Steigerung der Fallzahlen

Krätze breitet sich im Landkreis Nienburg aus

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Die unter Fachleuten Skabies genannte Krankheit kann jeden treffen. Milben sind der Auslöser. Sie werden durch engen Hautkontakt weitergegeben.

Landkreis - Von Johanna Müller. Eine lange Zeit in Vergessenheit geratene Krankheit ist zurück. Die Krätze, eine ansteckende Hautkrankheit, breitet sich aus – auch im Landkreis Nienburg. Während im Jahr 2017 dem Gesundheitsamt 35 Fälle dieser stark juckenden Hautkrankheit gemeldet wurden, zeigt sich im laufenden Jahr, dass der Trend nach oben geht. Bis zum 24. April wurden bereits 34 Fälle gemeldet, berichtet Landkreissprecher Cord Steinbrecher.

Die dem Gesundheitsamt bekannten Fälle von Skabies, so der lateinische Name für Krätze, wurden nur in Gemeinschaftseinrichtungen festgestellt. Grund: Eine allgemeine Meldepflicht gibt es nicht. Mit Blick auf den Infektionsschutz teilen aber diese Institutionen dem Landkreis mit, wenn sie solche Erkrankungen feststellen. Zu diesen Gemeinschaftseinrichtungen zählen etwa Kindergärten, Schulen und Altenheime.

Die Zunahme der Skabies-Fälle im Landkreis Nienburg spiegelt eine niedersachsen- und bundesweite Entwicklung – abgesehen von regionalen Schwankungen – wider. Etwa im Nachbarkreis Diepholz ist der Anstieg noch viel deutlicher zu sehen. Während in den Jahren vor 2017 dem Gesundheitsamt jeweils rund 15 Kranke gemeldet wurden, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf rund 60 Fälle sprunghaft an. „Für das Jahr 2018 rechnen wir aufgrund der bis heute vorliegenden Meldungen mit einem Anstieg auf circa 100 bis 120 Fälle“, teilt Stefan Hempe, stellvertretender Fachdienstleiter des Gesundheitsamtes im Landkreis Diepholz mit.

Ein Grund für den Anstieg lasse sich nicht eindeutig benennen, heißt es aus dem Diepholzer Gesundheitsamt. Als Ursache werden verschiedene Hypothesen diskutiert.

„Beim Robert-Koch-Institut gibt es hierzu Forschungsvorhaben“, so Hempe. Als ein Grund für die steigende Zahl an Erkrankten werde eine verzögerte Diagnose gesehen. Weil die Erkrankung bei Betroffenen, Ärzten und Heilpraktikern in Vergessenheit geraten sei, komme es teilweise zu Verzögerungen bei der Einleitung der Behandlung. Dadurch wachse jedoch die Gefahr, dass weitere Personen ansteckt werden.

Fiese Milben

Die Krätze haben viele Menschen bis vor Kurzem allenfalls mit einer Redensart in Verbindung gebracht. Wer sich „die Krätze an den Hals ärgert“ oder glaubt, dass er „die Krätze kriegt“, für den läuft’s gerade mächtig schief.

Klar ist aber: Die unter Fachleuten Skabies genannte Krankheit kann jeden treffen. Milben sind der Auslöser. Sie werden durch engen Hautkontakt weitergegeben. Übertragen wird die Krätze daher meist zwischen Kindern und ihre Eltern, Partnern oder auch pflegebedürftigen Personen und ihren Betreuern. Während Menschen mit einer gewöhnlichen Skabies oft nur von einigen Dutzend Milben befallen sind, können es bei der schwereren Krustenskabies Millionen dieser Tiere sein.

Doch es gibt eine gute Nachricht: Es handelt sich um eine Hauterkrankung, die bei richtiger Behandlung bald geheilt ist. Den Erfolg gibt es allerdings nicht geschenkt. Die Behandlung der Krätze (Skabies) erfordert große Sorgfalt, konsequentes Handeln und ist zudem mit einem erheblichen Aufwand verbunden. 

