Abgeklebte Fenster und verlasse Gebäude

Leerstand in Hoya: So will die Stadt dem Zentrum wieder Leben einhauchen

Die Lange Straße hat sich positiv entwickelt: Dass in Hoya Einzelhändler eine Chance haben, beweisen die Inhaber der Läden „Kulinarium“ und „Naturwaren Sonntag“ – es gilt, die richtige Nische zu finden.
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Die Lange Straße hat sich positiv entwickelt: Dass in Hoya Einzelhändler eine Chance haben, beweisen die Inhaber der Läden „Kulinarium“ und „Naturwaren Sonntag“ – es gilt, die richtige Nische zu finden.

Hoya – Hoyas Innenstadt erinnert aktuell an eine Geisterstadt. Zahlreiche Gebäude stehen leer, Schaufenster sind abgeklebt, und nur vereinzelt sind Menschen auf den Straßen unterwegs. Das Problem ist nicht neu: Der Bummel durch die City war auch schon vor der Pandemie eher trostlos. Um dem sonst so idyllischen Städtchen an der Weser wieder Leben einzuhauchen, ist die Stadt vor Jahren aktiv geworden und hat auch schon das ein oder andere Projekt umgesetzt. Im Gespräch mit der Kreiszeitung sprechen Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer, Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner und Wirtschaftsförderer York Schmelter über die Gründe des Leerstands, aktuelle Vorhaben und ihre Zukunftsvision für die Grafenstadt.

  • Viele Gebäude in der Grafenstadt Hoya stehen leer.
  • Die Stadt versucht mit verschiedenen Konzepten die Straßen wieder zu beleben.
  • Der Verwaltung spricht außerdem über neue Projekte und ihre Zukunftsvision.

Leerstand in Hoya: Onlinehandel wird zum Problem für die Einzelhändler vor Ort

„Ein riesiges Problem für die örtlichen Einzelhändler ist der Onlinehandel“, sagt Meyer. Das vermehrte Online-Banking machte wohl auch der Commerzbank-Filiale zu schaffen, die kürzlich ihre Türen schloss, fügt er hinzu. Damit sich Geschäfte an der Langen Straße sowie an der Deichstraße erfolgreich ansiedeln könnten, müssten sogenannte Nischen gefunden werden. Mit dem „Kulinarium“ und dem Laden „Naturwaren Sonntag“ habe man dies bereits umsetzen können.

Insgesamt sei es jedoch sehr schwer, einen Mieter für die Gebäude der Stadt zu finden. „Viele Immobilien verfallen, die Stadt ermöglicht daher beispielsweise eine Fassadenförderung“, sagt Wirtschaftsförderer York Schmelter. „Um die Belebung insgesamt voranzutreiben, ist es außerdem wichtig, dass wir Grundstückseigentümer sind. So können wir Existenzgründern unter anderem auch Mietzuschüsse gewähren“, erklärt Meyer.

Denn: Die Samtgemeinde Grafschaft Hoya ist Teil eines kommunalen Förderprogramms des Landes. Existenzgründer können damit für die ersten drei Geschäftsjahre Unterstützung erhalten. Insgesamt seien seit 2015 bereits 18 Anträge gestellt und rund 88 000 Euro ausgeschüttet worden, erläutert Schmelter ein Element, mit dem die Verwaltung versucht, dem Leerstand entgegenzuwirken.

Förderungen sollen Dienstleister und Gastronomen anziehen: Neuer Friseur in der Grafenstadt

Dank dieser finanziellen Hilfe gibt es bald einen neuen Dienstleister in der Stadt, und zwar Dilshad Alcheikh. Der gelernte Friseur hat das Gebäude der ehemaligen „Hütte“ im vergangenen Jahr in einen Salon verwandelt. Eigentlich wollte der 31-Jährige aus Hoya schon vor Weihnachten seine Türen öffnen, nun warten er und sein Team auf das Ende des Lockdowns.

Weitere Flächen, die die Stadt erworben hat, sind zudem das Grundstück, auf dem vorher einmal die Kneipe „An der scharfen Ecke“ stand, sowie das Gelände des alten Krankenhauses, auf dem nun Wohnungen entstehen. Außerdem sind die Grundstücke an der Deichstraße 16 bis 26 Eigentum der Grafenstadt – ausgenommen die ehemalige Eisdiele.

