Grundstein seiner Karriere legte er im Landkreis Nienburg

Von Niedersachsen nach Amerika: Schwentker erfolgreich im Land der Cowboys 

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Mathis Schwentker, der aus Kirchdorf stammende Champion der Berufsreiter 2017 , sammelt zurzeit internationale Erfahrung in Texas

Landkreis - Von Maren Hustedt. Mathis Schwentker, der „Champion der Berufsreiter 2017“, sammelt zurzeit internationale Erfahrung in Texas. Doch mit Lagerfeuerromantik und Westerngeschichten hat sein Aufenthalt auf der October Hill Farm wenig zu tun. Stattdessen steht für den 26-Jährigen der amerikanische Alltag eines Pferdewirtschaftsmeisters auf dem Programm.

Gerade erst hat sich Mathis Schwentker einen weiteren Grand Prix Titel gesichert. Mit NKH Caruso (Cash And Carry x Starlight) gewann er den 30 000 Dollar-SmartPak Grand Prix in Thermal.

Um die Freude für seinen Arbeitgeber Christian Heineking komplett zu machen, sicherte sich Schwentker mit dem Pferd mit NKH Carrido (Carrico x Escudo II) auch noch Rang sechs bei dem Turnier. Die Grundlagen für seine Erfolge hat der Profi-Reiter im Landkreis Nienburg gelernt. 

Gelernt hat Mathis Schwentker sein Handwerk im Landkreis Nienburg – jetzt ist er erfolgreich in Übersee. Unter anderem im Nendorfer Stall von Thomas Heineking absolvierte der gebürtige Kirchdorfer seine Ausbildung zum Pferdewirt. Sportliche Erfolge erreichte er als Mitglied Reit- und Fahrverein St. Georg Kreuzkrug-Raddestorf. Jetzt verfolgen Reitersportfreunde aus dem Landkreis Nienburg die Karriere des 26-Jährigen in Amerika.
Von seinen Erlebnissen in den USA berichtet der Profi-Reiter im Blickpunkt-Interview. Fragen stellte Maren Hustedt. 

Wie ist der Kontakt nach Amerika zustande gekommen? Was hat Sie „über den großen Teich“ geführt? Ein guter Freund war schon in dem Stall, in dem ich jetzt bin und hat es mir empfohlen. Hinzu kam, dass der Chef dort, Christian Heineking, sich den Oberschenkelhals gebrochen hatte und ich die Chance bekam, seine besten Pferde auf top Turnieren reiten zu dürfen.

Wie sind Sie zum Reiten gekommen? Hatten Sie als Kind schon ein eigenes Pferd? Ich reite seitdem ich klein bin und denken kann. Bin mit etwa drei Jahren angefangen. Meine Eltern haben früher beide auf M Niveau geritten, Mama mehr Dressur, Papa mehr Springen. Und wir haben einen kleinen Reitstall mit Schulbetrieb. Also bin ich direkt mit den Pferden groß geworden und hatte von Anfang an Spaß dabei. Ich hatte als kleiner Junge schon ein kleines Pony. Mit dem Alter sind die Ponys größer und später zu Pferden geworden.

Welchen Schulabschluss haben Sie und wie war Ihr beruflicher Werdegang? Ich habe die Schule mit dem erweiterten Realschulabschluss beendet. Danach habe ich eine Ausbildung zum Pferdewirt mit Auszeichnung bei Stefan Gerhardt und Thomas Heineking gemacht. Das war von 2009 bis 2013. Bis 2016 habe ich dann als Bereiter bei Paul Schockemöhle gearbeitet und meinen Pferdewirtschaftsmeister mit Auszeichnung bestanden. Von 2017 bis 2018 war ich Bereiter bei Sportpferde M&M Haunhorst in Hagen am Teutoburger Wald.

 Im Anschluss an seinen Auslandsaufenthalt will sich der Springreiter in der Region selbstständig machen. Schon jetzt ist er im Landkreis Nienburg unter anderem für seine Lehrgänge bekannt.

Erzählen Sie uns mehr von Ihrer Reiterkarriere?

