Angeklagter muss sich erneut wegen Mordes verantworten 

Loccumer Klosterwald-Mord wird neu aufgerollt

Der Angeklagte mit seinen Verteidigern Mathias Huse und Torben Werk bei der Urteilsverkündung. 
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Der Angeklagte mit seinen Verteidigern Mathias Huse und Torben Werk bei der Urteilsverkündung. 

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Mord im Loccumer Klosterwald neu aufgerollt wird. Damit muss der Angeklagte Jörg N. ein drittes Mal wegen Mordes verantworten.

Karlsruhe - von Wiebke Bruns. Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshof hat am Donnerstag entscheiden, dass das Verfahren um den gewaltsamen Tod der 23-jährigen Judith Thijsen im September 2015 im Loccumer Klosterforst neu aufgerollt wird. Damit wird sich ein drittes Mal der heute 53 Jahre alte Angeklagte Jörg N. wegen Mordes verantworten müssen. Verübt haben soll der mehrfach vorbestrafte Sexualstraftäter die Tat während eines unbegleiteten Freigangs, der ihm trotz angeordneter Sicherungsverwahrung während seiner Unterbringung im landeseigenen Maßregelvollzugszentrum (MRVZ) Rehburg-Loccum gewährt worden war.

In der ersten Instanz zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Am 15. Juni 2017 war der in Lingen geborene Vater mehrerer Kinder erstinstanzlich von der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden wegen Totschlags zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt und nochmals die Sicherungsverwahrung angeordnet worden. Auf die Revision des Angeklagten hatte der Bundesgerichtshof das Urteil am 18. Oktober 2018 aufgehoben und den Fall an eine andere Kammer des Verdener Landgerichts zurückverwiesen. Die 3. Große Strafkammer hatte in dem zweiten Prozess Aussagen und Indizien anders gewertet und Jörg N. freigesprochen. Gegen dieses Urteil hatten die Staatsanwaltschaft Verden sowie Vater und Schwester der Getöteten als Nebenkläger Revision eingelegt.

Etliche Zeugen werden ein weiters Mal gehört

Nach der Aufhebung des Freispruchs am Donnerstag wird es einen erneuten Prozess geben. Etliche Zeugen werden dann ein weiteres Mal angehört. Angehörige, Freunde und Nachbarn der getöteten 23-Jährigen, die erst seit Juli 2015 in der Nähe der MRVZ gewohnt hatte, wo der mehrfach vorbestrafte Sexualstraftäter untergebracht war.

Das Landgericht Aurich hatte ihn im November 2012 wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Gleichzeitig die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt und die Sicherungsverwahrung auf Grund seiner Gefährlichkeit angeordnet.

„Psychopath mit sexuellem Sadismus“

Trotz der festgestellten Gefahr – ein Sachverständiger hat den 53-Jährigen als „Psychopath mit sexuellem Sadismus“ eingestuft – wurden ihm die üblichen schrittweisen Lockerungen gewährt. Dazu gehörten unter anderem unbegleiteter Freigang und bei einem solchen soll Jörg N. am 12. September 2015 die 23-Jährige getötet haben. Von diesem Tag an galt die junge Frau, die eine Ausbildung als Erzieherin machte, als vermisst.

Ihr Auto war sechs Tage später auf einem Parkplatz nahe des Klosterwaldes entdeckt worden.Nach einer erfolglosen Suche durch die Polizei hatte der Vater selbst den Wald abgesucht und am 20. September 2015 die Leiche seiner bis auf eine Socke komplett entkleideten Tochter entdeckt. Danach war er selbst unter Verdacht geraten.

Mit Kratzern im Gesicht nach Freigang zurückgekehrt

Am Tag des Verschwindens der 23-Jährigen war Jörg N. mit Kratzern im Gesicht in das MRVZ zurückgekehrt. Ein in direkter Nähe des Leichenfundortes gefundenes Stück Kaugummipapier enthielt seine vollständige DNA. Wegen einer Polizeipanne war das Papier erst Monate später auf DNA-Spuren untersucht worden. Danach, im Frühjahr 2016, erfolgte die Festnahme. Aktuell befindet sich der Angeklagte in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg.

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