Wie der Kantor die Flötentöne lernte

Michael Merkel ist seit zwölf Jahren Loccums Stiftskantor

Michael Merkel sitzt an der Orgel, die er Sarah nennt.
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Michael Merkel an seinem Lieblingsplatz: auf der Bank an der Orgel, die er Sarah nennt.

Loccums Stiftskantor spricht über seine musikalischen Anfänge, seine Beziehung zu Loccum und zu Sarah - die Seiffert-Orgel in der Klosterkirche.

Loccum - von Beate Ney-Janßen. Sein Vorsatz: Keiner seiner Schüler soll froh sein, wenn er tot ist. Sein Rezept: Orgelunterricht nicht mit Strenge, sondern mit Freude an Fortschritten und an der Musik gestalten. Im „Jahr der Orgel“ haben wir Loccums Stiftskantor Michael Merkel zum Gespräch gebeten. Über seine musikalischen Anfänge, seine Beziehung zu Loccum und zu Sarah – so nennt er die Seiffert-Orgel in der Klosterkirche, die er aus der Taufe gehoben hat und die er seitdem nicht missen möchte.

Keine glockenreinen Flötentöne

„Warum quält ihr das Kind, wenn es das doch offensichtlich nicht kann?“ Freunde seiner Eltern, erzählt Michael Merkel, hätten mit diesem Satz versucht, ihn von der Last des Blockflöten-Spiels zu befreien. Was sie nicht realisierten: Auch wenn Klein-Michaels Flötentöne nicht glockenrein waren, hatte ihn die Liebe zur Musik doch gepackt. Gut, dass die Freunde der Eltern nicht auf Gehör stießen.

Eine schmerzhafte Begegnung

Die Blockflöte hatte wenig später ihren Anteil an Merkels erwachendem Interesse für Orgeln. Beim Üben in der Kirche seines Heimatstädtchens Lichtenberg – einer winzigen Gemeinde in Oberfranken – entdeckte er das Blockflöten-Register der Orgel. Er zog daran. Die Begegnung wurde schmerzhaft: Die Kantorin haute ihm auf die Finger. Für kindliche Neugierde hatte sie wenig Sinn. Freundlicher wurde diese Kantorin auch nicht, als sie ihm Klavier-Unterricht gab. Streng und mürrisch, so beschreibt er sie. Manchmal lief er heulend weg. Kaum verwunderlich, dass bei ihm keine Trauer aufkam, als sie starb. Stattdessen gewann er die Erkenntnis, dass er selbst niemals mit Schülern so umgehen wollte, wie sie es mit ihm getan hatte. Das beherzigt er bis heute.

Rund 3000 Pfeifen hat die Orgel.

Zum Orgelspiel kam er mit elf Jahren. Noch vor seiner Konfirmation begleitete er einen Gottesdienst auf der Königin der Instrumente. Um dahin zu kommen, habe er „fanatisch geübt“, sagt Merkel. So fanatisch, dass es auffiel, wenn er Urlaub machte. Still war es dann rund um die Kirche.

Kein anderes Instrument mit solcher Klangfülle

Was ihn an Orgeln so anzog? Dass es kein anderes Instrument mit einer solchen Klangfülle gibt. Und keines, mit dem sich solcher Lärm machen ließe, fügt er hinzu. Zumindest in Zeiten vor elektronischer Musik. Die Klangfülle bekommt er in Loccum mittlerweile auf 37 Registern mit über 3000 Pfeifen geboten. Auf der Orgel, die 2012 eingeweiht wurde und deren Entstehen er von den ersten Planungen begleitet hat. Mit diesen 37 Registern sei sie eine der kleinen unter den großen Orgeln, erklärt der Kantor. Er hat eine besondere Beziehung zu ihr. Sonst hätte er ihr wohl kaum in der Bauphase einen Namen gegeben. Für Orgel Sarah ist er der treueste Begleiter und seinen Kantoren-Beruf liebt er heiß und innig.

Merkel ist Musiker, Künstler, Komponist und Lehrer

„Einer der letzten Universal-Berufe“ nennt er das, wozu er sich entschieden hat. Musiker, Künstler, Komponist und Lehrer. All das ist er. Sonntags sitzt er auf der Orgelbank. Bei vielen anderen Gelegenheiten auch. In Loccum, wohin er 2009 kam, leitet er außerdem den Chor der Stiftskirche und den Posaunenchor. Den Gospelchor hat er gegründet, organisiert mit der „Musik zur Einkehr“ jährliche Konzertreihen, hat mit Kindern Musicals inszeniert. Letztlich ist das alles aber nur ein Teil seiner Aufgaben.

Wer den Kantor mit Hingabe und Leidenschaft auf der Orgel spielen hören möchte, sollte Gottesdienste in der Klosterkirche besuchen. Er ist ein zuverlässiger Bestandteil der Liturgie. In Corona-Zeiten, sagt er, eigentlich mehr als zuvor. Fehlender Gesang wird durch Instrumente kompensiert.

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