Landwirt-Auszubildende im Rinderzuchtbetrieb Derboven in Warpe schätzen die Vielseitigkeit ihres Berufs

„Das Wohl der Tiere steht im Vordergrund“

+
Die Auszubildenden Christoph Eiskamp (von links), Annemarie Leising, Jorgen Popiolek und Gesine Heusmann stehen jeden Tag um 5 Uhr auf, um die Kühe, wie hier Reggy, zu melken.

Warpe - Von Charlotte Reinhard. Aufstehen um 5 Uhr, Kühe melken, umtreiben, Ställe einstreuen und noch viele andere Tätigkeiten, die dem Tierwohl unabhängig von der Tageszeit dienen – für Gesine Heusmann, Jorgen Popiolek, Annemarie Leising und Christoph Eiskamp ist das Alltag. Sie absolvieren seit Kurzem eine Ausbildung zum Landwirt beim Rinderzuchtbetrieb von Conny Derboven in Warpe. An ihrer Tätigkeit schätzen sie vor allem die Vielseitigkeit, denn in ihrer Ausbildung lernen sie mehr als nur die Mistgabel zu schwingen.

„Landwirtschaftliche Betriebe sind heute hochtechnisierte Unternehmen“, erklärt Conny Derboven, auf dessen Hof die vier Azubis arbeiten und leben. Wer sich für die Ausbildung zum Landwirt entscheidet, lernt auch den Umgang mit der technischen Ausstattung der Betriebe. „Mit den heutigen Hilfsmitteln ist der Beruf des Landwirts nicht mehr so ein Knochenjob wie er früher einmal war“, meint Derboven.

Viel wichtiger als körperliche Stärke und Fitness seien bei den Auszubildenden Ausdauer und Lernfähigkeit, vor allem aber Willensstärke und Zielstrebigkeit. „Natürlich sollte man auch mit Tieren umgehen können“, sagt Derboven.

Auf den Schulabschluss und die Noten achtet Derboven bei den Bewerbern hingegen nicht. „Die will ich gar nicht sehen“, sagt er. „Bei vielen Menschen gibt es Fähigkeiten, die die Schule nicht erkennt. Auch diese Menschen haben eine Chance verdient. Die Unmotivierten erkenne ich auch ohne Zeugnis.“

Jeden Bewerber setzt Conny Derboven auf eine Warteliste und er bekommt auf jeden Fall eine Stelle. Allerdings muss er zuvor ein Praktikum in dem Betrieb absolvieren, um zu überprüfen, ob ihm der Beruf überhaupt Spaß macht. Weil Conny Derboven grundsätzlich jedem die Chance auf eine Ausbildung in seinem Betrieb gibt, ist die Warteliste lang.

„Einige bewerben sich vier Jahre vor Beginn der Ausbildung“, erzählt der Landwirt. Die Quote der Abbrecher ist gering. „In den 31 Jahren, die wir das hier schon machen, haben etwa fünf Prozent der Lehrlinge ihre Ausbildung hier abgebrochen“, meint Conny Derbovens Frau Anette.

Die Lehrlinge bleiben ein Jahr auf dem Hof Derboven, dann wechseln sie in einen anderen Betrieb, um weitere landwirtschaftliche Sparten wie beispielsweise Schweinemast oder Ackerbau kennenzulernen. Je nach Schulabschluss dauert die Ausbildung zum Landwirt zwei bis drei Jahre. Auch viele Abiturienten interessieren sich für die Ausbildung. Sie studieren nach deren Ende oft Tiermedizin, Agrarwissenschaft oder Betriebswirtschaft. „Einige Azubis holen sich hier aber auch das Handwerkszeug, um den elterlichen Betrieb weiterzuführen“, sagt Conny Derboven. Andere wiederum machen später etwas ganz anderes. „Von Lebenskünstler bis zum Banker, Computerfachmann und Agrarinstituts-Gründer ist bei meinen ehemaligen Auszubildenden alles dabei“, erzählt Conny Derboven.

Die Lehrlinge gehen in Derbovens Betrieb vielen verschiedenen Tätigkeiten nach. Und genau das ist es, was die vier jungen Männer und Frauen schätzen: „Ob Pflanzenproduktion, Tierreproduktion oder Technisches – man macht jeden Tag etwas anderes und weiß nie, was auf einen zukommt“, meint beispielsweise Gesine Heusmann.

Vollkommen fremd sind den Lehrlingen die landwirtschaftlichen Tätigkeiten nicht. Sie alle sind damit aufgewachsen. Bei den meisten besitzen Eltern oder Verwandte einen landwirtschaftlichen Betrieb. Bei Conny Derboven sind sie Teil der Hofgemeinschaft, wohnen dort und nehmen am Familienleben teil. Heim fährt nach Feierabend niemand.

An den Alltag auf dem Hof haben sich die vier schnell gewöhnt – auch an das frühe Aufstehen. „Wir sind um fünf Uhr morgens auf den Beinen, um die Kühe zu melken und zu füttern“, berichtet Christoph Eiskamp. „Um 8 Uhr gibt es Frühstück, dann erledigen wir das, was gerade anfällt. Wir streuen zum Beispiel die Liegeboxen ein oder treiben die Rinder um.“ Nach dem Mittagessen um 14 Uhr werden die Kühe wieder gemolken. Dann stehen erneut anfallende Arbeiten auf dem Plan. Feierabend haben die Azubis meistens um 18.30 Uhr – wenn nichts dazwischen kommt. „Die Tiere stehen im Vordergrund“, sagt Conny Derboven. „Wenn es einem Tier schlecht geht, wird nicht nach Feierabend gefragt. Bei uns geht vieles nach Plan, aber nicht alles ist planbar.“

Die vier Azubis stört das nicht. „Wir leben hier in der Familie, erleben die Gemeinschaft, und das motiviert uns sehr“, meint Annemarie Leising.

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Politik

USA raten zum Tragen von Masken - Trump will nicht

USA raten zum Tragen von Masken - Trump will nicht
Politik

Politik appelliert: Anti-Corona-Maßnahmen einhalten

Politik appelliert: Anti-Corona-Maßnahmen einhalten
Auto

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg
Wohnen

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Meistgelesene Artikel

Feuer in Rehburg-Loccum durch Brandstiftung 

Feuer in Rehburg-Loccum durch Brandstiftung 

Heemsen: Stiefonkel missbraucht Siebenjährige 

Heemsen: Stiefonkel missbraucht Siebenjährige 

Wohnungsbrand in Bücken: Mann bringt sich verletzt in Sicherheit

Wohnungsbrand in Bücken: Mann bringt sich verletzt in Sicherheit

Am Klavier durch den Ort: Mister Piano hilft Menschen mit Musik

Am Klavier durch den Ort: Mister Piano hilft Menschen mit Musik

Kommentare