Schlichten ist besser als richten

Maren von Frieling für weitere fünf Jahre als Schiedsfrau für Hoya bestätigt

Maren von Frieling bleibt für weitere fünf Jahre Schiedsfrau: Detlef Meyer und Bernd Bargemann (rechts) begrüßen, dass sie im Amt bleibt.
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Maren von Frieling bleibt für weitere fünf Jahre Schiedsfrau: Detlef Meyer und Bernd Bargemann (rechts) begrüßen, dass sie im Amt bleibt.

Samtgemeinde – Ein lautstark in der Mittagsstunde eingesetzter Rasenmäher; der dicht an der Grundstücksgrenze stehende Baum, der Jahr für Jahr sein Laub auf dem Grundstück des Nachbarn abwirft; eine das eigene Haus überkreisende Drohne; ein stets zur Unzeit krähender Hahn und zahlreiche weitere kleine Nicklichkeiten können zu unerfreulichen Streitereien unter Nachbarn führen. Aber auch Auseinandersetzungen mit Handwerkern, Beleidigungen oder Uneinigkeiten zwischen Mietern und Vermietern über ihre jeweiligen Rechte und Pflichten bergen ein ständiges Konfliktpotential. Selbst wenn es sich dabei in den meisten Fällen um Bagatellen handelt, nicht selten landen diese Fälle am Ende doch vor den Schranken der Gerichte, für die sie allerdings eine zusätzliche Belastung ihres Apparates darstellen. Damit es gar nicht erst soweit kommen muss, steht den Kommunen mit den von Ehrenamtlichen besetzten Schiedsämtern ein wirkungsvolles Instrument zur Verfügung, durch das sich bereits im Vorfeld viele Probleme beheben und Konflikte entschärfen lassen.

Maren von Frieling aus Hassel ist Schiedsfrau. Seit nunmehr zehn Jahren übt die gebürtige Hamburgerin, die hauptberuflich als Diplom-Verwaltungswirtin bei der AOK in Walsrode angestellt ist, diese anspruchsvolle Tätigkeit für den Bereich der Samtgemeinde Grafschaft Hoya aus – in den ersten fünf Jahren zunächst noch als Stellvertreterin von Roland-Peter Lubenow aus Bücken, von dem sie das Amt 2015 übernommen hat.

Am Donnerstag wurde sie im Rahmen einer Feierstunde im Rathaus für ihre Arbeit geehrt und gleichzeitig für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. An der Feierstunde nahmen auch Amtsgerichtsdirektor Bernd Bargemann aus Nienburg, Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer, Fachbereichsleiter Uwe Back, seine Stellvertreterin Jutta Dickau aus Bücken sowie die stellvertretende Vorsitzende der Bezirksvereinigung des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS), Wilfriede Wienbergen aus Bruchhausen-Vilsen, teil.

Bernd Bargemann, der den Bestätigungstext verlas und der Jubilarin eine vom Landgerichtspräsidenten ausgestellte Urkunde aushändigte, betonte in seiner Ansprache das besondere Engagement von Frau von Frieling, schloss in seine Dankesworten aber auch ausdrücklich deren Stellvertreterin mit ein.

Wie erfolgreich das von der Gemeinde, die unter anderem die erforderlichen Räumlichkeiten bereitstellt, nach Kräften unterstützte Duo arbeitet, machte er an einigen Zahlen fest. Wurden im Jahr 2010 noch zwölf Fälle betreut, waren es 2019 bereits 43. Dass davon rund 80 Prozent erfolgreich abgeschlossen werden konnten, spricht nach seinen Worten eine deutliche Sprache, liegt man mit dieser Quote doch rund zehn Prozent über dem Landesdurchschnitt. Uwe Back wies darauf hin, dass die gestiegene Zahl der Fälle auch einer zunehmenden öffentlichen Wahrnehmung des Schiedsamtes in der Gemeinde geschuldet sei. Wie ernst von Frieling ihre Tätigkeit nimmt, unterstreicht im Übrigen die Tatsache, dass sie seit 2016 auch den Vorsitz des größten niedersächsischen BDS-Bezirksverbandes in Verden übernommen hat.

Ohne allzu sehr aus dem Nähkästchen zu plaudern – das Schiedsamt unterliegt der Amtsverschwiegenheit und der Unparteilichkeit – stellte Frau von Frieling fest, dass im Prinzip jeder dieses ausüben könne. Sie selbst habe sich seinerzeit einfach auf die Ausschreibung der Samtgemeinde beworben. Juristische Vorkenntnisse – bei ihr nach einem Jurastudium bis zum ersten Staatsexamen zwar vorhanden – seien nicht zwingend erforderlich, aber auch nicht von Nachteil. Vielmehr sei es so, das die zunehmend weiblichen Schiedsleute durch regelmäßige Lehrgänge und Seminare geschult und so auf ihre Aufgaben vorbereitet würden. Wichtig sei, in den aufgrund der jeweiligen Vorgeschichte oft recht emotional und hitzig verlaufenden Verhandlungen zwischen Antragsteller und Antragsgegner ausgleichend und vermittelnd wirken zu können.

Häufig käme es darauf an, zunächst den eigentlichen Stein des Anstosses für den Konflikt herauszufinden, der nicht selten hinter dem angegebenen Streitgrund verborgen sei. Ziel der nach einer formalen Vorladung erfolgenden Verhandlung im Rathaus, bei der zu Beginn klare Verhaltensregeln festgelegt würden und zu der beide Parteien jeweils eine Person ihres Vertrauens mitbringen dürften, sei es stets, für die Kontrahenten gleichermaßen akzeptable und einvernehmliche Lösungen herbeizuführen. „Wir können schlichten, aber kein Recht sprechen. Auch Rechtsauskünfte dürfen wir nicht geben“, stellte die Schiedsfrau klar.

Die Fähigkeit zur Moderation, aber auch Hartnäckigkeit und eine gesunde Portion Resolutheit seien gute Voraussetzungen, um positive Ergebnisse zu erzielen. So habe sie einmal einem recht forschen jungen Anwalt, der einem der Antragsgegner Beistand leistete, sich bereits deutlich verspätet hatte und anschließend meinte, das Gesetz des Handelns selbst in die Hand nehmen zu müssen, angedroht, ihn des Raumes zu verweisen. Daraufhin habe dieser sich dann auch stark zurückgenommen und sogar noch konstruktive Lösungsvorschläge unterbreitet.

Im kommenden Jahr steht schon die nächste Amtsverlängerung an, dann für die Stellvertreterin Jutta Dickau. Beste Voraussetzungen also, dass auch in den nächsten Jahren in der Samtgemeinde viele Streitfälle „schiedlich und friedlich“ gelöst werden können.

Die Schiedsämter sind an jedem dritten Donnerstag eines Monats von 16 bis 18 Uhr wechselseitig geöffnet, in den ungraden Monaten im Rathaus Hoya, in den geraden im Rathaus Eystrup.

Ansprechpartner

Maren von Frieling, Breithaupt-Straße 12 in Hassel, Telefon 04254/8229.

Jutta Dickau, Hotzenstraße 32 in Bücken, Telefon 04251/3866, E-Mail: jutta.dickau@web.de.

Von Uwe Campe

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