Familien-Servicebüro in Rehburg-Loccum sucht neue Bufdis

„Manchmal anstrengend und zeitaufwendig – aber es lohnt“

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Arbeit mit Kindern ist für Mathis Lock immer noch sein vorrangiger Wunsch – dass er es gut kann, merkt er bei seiner Arbeit im Bundesfreiwilligendienst.

Rehburg-Loccum - Von Beate Ney-Janßen. Halbzeit haben die fünf Bundesfreiwilligendienstler, die bei der Stadt Rehburg-Loccum für ein Jahr an der Integration von Flüchtlingen arbeiten. Sie haben bislang viele Erfahrungen gesammelt und ihre Berufswünsche gefestigt oder auch neu festgelegt.

Im Herbst 2015 ist das Rehburg-Loccumer Familien-Servicebüro Koordinierungsstelle für die Flüchtlinge in der Stadt geworden. Vielfältige neue Aufgaben hatte Ute Grolms als Verantwortliche in diesem Bereich plötzlich vor sich. Hilfe gab es für sie von vielen Stellen aus Haupt- und Ehrenamt, die sie auch koordiniert. Noch gezieltere Hilfe holte sie sich aber durch Bundesfreiwilligendienstler. Als Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug wurde das Servicebüro Ende 2015 anerkannt. Im August 2016 begannen fünf junge Menschen aus den Landkreisen Nienburg und Schaumburg mit ihrer freiwilligen Arbeit für ein Jahr.

Rund die Hälfte der etwa 170 Flüchtlinge in der Stadt, berichtet Grolms, sei jünger als 18 Jahre. Nahezu alle Geflüchteten seien als Familien nach Rehburg-Loccum gekommen – und das stelle ganz besondere Anforderungen an die Integration. Um insbesondere den Kindern und Jugendlichen in ihrem neuen Umfeld zu helfen, setzte sie die Bundesfreiwilligendienstler in Kindergärten, Schulen und im Jugendzentrum ein. Dort sollten sie zwar den Fokus auf die Flüchtlinge richten, aber doch mit allen arbeiten. „Es sollte kein Anderssein provoziert werden“, sagt Grolms. Eine weitere Aufgabe ist die Betreuung einzelner Familien.

Mathis Lock, Hagenburger, 20 Jahre alt, macht Erfahrungen in allen Bereichen. In der Grundschule Münchehagen arbeitet er in der Hausaufgabenhilfe und einer Nachmittags-AG, im Loccumer Jugendzentrum bietet er teilweise eigene Programme an und begleitet freitags den „Treff International“. Zusätzlich hat er die Begleitung einer irakischen Familie übernommen – das allein ist schon eine große Aufgabe, da zu der Familie neun Kinder gehören. Er schwärmt von seinem freiwilligen Jahr: „Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten – deshalb passen diese Aufgaben genau zu mir.“

Positiv für ihn ist, dass er viele Dinge selbstständig organisieren, aber immer auch auf das Team zurückgreifen kann. Neben der Arbeit mit Kindern, sagt er schmunzelnd, wisse er auch mit Behörden gut bescheid. Termine im Jobcenter, beim Landkreis, bei Krankenkassen – all das habe er mit der irakischen Familie mehr als einmal gemacht. Und mit einem Schwangerschaftsfahrplan kenne er sich nun auch gut aus.

Seine schönste Erfahrung im erste halben Jahr war der Besuch im Krankenhaus, nachdem die Frau ein Kind geboren hatte. Alle Distanziertheit, die die Eltern ihm gegenüber zuvor an den Tag gelegt hätten, sei plötzlich fort gewesen und stattdessen nur noch die Freude über das Kind. Für ihn, sagt er, sei dieses Jahr bislang eine deutliche Bestätigung seines Wunsches, „Soziale Arbeit“ studieren zu wollen.

Eine Bestätigung ist der Bundesfreiwilligendienst auch für die 18-jährige Marlena Meyer aus Landesbergen und für die 19-jährige Tessa Heins aus Nienstädt. Dieses Jahr machen sie gerne, wollen dann aber in ganz anderen Bereichen arbeiten.

Moritz Häußler, wie Mathis Lock 20 Jahre alt und aus Hagenburg, sagt, dass sein Sinn für Gerechtigkeit durch die Arbeit als Bundesfreiwilligendienstler noch einmal geschärft worden sei. „Insbesondere die Begleitung beziehungsweise Unterstützung der Flüchtlingsfamilie bereitet mir Freude. Durch die anstehenden Behördengänge und die damit verbundenen Formalitäten nimmt man viel mit für das spätere Leben. Es gibt auch Tage, die nicht so spaßig sind, da besonders die Sprachbarriere teilweise anstrengend und die Unterstützung von Flüchtlingsfamilien zeitaufwendig ist. Allerdings lohnt sich die Arbeit im Nachhinein, wenn einer Familie geholfen werden konnte.“ Häußler träumt davon, ein Studium bei der Polizei zu beginnen.

Sarah Helal spricht fließend Arabisch

Sarah Helal, 19 Jahre und aus Winzlar, ist in der Runde der Bundesfreiwilligendienstler diejenige, die neben Einsätzen in Kindergärten und Schulen wie auch beim „Treff International“ auch immer dann hinzugezogen wird, wenn Sprachbarrieren überwunden werden müssen, denn sie spricht fließend Arabisch. Zu Gesprächen mit Familien wird sie oft hinzugezogen und steht für die Flüchtlinge auch im Jugendzentrum zur Verfügung, wenn es beispielsweise darum geht, Behördenbriefe zu verstehen. Sie hat durch die Arbeit ihren Berufswunsch revidiert. Wollte sie eigentlich Grundschullehrerin werden, so steht nun Sozialwesen als Studienwunsch bei ihr an erster Stelle.

Manches, was sie gehört und erlebt habe, sei zwar nicht einfach zu ertragen gewesen, sagt sie – mit jedem Gespräch habe sie aber auch „wachsen“ können. Anderen, die in diesem Jahr die Schule verlassen und noch darüber nachdenken, was sie nun mit ihrem Leben anfangen sollen, gibt sie im Bezug auf das soziale Jahr eine Empfehlung mit auf den Weg: „Einfach mal ausprobieren.“

Zum 1. August diesen Jahres nimmt das Familien-Servicebüro dann wieder neue Bundesfreiwilligendienstler an. Wer Lust bekommen hat oder sich informieren möchte, kann dies bei Ute Grolms im Rathaus unter der Nummer 05037/970136 oder per E-Mail unter familienservice@stadt.rehburg-loccum.de tun. Bewerbungen können ab sofort abgegeben werden.

Quelle: kreiszeitung.de

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