„Man muss sich mit Neuerungen arrangieren“ 

Großes Interesse bei Info-Veranstaltung von Tennet in Wietzen

Cord Fehsenfeld lässt sich von einem Tennet-Mitarbeiter technische Details erläutern. - Foto: Kreykenbohm

Wietzen - Von Julia Kreykenbohm. Kritisch mustert Cord Fehsenfeld aus Marklohe die große Karte, auf der sowohl die alten Stromtrassen, als auch die geplanten verzeichnet sind, die durch den Landkreis Nienburg verlaufen – oder noch verlaufen sollen.

„Wieviel Fläche brauchen sie an den Übergängen, wo die Oberleitungen unter die Erde verlegt werden?“, möchte er wissen. Manfred Redslob vom Kabelnetzbetreiber Tennet tritt hinzu: „Etwa 3500 Quadratmeter.“ Fehsenfeld runzelt die Stirn: „Das ist ja nicht viel.“ Der Markloher kennt sich aus. Er ist Elektro-Ingenieur und einer von vielen Besuchern, die zum Informationsnachmittag von Tennet in das Dorfgemeinschaftshaus in Wietzen gekommen sind.

„Wir haben schon verschiedene Info-Märkte ausgerichtet“, erklärt Tennet-Bürgerreferentin Renate Gaus. „Aber hier ist die Resonanz am größten.“ Kein Wunder. Veränderungen stehen ins Haus und Wietzen ist unmittelbar betroffen. Tennet möchte die „Stromautobahnen“ fit für die Zukunft machen. Das heißt, die alten 220-kV-Leitungen, die von Stade bis nach Landesbergen reichen, sollen zu 380-kV-Leitungen umgerüstet werden. Und in Wietzen gibt es sowohl eine 220- als auch eine 380-kV-Leitung. „Die bleibt auch bestehen“, erläutert Projektleiter Thomas Sälzer. Tennets Auftrag laute, bloß die 220-kV-Leitungen umzurüsten.

Geplant ist, dass 50 Prozent des bestehenden Trassenraums im Landkreis Nienburg weiter genutzt werden. Außerdem soll nach Informationen des Netzbetreibers der drei Kilometer lange Abschnitt von Heesen nach Mehringen erdverkabelt werden. Die davor und danach liegenden Trassenabschnitte werden wie gehabt als Freileitungen gebaut.

„Wir sind vor knapp drei Jahren gestartet und haben einen Plan vorgelegt, wie die Trassen verlaufen können. Daraufhin kamen Hinweise und Einwände von Anwohnern“, so Sälzer. Diese seien nun in den Plan eingearbeitet worden. Das Ergebnis: Von den bisher 998 Gebäuden in Siedlungen, die entgegen den aktuellen gesetzlichen Regelungen näher als 400 Meter an der Freileitung liegen, sind es durch Verlagerung der Strecke nur noch 18 Gebäude. 

Auch bei den 202 einzelstehenden Gebäuden, die näher als 200 Meter an der bestehenden 220-kV-Freileitung liegen, werden es laut Tennet zukünftig nur noch 29 Gebäude sein. Insgesamt werden wohl 13 Eigentümer auf ihrem Wohngrundstück von den Stromtrassen betroffen sein. „Doch die sind vermutlich schon jetzt durch die 220-kV-Leitungen betroffen“, so Sälzer. Tennet werde keine Grundstücke kaufen, aber im Grundbuch des Eigentümers werde ein Grunddienstbarkeitsrecht eingetragen, das es Tennet gestattet, sich um die Wartung der Leitung zu kümmern. Dafür, und auch für eventuelle Schäden durch Bauarbeiten, erhält der Besitzer Geld.

Nun möchte Tennet seinen Blick noch weiter schärfen: Die Raumordnungsplanentwürfe werden Ende März bei den Gemeinden und auf der Homepage von Tennet zu finden sein, wo jeder sie einsehen kann. Die Leute können in einer schriftlichen Stellungnahme Einwände machen und sie entweder an ihre Gemeinde oder direkt an das zuständige Amt für regionale Landesentwicklung in Lüneburg schicken. Am Ende soll ein Antrag stehen, der – so hofft Tennet – genehmigt wird, so dass die neue Trasse 2023 ans Netz gehen kann.

Die Informationsmärkte sind für den Netzbetreiber ein wichtiger Baustein, um den Zeitplan einhalten zu können, denn sie sollen für eine möglichst hohe Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen. Zehn Experten von Tennet stehen im Dorfgemeinschaftshaus Rede und Antwort und haben ordentlich zu tun, denn der Andrang ist groß und die Fragen gezielt und kritisch. Denn auch unter den Besuchern sind ein paar Experten vertreten. „Ich glaube, dass die Mitarbeiter hier ein bisschen sehr optimistisch sind“, meint Fehsenfeld. Er habe ein paar technische Bedenken bei der Umsetzung.

An einem Tisch machen Besucher mit ihren Smartphones Bilder von den ausliegenden Karten. „Ich finde es gut, dass die Mitarbeiter sofort ansprechbar sind und alles erkkären“, lobt eine Anwohnerin aus Hilgermissen. Zurzeit läuft über ihr Ackerland eine Hochspannungsleitung. Die soll wohl zurückgebaut und eine neue Leitung an anderer Stelle auf ihrem Land errichtet werden. Probleme habe sie damit nicht. „Wir wollen ja alle Strom. Wir wollen Licht machen und es warm haben. Da muss man sich eben auch mit Neuerungen arrangieren.“

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Quelle: kreiszeitung.de

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