote Wildschweine jederzeit melden

Sollte die Afrikanische Schweinepest auch im Landkreis Nienburg ankommen, würde dies durch Funde toter Wildschweine bemerkbar werden, erklärt Veterinär Schmitt: „Die findet man dann wohl zuhauf.“ Schließlich endet ASP tödlich. Diese Tiere sind dann hochinfektiös. Passanten, die beispielsweise am Straßenrand ein Wildschwein als Fallwild entdecken, werden darum gebeten, dieses nicht zu berühren. Der Kontakt eines Hundes mit dem Wildschwein ist ebenfalls zu vermeiden, damit es zu keiner Weiterverbreitung kommt. 

Der Fachbereich Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung bittet darum, im Falle eines Wildschweinkadaverfundes unverzüglich den Landkreis zu informieren. Es besteht einerseits die Möglichkeit, sich direkt an das Veterinäramt unter Tel. 0 50 21/967-113 zu wenden, andererseits kann auch der Notruf 110 gewählt werden, damit der Kadaver fachgerecht entsorgt und eine Beprobung durchgeführt werden kann.

ASP: Veterinäramt und Jäger arbeiten eng zusammen

Um für den Ausbruch gewappnet zu sein, investiert das Veterinäramt aktuell viel Zeit und Manpower in die Vorbereitung. Dabei wird auch eng mit den zuständigen Landesbehörden sowie den Jägern zusammengearbeitet. Erst vor einigen Woche habe es etwa eine Tierseuchenübung gegeben, bei der ein ASP-Fall simuliert wurde. Besonders der Austausch mit den Jägern, die sich gut im Kreis auskennen und denen die Wildschweinrotten bekannt sind, sei gut gewesen. Bei der Vorbereitung wurde klar: Es ist wichtig, die Kadaver nach dem Ausbruch der Seuche schnell zu bergen. Damit soll dem langlebigen Virus keine Chance zur weiteren Ausbreitung gegeben werden.

Um dies zu gewährleisten, wurden sogenannte Bergeteams im Landkreis gebildet. Diese bestehen aktuell aus Jägern, Mitarbeitern der Kreisverwaltung und freiwilligen Helfern. Außerdem hat der Landkreis eine Bergewanne gekauft, mit welcher tote Tiere aus dem Wald geholt werden. Zusätzlich beschafft wurden Schutzkleidung und Werkzeuge, mit denen sich im Wald der Weg freigeschnitten werden kann. Jedes geborgene Tier kommt nach Steyerberg in die Tierkörperbeseitigungsanstalt und wird auf die Krankheit untersucht. Wird ASP tatsächlich nachgewiesen, folgen weitere Maßnahmen wie die Einrichtung von Schutzzonen.

Niedersachsens Jäger haben im vergangenen Jagdjahr besonders viele Wildschweine geschossen. Mehr als 56.000 wurden 2016/2017 erlegt, das war der zweithöchste Wert seit 1958, nur 2008/2009 waren es mehr.

Kreisjägermeister Klaus Twietmeyer bewertet die gemeinsame Vorbereitung als sehr sinnvoll. „Wir sind auf einen Ausbruch vorbereitet“, sagt er. Allerdings könne kaum eingeschätzt werden wann, wo und in welcher Intensität die Seuche ausbricht.

Aufgrund dieser Unsicherheit richtet der Landkreis schon jetzt die Bitte an alle Schweinehalter, in ganz besonderem Maße an die Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen zu denken. Diese dienen zur hygienischen Abschottung von Ställen. Durch das Tragen von Schutzkleidung sowie dem Säubern der Schuhe soll das Infektions-Risiko gesenkt werden – damit es nicht im schlimmsten Fall zu Massenschlachtungen kommt.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / Ralf Hirschbe

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