Schild aufgestellt / Anwohner befürchten negative Auswirkung nicht nur für sich selbst

Magelser protestieren gegen geplantes Umspannwerk

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Über hundert Umspannwerk-Gegner (auch aus Nachbarorten) versammelten sich Samstag in Magelsen.

Magelsen - Von Marion Thiermann. „Natur erhalten – kein Umspannwerk in Magelsen!“ Dieser Schriftzug prangt auf einem Protestschild, das mehr als hundert Teilnehmer am Samstag in der Dorfmitte direkt an der Landesstraße 201 von Hoya nach Verden aufgestellt haben.

Mit dem Schild wollen die Magelser, die eine Bürgerinitiative gegründet haben, darauf aufmerksam machen, dass sie ihr Schicksal nicht hinnehmen und sich gegen das von der Firma Tennet in der Marsch geplante Umspannwerk wehren werden.

Negative Auswirkungen auf Hauswert und Tourismus befürchtet

Gründe gegen das zehn Hektar große Umspannwerk sowie zusätzliche Strommasten haben die Anwohner genügend. Das Dorf bangt um die Natur, aber auch wegen möglicher Wertverluste der Häuser und einer negativen Auswirkung auf den Tourismus. Der Weserradweg, einer der meistbefahrenen Radwanderwege Deutschlands, führt durch den Ort. Im Rahmen der vergangenes Jahr gestarteten Dorferneuerung der Gemeinde Hilgermissen wurden Arbeitskreise gebildet, um den Tourismus weiter zu fördern. Mit viel persönlichem Engagement haben es die Magelser geschafft, wieder Störche ins Dorf zu holen. Rotmilane brüten in einem Wäldchen am Dorfrand. Hinzu kommen Fledermäuse, wegen denen nachts die nahen Windräder abgestellt werden, und Seeadler, die in Dörverden brüten und auf ihrer Futtersuche regelmäßig in Magelsen zu beobachten sind.

Die Magelser betonen die Vorzüge ihres Dorfs: Seit einiger Zeit ziehen wieder junge Familien in den Ort, ein Seminar- und Ferienhof bietet Unterkunft für Radwanderer und Stadtmüde, direkt daneben gibt es ein Atelier für Kunst und Kunsttherapie, und in der Ortsmitte soll ein Gesundheitszentrum entstehen. Diese Idylle sehen die Magelser stark gefährdet. Sie fragen: Wer macht hier noch Urlaub, wer will in einem Ort wohnen, der mit Elektrosmog belastet ist?

Gegner wollen massiv Einwendungen erheben

Die Magelser empfinden die geplante Belastung durch eine weitere Überland-Stromleitung und ein Umspannwerk als zu hoch. Sie fragen sich: Warum soll es in Magelsen gebaut werden, obwohl sich Gemeinde und Samtgemeinde für die Erweiterung des bestehenden Umspannwerks keine zwei Kilometer weiter in Wechold ausgesprochen haben?

Die 16 Häuser gegenüber dem geplanten neuen Umspannwerk würden deutlich an Wert verlieren. Die Besitzer haben außerdem Angst vor Elektrosmog, vor den Geräuschen, die vom Umspannwerk ausgehen. Sie fragen sich, was später mit ihrem Grundstück samt Haus passieren soll: vererben, verkaufen? Wer will dort wohnen? Einige von ihnen haben dort wegen dem Blick in die Marschlandschaft gebaut, sagen sie. Wenn Tennet die Pläne umsetzt, werden sie künftig auf ein riesiges Umspannwerk in 400 Metern Entfernung blicken.

Nachbarorte beteiligen sich am Protest

Doch es ist noch nicht zu spät, das Raumordnungsverfahren sowie das Planfeststellungsverfahren stehen noch aus. Allerdings teilte Tennet Freitagabend per Pressemeldung mit, man befindet sich auf der Zielgeraden zum Raumordnungsverfahren, „die erforderlichen Unterlagen sind fertiggestellt und werden durch das zuständige Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg derzeit auf Vollständigkeit geprüft“. Tennet macht in der Mitteilung erneut deutlich, dass die Firma am Standort Magelsen festhält.

Die Magelser wollen nun, beraten von einem Anwalt, als Gruppe sowie als Einzelpersonen Einwendungen beim Amt für regionale Landesentwicklung erheben. Edeltraud Lüneberg und Torsten Zech von der Bürgerinitiative sind optimistisch, dass sie Erfolg haben werden.

Dass nicht nur die Magelser Bedenken gegen das Umspannwerk haben, sah man am Samstag bei der Protestaktion. Es waren auch einige Gegner aus Nachbarorten dabei, vor allem aus Wienbergen.

Quelle: kreiszeitung.de

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