Vier Tage mit spitzen Ohren in Mythodea

Loccumerin mischt beim Mythodea-Rollenspiel in Brokeloh mit 

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Lachen ziemt sich nicht für eine Tarel – weswegen Carolyn Dreesmann es sich beim Conquest verkneifen muss

Brokeloh - Vom 31. Juli bis 3. August bevölkern wieder zahlreiche begeisterte Fantasy-Rollenspieler das Dorf Brokeloh. Eine von ihnen ist  Loccumerin Carolyn Dreesmann

„Spitz doch mal die Ohren!“ – das ist einer der Sprüche, die Carolyn Dreesmann noch nicht mal mehr ein müdes Lächeln entlocken. Was eigentlich auch ganz gut ist, wenn sie als Fenra-Leánne von Elastea in Mythodea weilt. Denn was sie auf gar keinen Fall machen darf, während sie in der Welt dieses fiktiven Kontinents ihre Rolle spielt, ist lächeln.

Gespitzte Ohren hat sie in jenen Tagen immer. Mit Mastix angeklebt, der Ansatz von einer Haarsträhne gut verdeckt. Die Ohren sind der deutlichste Hinweis auf die Rolle, die die 21-jährige Loccumerin spielt, wenn sie Anfang August auf dem Brokeloher Rittergut zum „Conquest of Mythodea“ einzieht. „Elfe“ sagen diejenigen, die sich in der Fantasy-Welt nicht gar so gut auskennen, dann zu ihr. Als „Elbin“ wird sie von denjenigen bezeichnet, die sich in Tolkiens Kosmos Mittelerde auskennen. Um dieser Diskussion aus dem Weg zu gehen hat sich die Gruppe derer, mit denen sie ihr Lager aufschlägt, eine eigene Bezeichnung gegeben: Sie nennen sich die Tarel von Tragant.

Elfe, Elbin, Tarel – die spitzen Ohren sind das deutlichste Erkennungszeichen.

Vor zwei Jahren ist Carolyn zu Fenra-Leánne geworden. Damals meinte ein Freund, dass sie sich solch ein Live-Rollenspiel doch einmal etwas genauer ansehen müsse – das würde ihr sicherlich gefallen. Weil sie doch schon immer Schauspiel geliebt, ein Freiwilliges kulturelles Jahr in Hannovers Ballhof absolviert habe und gerne in andere Rollen schlüpfe. Also sah sie es sich an, war fasziniert – und stieg in das Spiel ein. Die Gruppe der Tarel machte sie über das Internet ausfindig, bewarb sich dort und wurde genommen. Ein Skype- Interview gehört zu der üblichen Aufnahme-Prozedur. Beide Seiten meinten danach, dass sie es miteinander versuchen wollen. Das, sagt sie, sei beileibe nicht immer so.

Lächeln und Lachen verboten 

Die Bewerbungen seien zahlreich – viele träumten davon, eine Elbin zu spielen. Schön, ätherisch, würdevoll. Das hat schon was. Schwierig wird es oft dann, wenn die Anwärter erfahren, dass Lächeln und Lachen verboten sind – das tun Elben beziehungsweise Tarel nun einmal nicht. Die Begründung dafür ist eigentlich ziemlich einfach. „Ich bin 500 Jahre alt als Fenra-Leánne – wer kann mir wohl einen Witz erzählen, den ich noch nicht gehört habe?“, sagt Carolyn Dreesmann. Mit einem Alter von 500 Jahren ist sie übrigens noch eine der Jüngeren in ihrer Gemeinschaft. In den vier Tagen des Conquest kommt sie kaum aus ihrer Rolle heraus. Von frühmorgens bis spät in die Nacht sieht sie aus, denkt, redet, handelt, wie es diese Tarel tun. Dazu gehört dann allerdings auch, dass sie ihrem zweiten Hobby, dem Tanzen, nicht nachgehen kann.

Geschmeide samt Ohren liegen auf dem Tisch bevor die Verwandlung von Carolyn Dreesmann in Fenra-Leánne von Elastea beginnt.

Getanzt wird gerade am Abend viel auf Mythodea. Weshalb es die Tarel nicht tun? Nun, dass sei doch eigentlich ganz einfach, sagt sie. Den Tanz – oder auch Gesang – einer Tarel müsse man sich überirdisch schön und vollkommen vorstellen. Das könne doch keiner aus der Gruppe leisten. Weswegen sie eben weder tanzen noch singen.

Außerhalb ihrer Rolle lacht sie auf und sagt: „Man muss sich aber auch vor Augen führen, dass das, was man da tut, bescheuert ist.“ Was sie nicht stört. Andere würden am Computer spielen und virtuell in andere Welten eintauchen. „Ich gehe raus und mache das in echt.“ Weswegen sie sich auch verabschiedet mit den Worten: „Wir sehen uns – in Mythodea.“ Wer womöglich Carolyn Dreesmann als Fenra-Leánne begegnen möchte, kann sich vom 31. Juli bis 3. August auf das Rittergut in Brokeloh begeben. Unter bestimmten Bedingungen ist es möglich, den Kontinent Mythodea zu besuchen. Informationen dazu sind auf www.live-adventure.de und auf www.fantastica-festival.de hinterlegt.

ade

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