2009 habe ich das Bundesnachwuchschampionat Pony-Springreiter gewonnen. Mit 18 Jahren zum ersten Mal am Nationenpreis im französischen Reims teilgenommen. Als Junior und Junger Reiter war ich bereits erfolgreich auf den deutschen Jugendmeisterschaften. Bei Thomas Heineking hatte ich meine ersten S Erfolge. 

Bei Schockemöhle konnte ich mir viele S-Siege sichern. Außerdem nahm ich erfolgreich an den Weltmeisterschaften der jungen Springpferde teil. Ich platzierte mich für erste Weltranglistenspringen und war erfolgreich bis hin zu CSI**** Turnieren.

Während meiner Zeit bei Sportpferde M&M Haunhorst erzielte ich erste Siege über S*** (1,50 Meter) und schaffte erste Platzierung in der Riders Tour (1,60 Meter). Ich erreichte die Goldmedaille im Championat der Berufsreiter 2017 und Bronzemedaille 2018 in Bad Oyenhausen-Sielpark. Hier bekam ich das goldene Reitabzeichen verliehen. Das bekommt man, indem man mindesten zehn Springen der schweren Klasse gewinnt und noch viele weitere Platzierung erreicht hat. Hinzu kamen noch Erfolge über S** und S***.

Was sind die Aufgaben eines Pferdewirtschaftsmeisters? Im Grunde muss man einen Betrieb selbstständig führen – inklusive aller Tätigkeiten: Management, Buchführung, Auszubildende unterweisen und ausbilden, Pferde reiten und ausbilden, Schüler unterrichten. Außerdem muss man Vorbildfunktion übernehmen und in verschiedenen Bereichen im Reitsport Ansprechpartner sein. Auch die allgemeine Organisation im Stall und beim Turnier gehört dazu.

Sind Sie allein nach Amerika gegangen? Ich bin mit meiner Freundin Janine zusammen rüber gekommen. Sie studiert Lehramt Sport und Englisch und muss ein Auslandssemester machen, in dem sie Englisch spricht. Das passt optimal. Unser gemeinsamer Hund Amy ist zuhause geblieben, wo sie sich aber sehr wohl fühlt.

Mathis Schwentker (Zweiter von links) ist nicht alleine in den USA. Mit ihm nach Amerika gegangen ist seine Freundin Janine. Mit Christian Heineking hat er einen Chef und Förderer gefunden, dessen Heimat ebenfalls Deutschland ist.

Ist Ihnen die Trennung schwergefallen? Natürlich vermisse ich Familie und Freunde. Doch da es ein absehbarer Zeitraum ist und ich mit meiner Freundin zusammen bin, ist es wirklich in Ordnung.

Haben Sie noch eigene Pferde und konnten Sie sie nach Amerika mitnehmen? Ich habe ein paar eigene Pferde, die allerdings in Deutschland geblieben sind, da der Transport sehr teuer ist und sie zuhause gut weitergeritten werden.

Sie haben einmal gesagt, dass Turniere zuhause gewonnen werden. Wie passt da der Wechsel nach Amerika? Natürlich werden Turniere zuhause gewonnen. Wenn dort die korrekte Arbeit stimmt, klappt es auf dem Turnier deutlich besser. Das bedeutet auch für Amerika, dass in dem Stall, in dem ich zurzeit „zuhause“ bin, die Vorbereitung stimmen müssen.

Wie sind Sie in Texas aufgenommen worden? Gab oder gibt es Vorbehalte wegen Ihrer Nationalität? Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Christian Heineking kommt selbst aus Deutschland. Er und die amerikanische Familie inklusive alle Mitglieder der Stallcrew sind sehr freundlich. Im Stall und außerhalb, egal ob in Restaurant oder Fußgängerzone sind alle sehr freundlich und offen. Es gibt sehr guten Service, tolle Restaurants und es ist immer egal, ob ich Deutscher oder Amerikaner bin.

Haben Sie neue Freunde gefunden oder ist der Konkurrenzdruck zu stark? Natürlich ist die Konkurrenz sehr groß, aber ich habe mich sehr schnell mit Leuten angefreundet – egal ob im Stall oder auf dem Turnier. Es ist eigentlich immer eine positive, freundliche Stimmung mit offenen Leuten.

