„Klosterstube Loccum steht jedem offen“

Loccum: 40 Jahre Welt-Laden im Torbogen des Klosters

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Der erste Eintrag im ersten Gästebuch der Klosterstube: Heinz Emmrich zeigt ihn vor.

Loccum - Von Beate Ney-Janßen. „Wir haben eine ganze Reihe Gästebücher“, sagt Heinz Emmrich, „aber das hier ist das erste.“ Er schlägt das kleine Heft, das von vielfältiger Benutzung geschmeidig in der Hand liegt, auf der ersten Seite auf. Ein Foto vom Torhaus des Loccumer Klosters ist dort zu sehen, darüber in ordentlichen Lettern „Klosterstube eröffnet 9. Juli 78“. 40 Jahre sind seitdem vergangen. Was seinerzeit zur Eröffnung als Überschrift in der Zeitung stand gilt indes heute wie damals: „Klosterstube Loccum steht jedem offen“.

Ein malerischer Ort ist diese Klosterstube, die seit 40 Jahren ihre Heimat in der ehemaligen Frauenkapelle im Torbogen des Klosters hat. Wer auf das Klostergelände gehen will, kommt im Torhaus unweigerlich an der schön geschnitzten alten Holztür vorbei. Meistens steht rechts und links der Tür jahreszeitlich angepasster Blumenschmuck – ein Hingucker, der auch dazu beiträgt, Besucher zu einem Blick in die Klosterstube zu verleiten. 

Für die Blumen, erzählt der Vorsitzende des Vereins „Klosterstube Loccum“, Heinz Emmrich, fühle sich seit vielen, vielen Jahren Erika Windheim zuständig – wie für etliche andere Dinge in dem Eine-Welt-Laden auch. Sie ist schließlich eine der Frauen der ersten Stunde, hat von Anfang an mitgemacht und ist auch im Pensionsalter immer noch gewillt, an der guten Sache mitzuwirken. Zum Mitwirken gibt es wahrhaft viele Gelegenheiten in jenem Verein.

Dreimal pro Woche ist geöffnet, mittwochs und sonnabends von 14 bis 17.30 Uhr, sonntags von 11 bis 17.30 Uhr. Das gilt für die Monate März bis Oktober. Im Vorweihnachtsgeschäft sind die Zeiten nur genringfügig reduziert. Und lediglich zu Beginn jeden Jahres ruht der Betrieb für zwei Monate. So viele Öffnungszeiten zu besetzen und das stets mit mindestens zwei Helfern, ist nach wie vor eine der größten Herausforderungen, die das Team meistert. Denn es geschieht ja alles im Ehrenamt – neben dem eigentlichen Beruf. Aber auch alle, die bereits im Ruhestand sind, müssen sich die Klosterstuben-Zeiten immer wieder konsequent freihalten. 

Nicht bloß ein Laden

Dafür gibt es einen Dienstplan. Und auch alle weiteren Arbeiten werden ordentlich verteilt. „Der Laden ist total gut durchorganisiert“, meint die stellvertretende Vorsitzende, Gretl Kalließ. Der Service am Kunden geht aber noch weiter. Denn immer dann, wenn Gruppen das Kloster, die benachbarte Akademie oder das Religionspädagogische Institut besuchen, können sie auch weitere Termine vereinbaren um sich umzuschauen, sich zu informieren und möglichst auch einzukaufen – denn das ist es doch, was das Team möchte. Auf gute Umsätze hoffen sie stets, auf guten Gewinn ebenfalls. Nur so können sie schließlich das Konzept der „Einen Welt“, das sie seit Jahrzehnten pflegen, weiterhin verfolgen.

Dieses Konzept sieht so aus, dass Produkte aus Entwicklungsländern gekauft und verkauft werden, wodurch die Situation der Menschen dort verbessert werden soll. Aus vielen Ländern stammt das, was in der Klosterstube so liebevoll aufgebaut ist und vielfältig ist die Produktpalette. Schmuck gehört dazu und Schals. 

Malerisch ist der Raum der Klosterstube nicht zuletzt durch die Buntglasfenster, die dort in der ehemaligen Frauenkapelle erhalten sind.

