Lebhaft, mit Feuer

Ausnahme-Geigerin bietet Konzertgenuss in Hoya

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Ulrich Semrau dirigierte die Klassische Philharmonie NordWest im frisch renovierten Kulturzentrum Martinskirche. 

Hoya - Von Horst Friedrichs. „Allegro con fuoco“ – lebhaft, mit Feuer – lautet die „Regieanweisung“ des Komponisten für die Interpreten seines monumentalen Werks: Geigerin Ksenia Dubrovskaya überbot wahrscheinlich sogar die Wunschvorstellungen, die Peter Tschaikovsky (1840-1893) im Sinn hatte, als er sein heute berühmtes Violinkonzert in D-Dur, op. 35, mit Feder und Tinte auf Notenblättern niederschrieb.

Denn beim Jubiläumskonzert des seit 25 Jahren bestehenden Kulturkreises Grafschaft Hoya entfachte die Solistin Ksenia Dubrovskaya als Interpretin ebendieses Violinkonzerts eine hoch lodernde Glut instrumentalen Ausdrucksvermögens und musikalischer Leidenschaft.

Dirigent Ulrich Semrau und das Orchester Klassische Philharmonie NordWest ließen sich von der überbordenden Virtuosität und dem Temperament der international renommierten Geigerin anfeuern und boten den Zuhörern im voll besetzten Konzertsaal Martinskirche ein Erlebnis von allerhöchster Genussstufe.

Das Publikum reagierte auf die virtuosen Höchstleistungen der Ausnahme-Geigerin nicht minder begeistert und brach in Jubelstürme, gekrönt von „Bravo“-Rufen aus.

Schon mit den ersten Tönen des Konzerts für Violine und Orchester versetzte Dubrovskaya die Lauschenden in atemlos andächtige Faszination. Versteht sich für eine Interpretin ihres Rangs, dass sie Tschaikovskys Violinkonzert von der ersten bis zur letzten Note auswendig spielte. Losgelöst und frei vom bedruckten Papier entwickelte Dubrovskaya die ganze unglaubliche Bandbreite ihrer musikalischen Darstellungskraft – von langsamen bis hin zu schnelleren und schnellsten Tempi. Leise und mit grandioser Leichtigkeit transportierte sie selbst die rasantesten Sequenzen in jubilierende Höhen, um von dortigen Fortissimo-Ausbrüchen in die gemäßigteren Tonzonen zurückzukehren.

Geigerin Ksenia Dubrovskaya war der umjubelte Stargast.

Schon bei früheren Konzerten hatte Dubrovskaya ihre treue Zuhörerschaft in Hoya begeistert. Diesmal aber lieferte sie – angemessen zur Neueröffnung des frisch renovierten Kulturzentrums – ein wahres Meisterstück ihres musikalischen Schaffensbereichs ab. Wobei sie mit ihrer 1770 von Giovanni Battista Gabrielli gebauten Violine die allerbesten Voraussetzungen hatte. Das Instrument ist eine Leihgabe der „Reinholf Würth Music Foundation“ für besonders talentierte Musiker.

Den Auftakt zum Konzertprogramm bildete am Sonntag die Ouvertüre zur Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck (1854-1921), bereits mit vorahnendem Temperament dargeboten vom Orchester unter der Leitung Semraus. Es folgte der Höhepunkt des nachmittäglichen Konzerts mit der begeistert empfangenen Ksenia Dubrovskaya, die in Moskau geboren wurde, in Hamburg lebt und in den Konzertsälen der Welt zuhause ist. Ihr viel gerühmtes Temperament stellte sie auch am Sonntagnachmittag in Hoya eindrucksvoll unter Beweis. Mit welcher Hingabe sie das leistete, zeigte ihr befreiendes und zugleich triumphierendes Lächeln, wenn sie nach einem meisterhaft bewältigten Part pausierte und schon die nächsten solistischen Höhenflüge im Kopf hatte.

Nächstes Konzert am 14. Januar

Der Applaus nach dem dritten Satz des Violinkonzerts, „Allegro con fuoco“, wollte kein Ende nehmen. Dubrovskaya bedankte sich nach „Standing Ovations“ und gratulierte dem Kulturkreis zum Jubiläum. Dessen Vorsitzendem, Georg Sättler, widmete sie ein überaus einfühlsames Solostück für Violine.

Nach der Pause lieferte das Orchester mit der Sinfonie Nr. 5 d-moll op. 107 von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) einen weiteren Glanzpunkt mit Kontrasten von „full brass“, dem vollen Blech- und Holzbläsereinsatz bis hin zu „soft strings“, dem Zusammenwirken der Saiteninstrumente von Violinen über Celli bis zum Kontrabass. Passend zum Reformationsfest die Hinweise auf Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ im vorletzten Satz des Werks.

Jubiläumsansprachen hielten Georg Sättler und Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer. Orchesterchef Semrau wies auf den nächsten Konzerttermin in Hoya am 14. Januar 2018 hin; dann ist es das schon traditionelle Neujahrskonzert.

Quelle: kreiszeitung.de

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