„Der Plan ist es, die Gebäude abzureißen und die Deichstraße zur Weser hin zu öffnen. Momentan stehen wir jedoch noch im Rechtsstreit mit dem Besitzer der Eisdiele. Ich bin jedoch optimistisch, dass es bald losgehen kann“, meint Samtgemeindebürgermeister Meyer. Abreißen bedeute jedoch auch, dass vorerst die einzige „Ausgehmöglichkeit“ der Grafschaft – die Weserkneipe – verschwinden würde. „Da muss dann natürlich etwas Neues hin, ein Bistro oder vielleicht wieder eine Kneipe“, beruhigt Meyer. Außerdem gebe es für die „Börse“ neue Pächter, die dort aktuell ein weiteres Lokal verwirklichen wollen.

Im Besitz der Stadt ist jetzt auch die Fläche der Touristeninfo und des Weltladens. „Das Gebäude ist marode und abgängig. Wir wollen es neu entwickeln“, so Meyer. Für die Information ist bereits ein Platz im Schloss der Grafenstadt vorgesehen. Was genau mit dem Haus an der Langen Straßen geschehen soll, verrät der Verwaltungschef jedoch noch nicht.

Ins Schloss soll Gastronomie einziehen - Bürgermeisterin wünscht sich einen Weserstrand

Apropos Schloss: Meyers Plan ist es, auch dort eine Gastronomie anzusiedeln, um die Attraktivität der Stadt zu steigern. Als Zeitfenster gibt er die nächsten fünf Jahre an. „Eigentlich haben wir hier auch schon Einiges, was man machen kann, eine Eisdiele, das Kino, Wasser- und Pferdesportangebote“, zählt er auf. Das Einzige was fehle, sei eben „etwas zum abends Weggehen“. Dem stimmt auch Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner zu.

Doch eines gibt es noch, was sie in Hoya unbedingt verwirklichen will, und das ist ein Weserstrand nicht weit entfernt vom Ruderverein. „Das könnte ein weiterer Attraktivitätspunkt sein“, ist Wasner sich sicher.

Sowohl Meyer als auch Schmelter und die Bürgermeisterin sind sich bewusst, dass es noch Vieles in der Stadt zu tun gibt. „Aber Hoya hat Potenzial“, sagt der Samtgemeindebürgermeister. Die Bürger würden zwar am liebsten sofort Ergebnisse sehen, doch an den meisten Projekten hänge viel dran, erklärt der Wirtschaftsförderer. „Wir müssen Grundstücke erwerben, Förderungen beantragen und Fristen einhalten. Das führt dann dazu, dass es eben manchmal länger dauert.“

Stadt hat bereits viele Projekte verwirklicht - aber: es muss noch viel getan werden

Doch in der Grafschaft sei in den vergangenen Jahren bereits Einiges passiert, um die Stadt wieder zu beleben und attraktiver zu gestalten: Der Bürgerpark wurde neu bepflanzt, Sitzgelegenheiten an der Grundschule geschaffen, die Sparkasse neugebaut, der Wohnmobilstellplatz aufgewertet sowie der Ruderverein aufgerüstet. Hinzu kommt noch der Neubau der Deicke- und Rossmann-Filiale sowie die Schaffung von Bauland.

„Man gewöhnt sich schnell an den neuen Anblick und vergisst dann, wie es vorher einmal war“, versucht Wasner das Problem zu erklären. Oder anders gesagt: Das ein oder andere Schreckgespenst haben sie zwar schon aus der Stadt vertreiben können, vor ihnen liegt aber noch eine Menge Arbeit als Geisterjäger.

Weitere Infos

Um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was sich bereits alles getan hat, startete die Stadt eine Serie unter dem Titel „Weißt du noch wie‘s früher war?“. Interessierte können diese auf dem Instagram-Kanal der Grafschaft anschauen.

Von Nala Harries

Die Commerzbank-Filiale ist geschlossen.
Neues Gesicht: Dilshad Alcheikh eröffnet in der einstigen „Hütte“ seinen neuen Friseursalon „Weserschnitt“.
Die Öffnung zum Weserufer: Für das Vorhaben will die Stadt die Gebäude an der Deichstraße abreißen.
Geschlossen: Dieser Laden ist kein Einzelfall.
Abgeklebte Fenster: Der neue Pächter hält sich mit seinen Plänen für den ehemaligen Griechen noch bedeckt.

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