„Steingeschichten“ aus längst vergangener Zeit werden wieder lebendig

Liebe, Pest und Grabplatten

Jesus am Kreuz auf dem Stein-Epitaph für den Kirchenjuraten Gerdt Klebbe und seine Familie. ·
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Jesus am Kreuz auf dem Stein-Epitaph für den Kirchenjuraten Gerdt Klebbe und seine Familie. ·

Hoya - Von André SteuerVon Menschen gestaltete Steine erzählen Geschichten und machen damit Geschichte lebendig. Allerdings erschließen sie sich nicht von alleine, sondern müssen entschlüsselt werden. Im und am Hoyaer Kulturzentrum Martinskirche, der alten St.-Martini-Kirche, finden sich Steine die von längst vergangenen Zeiten erzählen. Die Leiterin des Heimatmuseums, Elfriede Hornecker, lässt sie jetzt „zu Wort“ kommen, im gerade erschienenen Teil 17 der Schriftenreihe „Hoyaer Hefte“.

Das Besondere: Elfriede Hornecker hat die Hoyaer Geschichten herausgearbeitet, die ausgewählte historische Steine mit ihren Inschriften, Bildern und Beschaffenheiten erzählen. Das Heft erhalten Geschichtsinteressierte gegen ein paar Euro direkt im Heimatmuseum, Im Park 1.

Basierend auf der umfassenden Arbeit des Archäologen Axel Fahl über die Ausgrabungen in der Martins kirche (1984 bis 1986), entstand dieses Hoyaer Heft. Fahl leitete selbst einmal das Heimatmuseum und hat in seinem bislang unveröffentlichten Werk, dessen Manuskript in zweifacher Ausfertigung im Stadtarchiv liegt, nicht nur die Baugeschichte der Kirche erfasst. In der detaillierten und umfassenden wissenschaftlichen Arbeit befasst er sich auch mit dem historischen Zusammenhang und entwirft ein Bild vom Leben und Sterben in der Grafenstadt. „Der Inhalt des nun neuen Hoyaer Hefts beruht zum größten Teil auf der Arbeit von Axel Fahl“, sagt Elfriede Hornecker.

In der Martinskirche befindet sich der älteste nichtsakrale Inschriftenstein Niedersachsens (wir berichteten, die Artikel sind nachzulesen auf kreiszeitung.de, nach „Inschriftenstein“ suchen). Der Stein hatte lange Zeit seinen Platz als Eckstein an der Nordwest-Ecke des Choranbaus in der Außenmauer. Im Mai 2013 wurde er in den Innenraum versetzt.

Bereits um das Jahr 1100 herum muss, wie die Ausgrabungen zeigten, ein Gotteshaus an der Stelle der alten Martinskirche gestanden haben. Auf dessen Fundament ließ Graf Gerhard II. (er regierte von 1290 bis 1313) eine neue, gotische Kirche bauen. Der Inschriftenstein berichtet davon. Hinter den nüchternen Buchstaben verbergen sich wahre Abenteuer. Es geht um Intrigen, Liebesgeschichten, Aufstieg und Fall ganzer Familien. Was genau passiert, wer bei Nacht und Nebel verschwindet, davon erzählt das Heft.

Weiter widmet es sich den „Grabplatten und anderen Unebenheiten“. Die Platte Graf Otto III. (1350 bis 1428) zeigt nicht nur hochmittelalterliche Ideale, sondern lässt auch das Rätsel offen, welche Frau bei ihm im Grab liegt. Graf Otto III. wurde in ein Jahrhundert der Katastrophen hineingeboren. Die Pest wütete auch in der Grafenstadt. Höfe fielen wüst und Äcker lagen brach.

Anhand eines Stein-Epitaphs an der Außenseite der Kirche trifft der Leser den Kirchenjuraten Gerdt Klebbe und damit den ersten Hoyaer Reformator sowie die Gräfin Agnes von Hoya, die sich trotz knapper Finanzmittel an der Renovierung der Kirche beteiligte.

Dieses und viel mehr ist in dem Hoyaer Heft Nr. 17 „Steine erzählen Geschichten“ zu finden. · as

Quelle: kreiszeitung.de

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