Lebenshilfe Nienburg zum Welt-Down-Syndrom-Tag: Inklusion braucht familienorientierte Begleitung

„Der Rahmen muss sich anpassen“

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Der dreieinhalbjährige Thomas geht in die Kita „Löwenzahn“ und ist in der Lebenshilfe-Einrichtung zurzeit das einzige Kind mit Down-Syndrom.

NIENBURG. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das 21. Chromosom dreifach vorhanden – darum auch der Name „Trisomie 21“, und darum wurde der 21.3. zum Welt-Down-Syndrom-Tag bestimmt.

NIENBURG. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das 21. Chromosom dreifach vorhanden – darum auch der Name „Trisomie 21“, und darum wurde der 21.3. zum Welt-Down-Syndrom-Tag bestimmt. Der inzwischen auch gesetzlich festgeschriebene Anspruch auf Inklusion soll allen Menschen von Anfang an das „Dabeisein“ ermöglichen; jeder Mensch soll mitten in der Gesellschaft aufwachsen und leben können und dort die Unterstützung bekommen, die er für seine Entwicklung braucht. Thomas ist „mitten drin“: Der Dreieinhalbjährige geht in die Kita „Löwenzahn“ und ist in der Lebenshilfe-Einrichtung zurzeit das einzige Kind mit Down-Syndrom. Etwas Besonderes ist Thomas deshalb aber nicht, vor allem nicht für die anderen Kinder. „Trisomie 21 geht mit mehr oder weniger deutlichen Entwicklungsverzögerungen einher. Kalendarisch ist Thomas zwar dreieinhalb; vom Entwicklungsstand entspricht er aber etwa einem Eineinhalb- bis Zweijährigen, und genau so verhält er sich auch“, sagt Erzieherin Caroline Meyer. Heißt: Der Junge ist ständig unterwegs und entdeckt die Welt. „Seit Jahren bieten wir hier die Krippe und die Kita unter einem Dach“, erläutert Gabriele Friebe, Bereichsleiterin Kindertagesstätten/Offene Hilfen bei der Lebenshilfe. „Es sind also Kinder von neun Monaten bis sechs Jahren bei uns, die ja alle unterschiedlich ,weit' sind und dadurch viel voneinander und miteinander lernen.“ Thomas ist da keine Ausnahme: Der Blondschopf guckt den Älteren gern zu, entdeckt Neues und probiert es aus. Zunächst war er als „Integrationskind“ in der Krippe; inzwischen ist er in einer heilpädagogischen Kleingruppe und soll bald in eine größere Integrationsgruppe gehen. Das geht einher mit einer gezielten Förderung: „Jedes Kind“, sagt Gabriele Friebe, „soll die Unterstützung bekommen, die es braucht.“ Da gibt es viele Möglichkeiten, von Krankengymnastik über Sprachtherapie bis zu Angeboten wie therapeutischem Reiten und psychomotorischer Bewegung. „Dazu entwickeln wir Förderpläne für die Kinder, die sich an der Entwicklungsdiagnostik orientieren.“ Thomas kann sechs Stunden am Tag in der Kita sein. Für die Kinder ist das eine tolle Zeit, und sie machen sich - zum Glück – noch keine Gedanken um „später“. Eltern haben dagegen naturgemäß eine Menge Beratungsbedarf und wünschen sich Unterstützung – dies um so mehr, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter eine Behinderung hat. Der Familien unterstützende Dienst bietet beispielsweise Freizeitbegleitung für die Kinder an: Die Eltern bekommen Freiräume, die Kinder ein Freizeitangebot jenseits von Kita oder Schule. Die Sozialberatungsstelle berät unter anderem zu finanziellen Aspekten, bis hin zu Möglichkeiten der Kostenübernahme von Ferienfreizeiten. Gabriele Friebe: „Die Lebenshilfe verknüpft ihre Angebote, um Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen zu entlasten und zu unterstützen - und zwar möglichst da, wo die Unterstützung nachgefragt wird.“ Der familienorientierte Ansatz ist nach Einschätzung von Gabriele Friebe durch die Vorgaben zur Inklusion eher noch wichtiger geworden. Denn in der Praxis ist die schöne neue Welt der inklusiven Normalität für alle Beteiligten noch mit einer Menge Unsicherheit verbunden. Gabriele Friebe findet deutliche Worte: „Die Rahmenbedingungen zur schulischen Inklusion müssen sich entwickeln. Aber der Rahmen muss sich den Kindern anpassen, nicht die Kinder dem Rahmen, sonst bleiben die Kinder auf der Strecke und die Inklusion fährt vor die Wand.“ Wenn Thomas eines Tages zur Schule kommt, brauche er dort Unterstützung. Solche schulbegleitenden Maßnahmen biete die Lebenshilfe über die Offenen Hilfen ja auch an. „Damit Inklusion im Sinne aller funktioniert, müssen wir uns kümmern. Der Förderbedarf ist eben individuell und lässt sich nicht pauschal beim Schulbeginn festlegen. Die Frage ist also: Wie viel Unterstützung braucht mein Kind, in welchen Bereichen, was muss ich als Eltern wann, wo und mit wem regeln? Da gibt es keinen Automatismus. Und darum bieten wir schon direkt in den Kitas unser gesamtes Netzwerk an.“

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