Lebenshilfe-Kreisvereinigung beklagt: Kommunen ziehen freiwillige Unterstützung zurück

Geld für praktizierte Inklusion fällt weg

Landkreis - Seit Jahrzehnten haben die meisten Kommunen im Landkreis die Lebenshilfe-Kreisvereinigung finanziell unterstützt. Auf freiwilliger Basis. Das Geld – früher eine Mark, dann 50 Cent, zuletzt noch 25 Cent pro Einwohner der jeweiligen Kommune – kommt direkt Menschen mit Behinderungen im Kreisgebiet zu Gute. Doch jetzt, so Renate Mock, Vorsitzende der Kreisvereinigung, wollen sich die Kommunen aus der Förderung zurückziehen.

„Das Geld setzt die Kreisvereinigung für solche Menschen mit Behinderung ein, die buchstäblich arm dran sind“, sagt Stephan Ottens, Geschäftsstellen-Leiter der Lebenshilfe-Kreisvereinigung. „Manche Menschen mit Einschränkungen kommen aus gut situierten Familien“, ergänzt Renate Mock. „Aber es gibt auch viele, die sind ganz allein oder haben Angehörige, denen es finanziell selbst schlecht geht. Das Geld der Kommunen nutzen wir, damit auch diese Leute mal ein paar Tage wegfahren können. Oder für ein Weihnachtspäckchen oder unseren Weihnachts-Brunch. Für die Betroffenen gibt es sonst kein Weihnachten.“

Die Kommunen wollen ihr finanzielles Engagement beenden, weil, so Renate Mock, „wir nicht nachweisen können, dass beispielsweise die 800 Euro, die wir von der Samtgemeinde X bekommen haben, auch wirklich zu 100 Prozent nur Menschen aus dieser Samtgemeinde zu Gute kommen.“ Doch das, sagt Stephan Ottens, „können wir gar nicht auseinanderrechnen“ und nennt als Beispiel eine Sitzgruppe im Wohnheim: „Wir können doch nicht sagen: ‘Du darfst Dich da nicht draufsetzen, Deine Gemeinde hat für die Sitzgruppe nichts dazugegeben’ “

„Wir wissen, dass uns die Gemeinden freiwillig unterstützt haben und wir sind wirklich dankbar“, betont die Vorsitzende. Doch gerade angesichts der spärlicher fließenden Spenden sei die Hilfe der Kommunen enorm wichtig. Stephan Ottens: „Wir reden hier von wenigen hundert Euro. Einerseits kann ich dafür keine drei Meter Radweg bauen. Aber andererseits kann ich damit einigen Menschen ganz konkret helfen.“ Renate Mock meint: „Direkter und bürgernäher kann kommunale Hilfe doch kaum sein.“

Die Vorsitzende der Kreisvereinigung hofft weiter auf Gespräche mit den Kommunen. „Für unsere Arbeit ist dieses Geld wirklich wichtig. Wir reden über Inklusion, und mit ihrem Geld ermöglichen die Gemeinden doch ganz konkret, dass Menschen mit Behinderungen aus unserer Region mal ins Kino oder Eis essen gehen können wie jeder andere auch.“

Eine bisweilen vermutete finanzielle Verknüpfung mit der Lebenshilfe Nienburg gGmbH gebe es nicht, stellt Renate Mock klar: Wir kriegen nichts von der GmbH und wir zahlen nichts an die GmbH.“ Ihre Mittel setze die Kreisvereinigung direkt und unbürokratisch ein, um Menschen mit Behinderungen zu unterstützen.

Rubriklistenbild: © dpa

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