Prozess kurz vor dem Abschluss

Menschenhandel: Staatsanwältin beantragt viereinhalb Jahre Jugendstrafe

Die Angeklagten im Verdener Gerichtssaal.
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Die Angeklagten im Verdener Gerichtssaal.

Während der Mordprozess am 8. Februar am Verdener Landgericht starten soll, steht der aktuelle Prozess im Rahmen des Balge-Mordes kurz vor dem Abschluss.

Verden/Nienburg - von Wiebke Bruns. Eine Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Menschenhandels hat am Donnerstag die Staatsanwaltschaft am Landgericht Verden in dem Prozess gegen einen 21 Jahre alten Angeklagten aus Wiesmoor gefordert. Der gebürtige Nienburger soll die 19-jährige Andrea K., die wenige Tage später in der Weser bei Balge an einer Betonplatte gefesselt ertränkt worden ist, am 6. April 2020 an einen ihrer späteren Mörder verkauft haben. Nicht ahnend, dass dies ihren Tod bedeuten würde. Aber in dem Wissen, dass sich die psychisch schwer kranke Frau, für ihren „Käufer“ prostituieren sollte.

Während der Mordprozess gegen drei Angeklagte am 8. Februar am Verdener Landgericht starten soll, steht der aktuelle Prozess mit zwei Angeklagten kurz vor dem Abschluss. Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt beantragte, den 21-Jährigen zu viereinhalb Jahren Jugendstrafe zu verurteilen. Außerdem sei die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anzuordnen.

Der Beihilfe zum gewerbsmäßigen Menschenhandel habe sich der ebenfalls in diesem Prozess angeklagte 26 Jahre alte Rethemer schuldig gemacht. Er hatte seinen Kumpel zur Übergabe der 19-Jährigen nach Nienburg begleitet. Um das Geschäft abzusichern, an dem er nicht finanziell beteiligt war. Geht es nach der Staatsanwältin, soll er dafür nun aber eine 18-monatige Bewährungsstrafe kassieren. Beide Männer sind geständig.

Der Anklagevorwurf lautete auf Zwangsprostitution, aber nicht weil der 21-Jährige die aus Schöningen (Kreis Helmstedt) stammende 19-Jährige zu dieser Tätigkeit gezwungen habe, sondern weil er sie dabei ausgebeutet habe. Im Sommer 2019 soll sie sich eigenständig entschlossen haben, ihr Einkommen mittels Prostitution aufzubessern. Er sollte die Freier besorgen und für ihre Sicherheit sorgen. Dafür wollten sie die Einnahmen hälftig teilen. Zuletzt lebten sie mit einer weiteren Frau, der späteren Verlobten des Angeklagten in Wiesmoor. Von dem Geld blieb der 19-Jährigen nichts, räumte der 21-Jährige ein.

Bereits im Jahr 2018 war bei Andrea K. eine Psychose diagnostiziert worden, berichtete der psychiatrische Sachverständige Dr. Matthias Eibach. Er hat ein Gutachten zum psychischen Zustand von Andrea K. erstellt. Aus den Akten wisse er, dass der inzwischen verstorbene Vater auch eine schizophrene Erkrankung gehabt habe. Die Mutter sei drogenabhängig gewesen. Laut Zeugen sitzt sie in Polen im Gefängnis.

Andrea K. habe schon als Zwölfjährige Kontakt zu Drogen gehabt. Später zwei Kinder geboren, die in Pflegefamilien kamen. Aus den Akten ergebe sich eine hochschizophrene Erkrankung. Ab März 2020 soll sich der Zustand der 19-Jährigen zunehmend verschlechtert haben.

Wie schlecht es ihr in den Tagen vor ihrem Tod ging, zeigen Videos, die gestern vor dem Plädoyer gezeigt wurden. ‹

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