Was ist Krätze? 

Wenn sich die mit dem bloßen Auge kaum wahrnehmbare Skabiesmilbe in die menschliche Haut eingräbt und dort Eier ablegt, kann das sehr unangenehm werden. Ein Brennen der Haut und ein vor allem nachts auftretender starker Juckreiz – eine Reaktion des Immunsystems auf die Eier und Ausscheidungen der Milben – gehören laut Information des Robert-Koch-Institutes ebenso zu den Symptomen wie stecknadelgroße Bläschen, gerötete Knötchen oder Pusteln.

Mit Milben befallen sind vor allem Zwischenräume von Fingern und Zehen, Handgelenke, Knöchel, Achseln, Ellenbogen, Brustwarzen und Genitalien. Bei Säuglingen und Kleinkindern können auch Kopf und Gesicht betroffen sein. 

Wie wird Krätze übertragen? 

Krätzmilben werden durch direkten Hautkontakt von mindestens fünf bis zehn Minuten übertragen. Beim Spielen, Kuscheln, bei der Hilfe zur Körperpflege, beim Schlafen in einem Bett oder bei intimen Kontakten. Personen mit hoher Ansteckungsgefahr sind Mitglieder einer Familie oder Wohngemeinschaft sowie pflegebedürftige Personen, deren Betreuer und Pfleger.

Bei einer ersten Ansteckung treten die Beschwerden erst nach zwei bis fünf Wochen, bei einer Wiederansteckung bereits nach ein bis vier Tagen auf. Skabies ist also ansteckend, bevor Betroffene Krankheitszeichen haben.

Kinder, pflegebedürftige Senioren und abwehrgeschwächte Menschen sind vermehrt betroffen. So häufen sich Erkrankungen in Kindergärten oder Pflegeheimen, wo ein enger Haut-zu-Haut-Kontakt üblich ist. Außerhalb des Wirtes können die Skabiesmilben für etwa zwei Tage in Kleidung oder Bettwäsche überleben. Die Übertragung durch gemeinsam genutzte Bettwäsche, Decken, Polster oder durch Kleidung ist aber selten. 

Wie sieht die Behandlung aus? 

Wer Symptome feststellt oder den Verdacht hat, an Krätze erkrankt zu sein, sollte sofort einen Arzt aufsuchen und ihn auf den Verdacht hinweisen. Handelt es sich um Krätze, sind eine medikamentöse Behandlung – in der Regel das Auftragen einer Salbe – und umfassende Hygienemaßnahmen erforderlich.

Das Ziel der Behandlung ist die Abtötung der Milben sowie der Larven und Eier. Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist, dass der Erkrankte sich genau an die Vorgaben hält. So muss die Salbe sehr sorgfältig auf dem gesamten Körper, ab unterhalb der Ohren bis zu den Zehen und auch in den Falten sowie an den Nagelregionen, verteilt werden.

Wer einzelne Körperstellen auslässt, läuft Gefahr, dass in diesen Bereichen Milben überleben. Die Entscheidung über die Therapie, insbesondere bei Erkrankten mit Vorerkrankungen, trifft der behandelnde Arzt.

Nach der Anwendung der Medikamente ist es erforderlich, die benutzte Kleidung, Bettwäsche und Handtücher komplett zu wechseln und, wenn möglich, bei 60 Grad in der Waschmaschine zu waschen. Gleiches gilt für die in den letzten fünf Tagen vor Behandlung benutzte Wäsche. Für weitere vier Tage muss die Bekleidung, Bettwäsche, Handtücher täglich gewechselt und damit wie oben verfahren werden. Kleidung und Gegenstände, die nicht gewaschen werden können, müssen für mindestens vier Tage in einer verschlossenen Plastiktüte an einem warmen Ort gelagert werden, um vorhandene Milben auszuhungern.

Weitere Informationen zum Thema Krätze stellen die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/kraetze-skabies, das Robert-Koch-Institut unter www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Kraetzemilben/FAQ_Liste.html zur Verfügung.

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