Fünf Fragen an Landtagskandidaten in Nienburg-Nord

Bernhard Göllner (SPD): „Was fehlt, sind die Köpfe“

Landkreis Nienburg - „Sagen, was ist. Nichts beschönigen, nichts skandalisieren, nichts unter den Teppich kehren“ – nach dieser Devise handelt Bernhard Göllner. Der 46-jährige SPD-Landtagskandidat lebt mit seiner Familie in Asendorf. „Von Beruf bin ich Bankkaufmann und in meiner Freizeit engagierter Kommunalpolitiker und Vereinssportler“, stellt er sich vor. Zu seinen Stärken und Schwächen macht er keine Angaben.

Auch verrät er nicht, wovor er Angst hat. Im Interview vor der Landtagswahl am 15. Oktober nimmt Göllner Stellung zu aktuellen landespolitischen Themen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Wenn landesweit mindestens 300 Lehrer an den Schulen fehlen, weil es nicht genügend Bewerber gibt, dann ist das ein Kardinalproblem im Bildungsbereich. Denn Bildung schafft die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wie wollen Sie das akute Lehrermangel-Problem lösen und wie wollen Sie das finanzieren?

Bernhard Göllner: Stellen und Budget sind vorhanden. Was fehlt, sind die Köpfe. Einerseits ist der Beruf des Grund- und Hauptschullehrers unattraktiv. Das ändern wir durch bessere Bezahlung. Andererseits fehlen uns dieses Jahr die Absolventen, weil die Lehrerausbildung um ein Jahr verlängert ist – was sich 2018 ändert. Wir wollen auch mehr Quereinsteiger.

Dass die Polizei in Niedersachsen verstärkt werden muss, ist – wie Wahlprogramme beweisen – politisch unstrittig. Wie viele neue Kräfte wollen Sie einstellen – auch mit Blick auf die bevorstehende Pensionierungswelle? Und vor allem: Wie wollen Sie diese Polizisten in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen?

Göllner: Wir müssen vor allem den Polizeidienst attraktiver machen durch eine bessere Bezahlung, bessere Aufstiegschancen und neue Aufgabenverteilung: Die Polizei hat immer mehr Aufgaben dazubekommen – wie die Cyberkriminalität.

Für diese Spezialaufgaben brauchen wir Kompetenzzentren, um die Polizei vor Ort zu entlasten. Außerdem werden wir weitere 1 000 Polizisten einstellen.

Haben Sie Sorge um die Innere Sicherheit in Niedersachsen? Wenn ja, was muss dann sofort umgesetzt werden?

Göllner: Unsere Sicherheitsbehörden sind gut aufgestellt und haben die Situation des islamistisch motivierten Terrors im Griff.

Sorgen bereitet mir die steigende Zahl rechtsextremer Straftaten. Sofortmaßnahme habe ich hier nicht parat. Da hilft vor allem Prävention. Die neue Landeszentrale für Politische Bildung ist ein wichtiger Baustein.

Die Klagen über eine überlastete Justiz scheinen kein Ende zu nehmen. Der Niedersächsische Richterbund fordert 250 neue Stellen für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Göllner: Ein funktionierender Justizapparat ist mir natürlich sehr wichtig. Aber ob es mit 250 neuen Stellen getan ist, kann ich nicht sagen. Dafür bin ich in diesem Thema zu wenig zuhause.

Niedersachsen hat Schwein – sprich mit 8,01 Millionen Borstentieren mehr Schweine als Bürger (7,7 Millionen Einwohner). Der Tierschutz in der Landwirtschaft hat deshalb – nicht nur für Schweine – enorme Bedeutung. Was würden Sie sofort verbessern?

Göllner: Wir brauchen ein Label für Produkte aus tiergerechter Haltung, strengere Regeln bei der Werbung, schärfere Kontrollen bei der Einhaltung von Standards und förderpolitische Anreize für mehr Tierschutz. Dies alles aber nicht nur in Niedersachsen, sondern bundesweit und von allen beteiligten Akteuren ausgehandelt.

Die schätzungsweise 120 Wölfe in Niedersachsen haben laut Landesjägerschaft in neun Jahren 500 Nutztiere gerissen. Der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wolfsanhängern wird immer schärfer. Haben Sie eine Lösung?

Göllner: Zuerst einmal: die Ent-Skandalisierung – besonders in den Medien. Es gibt nicht die eine Lösung. Erforderlich ist eine konstruktive Zusammenarbeit von Tierschützern, Landwirten, Jägern, betroffenen Anwohner und der Politik, um eine Lösung zu finden, die alle mittragen können.

Landtagswahl-Kandidaten im Porträt

In unserer Reihe „Kandidaten im Porträt“ stellen sich die Landtagskandidaten vor. Bernhard Göllner bewirbt sich im Wahlkreis Nienburg Nord (Bruchhausen-Vilsen, Heemsen, Hoya, Marklohe, Steimbke) für die SPD erstmals für den Landtag. Die SPD holte 2013 exakt 12.487 Parteistimmen. Göllner ist in Balge geboren, lebt mit seiner Lebensgefährtin und drei Kindern in Asendorf und ist stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Nienburg.

Quelle: kreiszeitung.de

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