Feste und Märkte verboten

Landkreis Nienburg: Offizielles Aus für Großveranstaltungen bis Ende Oktober

Gemeinsam die Nacht zum Tag machen – auch das geht aktuell nur noch mit Abstand. Auf wilde Partynächste bei Großveranstaltungen wie dem Altstadtfest müssen die Kreisnienburger vorerst verzichten.
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Gemeinsam die Nacht zum Tag machen – auch das geht aktuell nur noch mit Abstand. Auf wilde Partynächste bei Großveranstaltungen wie dem Altstadtfest müssen die Kreisnienburger vorerst verzichten.

Landkreis Nienburg - Von Johanna Müller. Schützenfeste, Jahrmärkte, große Turniere und das von den Nienburgern geliebte Altstadtfest sind jetzt offiziell bis Ende Oktober verboten.

Am Mittwoch haben sich Bund und Länder darauf geeinigt, das bis Ende August geltende Verbot für Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober grundsätzlich zu verlängern. Die Absagen gelten für solche Veranstaltungen, „bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist“.

Das bedeutet: Veranstaltungen ab 1000 Besuchern sind nur möglich, wenn die Veranstalter gewährleisten können, dass zwischen den Gästen ein Abstand von 1,5 Meter eingehalten werden kann. Zudem müssen die Daten der Teilnehmer erfasst werden. Auflagen, die für Volksfeste im Landkreis Nienburg wohl kaum umsetzbar sind.

Zur Eindämmung des Virus setzt der Beschluss neben der bundesweiten Fortsetzung des Mindestabstands von 1,5 Metern zudem auf das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen in bestimmten öffentlichen Bereichen.

Landkreis Nienburg: Kein Altstadtfest 2020

Auf ausgelassene Konzertnächte in der Nienburger Altstadt, gemeinsames Schunkeln auf der Bierzeltgarnitur sowie den Bummel über eine Kirmes oder Gewerbeausstellung müssen die Kreisnienburger demnach bis mindestens zum Herbst verzichten. Immerhin gibt es laut der Bundes- und den Landesregierungen Möglichkeiten für Ausnahmen – wird der Mindestabstand eingehalten und werden alle relevanten Daten der Gäste erhoben, kann ein Fest theoretisch stattfinden. Doch ob der Titel „Fest“ dann noch passe, lässt sich bezweifeln.

Interessant könnten solche Ausnahmen für Messe- oder Konzertveranstalter sein. Blickt man jedoch auf Events im Landkreis Nienburg, wirkt es unwahrscheinlich, dass solche Konzepte umgesetzt werden. Die großen Veranstaltungen werden in der Region von Schützen-, Sport- oder Gewerbevereinen organisiert. Ob das Altstadtfest, der „Family Day“ am Südring, der Herbstmarkt in Lavelsloh oder die Nienburger Autoschau – diese Events werden wie das Herbstfest in Stolzenau und diverse Sportwerbewochen von engagierten Teams, aber eben nicht von gelernten Event-Profis organisiert.

Verkaufsoffene Sonntage ohne Chance

Als Folge der abgesagten Großveranstaltungen sieht es dann auch schlecht für verkaufsoffene Sonntage im Landkreis aus. Seit Jahren haben die Einzelhändler bereits Probleme, Genehmigungen für diese zu erhalten. Denn in Niedersachsen müssen solche Sonntagsöffnungen im Rahmen von Veranstaltungen stattfinden – die Generalabsage ist nun auch ein erneuter Einschnitt für die örtlichen Kaufleute.

Kommentar zu abgesagten Großveranstaltungen

Johanna Müller

"Ich tausche gerne meinen Freizeitspaß gegen Gesundheit“ – das habe ich Mitte März in einem Kommentar zu coronabedingten Absagenwelle geschrieben. Das habe ich damals so gemeint und das meine ich auch heute noch so. Ich würde mich für eine Party keiner Ansteckungsgefahr aussetzen. Dabei geht es mir als junge Frau nicht darum, mich selbst vor einer Coronavirusinfektion zu schützen.Ich möchte meine Angehörigen nicht anstecken, die diese Krankheit eventuell nicht so leicht überstehen würden. Ich genieße die neu gewonnenen Freiheiten und möchte mich weiterhin unbeschwert mit Freunden und der Familie treffen können. Daher achte ich auf mich. Ich weiß, wann ich eine Maske tragen sollte, kenne die Hygieneregeln und Abstände zu anderen halte ich automatisch ein. Ich glaube, wir haben die neuen Regeln gut verinnerlicht und sind nun bereit, auf uns selbst zu achten.

Daher finde ich die pauschalen Absagen von Großveranstaltungen im Bundesgebiet bis mindestens Ende Oktober falsch. Während ich die Vorsichtsmaßnahmen im März noch als sinnvoll bewertet habe, denke ich nun anders. Die Menschen wissen nun um die Risiken. Zudem sollte das Gesundheitssystem besser auf den Ernstfall vorbereitet sein. Die Verschnaufpause – allgemein als „Lockdown“ bekannt – war nötig und sollte auch gut genutzt worden sein. Jetzt ist es Zeit, den Menschen wieder mehr zuzutrauen. Besonders dann, wenn wir davon ausgehen müssen, noch länger mit der Corona-Bedrohung leben zu müssen. Immer nur weitere Einschränkungen aus Regierungskreisen sollten nicht die Lösung sein. Jeder Einzelne sollte Verantwortung übernehmen. Im Gegenzug sollte es mehr Freiheiten geben.

Was mich am neuen Beschluss besonders stört, ist die Verallgemeinerung. Eine Großveranstaltung in Berlin lässt sich nun mal nicht mit einer Großveranstaltung im Landkreis Nienburg vergleichen. In beiden Fällen sind Events ab 1000 Besuchern gemeint. In der Hauptstadt oder in anderen Großstädten ist es sicher undenkbar, große Menschenansammlungen pandemie-sicher zu gestalten. Bei einem ländlichen Jahrmarkt, einer Gewerbeschau oder dem traditionellen Altstadtfest-Flohmarkt hätte sich aber eventuell eine geeignete Regelung finden lassen können. 

Vorausgesetzt Veranstalter und Gäste hätten gemeinsam dafür gesorgt. Nun wurde beiden Gruppen diese Möglichkeit jedoch durch die deutlich zu strengen Auflagen ganz genommen.

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