Wie sind Sie auf dem Gestüt untergekommen? Ich habe zwei Minuten von der Farm entfernt eine schöne, große Wohnung, die man sich in der Regel mit ein bis zwei Leuten teilt.

„Die meisten sehen ihre Pferde als Partner.“  

Wie sieht Ihr Tagesablauf in Amerika aus? Gibt es nennenswerte Unterschiede zu Deutschland? Der Tagesablauf ist relativ ähnlich. Als Christian noch gar nicht reiten konnte, bin ich ziemlich viele Pferde geritten. Das ist eigentlich meine Hauptaufgabe. Dadurch, dass zur Farm viel Land, große Wiesen und Flächen gehören, können wir mit den Pferden oft raus. Wälle hoch und runter reiten und auf riesigen Wiesen mit den Pferden arbeiten. Nebenbei trainiere ich noch Schüler und muss Parcoure umbauen.

Gehört zu Ihrem Job auch das Putzen und Stallmisten? Kein Misten. Wenn ich Zeit habe, helfe ich natürlich auch mit im Stall und bei den Pferden. Aber ich bin fast nur auf dem Pferd.

Unterscheidet sich der „amerikanische“ Umgang mit den Pferden vom deutschen? Ich habe das Gefühl, dass die meisten ihre Pferde wirklich als Partner sehen, gerade in unserem Stall gehen alle sehr gut und pferdefreundlich mit den Tieren um. Auf Turnieren hab ich überwiegend das gleiche gesehen.

Reitet man in Amerika anders? Stichwort Cowboy: Haben Sie überhaupt schon so etwas wie Western-Romantik gespürt in Texas? Die Reiterei generell ist schon etwas anders als bei uns, das Reiten wird meistens sehr leicht, einfach und freundlich gehalten. Allerdings reiten viele nicht ordentlich Dressur, was sich später auf Turnieren auch etwas widerspiegelt. Es gibt hier tatsächlich noch einige, die man als Cowboy bezeichnen würde, mit Cowboy-Stiefeln inklusive Hut. Es gibt viele Westernturniere, Cowboy- und Rodeo-Shows.

Unterscheidet sich der Ablauf der Turniere in Amerika von dem in Deutschland? Der Ablauf der Reitturniere ist schon etwas anders. Es gibt eigentlich keine Tagesturniere, die direkt im Umkreis sind. Also wird immer eingestallt und wir bleiben einige Tage oder auch mal mehrere Wochen an einem Turnier. Es ist hier auch relativ üblich, dass man 10 bis 20 Stunden zu einem Turnier fährt. Selbst auf den besseren ländlichen Turnieren gibt es nur grobe Zeiteinteilungen ohne genaue Zeiten und Teilnehmer pro Prüfung. Man trägt sich abends vorher in die Listen ein, was man reiten möchte und am nächsten Morgen muss man sich seine Startnummer selbst aussuchen. Also, wer morgens zuerst kommt, malt zuerst und kann sich seine Position aussuchen. Wer zu spät kommt, muss gucken, welche Plätze noch frei sind.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Haben Sie privat schon etwas von Texas gesehen? An meinen freien Tagen haben wir schon einige schöne Sachen gesehen. Wir waren in tollen Städten wie Fort Worth und Dallas, mit tollen Parks und Restaurants. In Dallas war eine Art Riesenjahrmarkt „State Fair“ mit vielen Attraktionen, die wir besichtigt haben. Außerdem waren wir auch in Kalifornien und Las Vegas auf Turnieren, wo ich meine ersten „Longines World Cup Prüfungen“ reiten durfte und wo wir auch viele spannende Sachen gesehen haben.

Was haben Sie sich für das kommende Jahr vorgenommen? Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus? Ich war an Weihnachten und Silvester Zuhause in Kirchdorf. Das war mir schon wichtig, dann zuhause zu sein und Familie und Freunde zu besuchen. Ich habe in der Zeit zwei Springlehrgänge gegeben. Mittlerweile bin ich wieder in Texas. Anfang April ist das Turnier in Omaha, wo ich starten werde. Danach komme ich wieder nach Hause und werde mich zeitnah in meiner alten Heimat selbstständig machen. Da sind wir gerade nebenbei am planen. 

mhu

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