Geschenkartikel für viele Gelegenheiten tummeln sich im Raum, Lebensmittel obendrein und wer den Kaffee aus fairem Handel vor dem Kauf lieber probieren möchte, nimmt an einem der kleinen Tische in der Mitte des Raumes Platz und genießt. Ein weiterer Schwerpunkt in der Klosterstube sind dann noch Bücher und Karten. Barbara Willig ist eine derjenigen, die sich darum intensiv kümmern. Sie ist eines der dienstjüngsten Mitglieder in dem Team – als sie in den Ruhestand ging, suchte sie nach einer sinnvollen Beschäftigung. Die fand sie in Loccums Torbogen.

Neben dem Verkauf dessen, was in Entwicklungsländern unter fairen Bedingungen entstanden ist, hat die Klosterstube aber noch einen weiteren Ansatz und das ist die Unterstützung von allerhand Projekten in aller Welt, die das Team des Vereins für förderungswürdig erachtet. Neun Projekte sind es momentan, die so bedacht werden: in Afrika wie in Asien, in Mittel- und Südamerika. Neue Projekte können aus dem Team heraus vorgeschlagen werden. Gemeinsam wird dann beratschlagt, worauf die Wahl fallen soll. Reine Informationen auf Papier oder per Internet genügen den Mitarbeitenden dabei oftmals nicht.

Selbstständig und kein Teil des Klosters

Sie lassen Menschen erzählen, die bereits vor Ort waren und so manche von ihnen selbst haben schon weite Reisen angetreten, um ein Projekt zu besuchen. Wie Claudia Sophie Holze, die bis Simbabwe reiste, oder Michael Flämig, der ein Waisenhaus in Tansania besuchte.

Je nachdem, wie gut der Verkauf gelaufen ist, schüttet der Klosterstuben-Verein jährlich Geld an die Projekte aus. Wegen der aktuellen Baustellen-Situation im Kloster ist der Umsatz momentan nicht gar so gut. Aber nun, im Jubiläumsjahr, hoffen alle darauf, dass viele auch aus alter Verbundenheit einmal mehr den Welt-Laden aufsuchen. Eigentlich sind es ja nur die Touristen, die derzeit ein wenig fehlen.

Für jene Touristen war die Klosterstube über Jahrzehnte zu vielen Zeiten auch die einzige Anlaufstelle, wenn sie etwas über das Kloster erfahren wollten. Die Tourist-Info direkt gegenüber sei doch erst vor fünf Jahren eingerichtet worden, sagt Emmrich. Als Auskunftsstelle hätten sie aber immer gerne gedient, meint er schmunzelnd, betont im selben Atemzug aber auch, dass noch einmal klipp und klar gesagt werden müsse, dass die Klosterstube absolut selbständig und keineswegs ein Teil des Klosters, sondern Mieter auf dem Gelände sei. 

Unabhängig vom Kloster ist der Klosterstuben-Verein. Ein Mönch weist dennoch – ebenso wie Michael Flämig – auf den Eingang hin.

Das werde oft verwechselt, auch weil sie das Kloster in ihrem Namen führten. Michael Flämig, seit langem für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zuständig, meint, dass wohl auch das alte Hinweisschild zu diesem Ruf beitragen könne. Das Schild mit der Figur in Mönchskutte, die mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Eingang des Ladens weise. Nun ja, ein neues Schild gebe es – ohne Mönch und wesentlich moderner. Von dem Aufsteller im Retro-Design mögen sie sich aber dennoch nicht trennen.

Aber zurück zum Jubiläum. 40 Jahre Klosterstube – das will das Team natürlich feiern. Anders aber als vor zehn Jahren, zum 30. Geburtstag, wird diese Feier mit einem Abend ausschließlich für die Mitarbeitenden gestaltet. Ein großes Fest solle es nicht geben, sagt Emmrich. Lieber wollten sie noch mehr Geld in die laufenden Projekte stecken. Sie seien sich sicher, dass keiner ihrer Kunden ihnen das übel nehme. Auf deren Besuch, gerade in diesem Jahr, hoffen alle aber dennoch. Und auch darauf, dass besonders fleißig eingekauft wird, damit der Geburtstag ein prächtiger ist, wenn es an die Übergabe des Geldes für die Projekte in aller Welt geht.

Wer sich für die Mitarbeit in der Loccumer Klosterstube interessiert oder eine Gruppe zu einer gesonderten Öffnungszeit anmelden möchte, kann sich mit dem Vorsitzenden Heinz Emmrich unter heinz.emmrich@googlemail.com in Verbindung setzen. Weitere Informationen über die Klosterstube sind auch auf deren Website www.klosterstube-loccum.de zu finden.

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