Kritische Fragen

Ministerpräsident in Nienburg: Schüler geben Note „Sehr gut“

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Besucher in den BBS Nienburg: Kultusminister Grant Hendrik Tonne und Ministerpräsident Stephan Weil haben sich etwas Zeit für die Fragen der Schüler genommen.

Nienburg - Von Johanna Müller. Ganz für sich hatten Nienburger Schüler am Donnerstag den Landesvater Stephan Weil (SPD).

Der niedersächsische Ministerpräsident hat sich gemeinsam mit seinem Parteifreund und Kultusminister Grant Hendrik Tonne rund eine Stunde Zeit genommen, um die Fragen der Nienburger Fachoberschüler an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Nienburg zu beantworten.

Mit der Note „Sehr gut“ hat ein Schüler die Gesprächsrunde abschließend bewertet. Schließlich sei der Ministerpräsident auch für Rückfragen offen gewesen und hat seine Redebeiträge mit ein paar Späßchen aufgelockert. Auch die Erwartungen von Amine Yassine wurden erfüllt. Die junge Frau engagiert sich selbst politisch im Jugendrat der Stadt Nienburg und hat daher gerne die Chance genutzt, die Landespolitiker näher kennenzulernen. „Ich fand ihre Beiträge interessant und finde Sie sympathisch“, sagte sie zu Stephan Weil.

Nienburger Schüler stellen Fragen

Der SPD-Politiker fühlte sich ebenfalls sichtlich wohl zwischen den Fachoberschülern. Gerne wäre er in Jeans gekommen, antwortete er auf die Frage, ob Politiker eine spezielle Kleiderordnung hätten. Denn Jeans trage er am liebsten. Da er jedoch zuvor auf einer Versammlung eines Aktienunternehmens war, hat er sich für einen Anzug entschieden. Die dortige Gesellschaft sei da nicht so tolerant wie die Schüler, stellte er fest. Offiziell gebe es zwar keine Kleiderordnung, aber gewisse Erwartungshaltungen gebe es dann doch zu erfüllen.

Aber auch sehr ernste Themen haben die gut vorbereiteten Schüler angesprochen. Etwa das Thema Brexit liegt ihnen am Herzen, schließlich könnte dieser auch Auswirkungen auf ihre Heimat haben. Inwiefern kann sich ein Brexit auf die Autoindustrie und Zulieferer in Niedersachsen auswirken? Was passiert mit den hier lebenden Menschen, die britische Staatsbürger sind? Welche Auswirkungen hat es, wenn die Briten sich an der Europawahl beteiligen – und dann austreten? 

Stephan Weil antwortete auf alle diese Fragen ehrlich, wenn auch vielleicht nicht befriedigend für die Schüler: „Ich kann es euch nicht sagen, bei vielen Dingen beim Brexit läuft es chaotisch.“ Daher hat er den Fragestellern weniger klare Antworten, sondern seine Hoffnungen und Einschätzungen mit auf den Weg gegeben. Er selbst hofft, dass nach einem möglichen Brexit zumindest eine Zollgemeinschaft zwischen Groß Britannien und Deutschland bleiben würde. Das wäre auch wichtig für die Automobilindustrie in beiden Ländern. Generell würde er sich jedoch wünschen, dass die Briten wieder zur Besinnung kommen und in der EU bleiben. „Dieser ganze Brexit ist eine ziemlich idiotische Idee“, findet Weil.

Passend zum Europatag am 9. Mai sowie der anstehenden Wahl hat Ministerpräsident Stephan Weil mit den Schülern viel über die EU gesprochen.

Außerdem beschäftigt die Jugendlichen das Thema Nationalismus. In der Diskussion zu dem Thema kam die Frage auf, was denn Schüler gegen diesen Trend tun könnten. Weil antwortete mit einer Gegenfrage: „Sprecht ihr untereinander über diese Themen?“ Damit hat er die Schüler etwas verunsichert. Teilweise ja, teilweise nein, aber wahrscheinlich zu wenig lautete die Einschätzung. „Was ich damit sagen möchte ist, Politik ist total wichtig“, erklärte der Ministerpräsident sein Vorgehen. Er hat den Schülern daher geraten, über aktuelle Themen zu sprechen.

Dass junge Leute damit bereits Erfolg haben, zeigte sich beim Themenschwerpunkt „Fridays for Future“. „Dass ihr Druck macht ist gut, der Druck ist auch angekommen“, versicherte der Landesvater. Das Schuleschwänzen könne er allerdings nicht begrüßen, auch wenn er als Schüler wohl selbst dabei gewesen wäre. Doch wären so große Demonstrationen an einem Wochenende organisiert worden, hätten sie sicher die gleiche Wirkung erzielt, ist sich der SPD-Politiker sicher.

Ein paar Versprechen konnten die Schüler den Regierenden auch noch entlocken: So sagte Kultusminister Tonne zu, weiter am Thema Lehrermangel dran zu bleiben. Erste Schritte seien gemacht, wie der bessere Zugang für Quereinsteiger oder eine langfristige Planung, doch „wir sind noch lange nicht da, wo wir hin möchten.“

Weil will mit Pflegekassen sprechen

Ministerpräsident Weil sagte zudem zu, mit den Pflegekassen zu sprechen. Der Pflegenotstand sei ein Thema, auf dass er immer wieder angesprochen werde – eben auch von den BBS-Schülern. Hier sei Niedersachsen ein Bundesland, in dem die Kassen weniger für Leistungen zahlen, als in anderen Ländern. „Das geht so nicht“, sagte Weil und hat versprochen, in diesem Jahr noch Ergebnisse zu präsentieren.

Mit diesen Zusagen zeigten sich die jungen Kreisnienburger zufrieden und sagten ihrerseits zu, an den Themen dranzubleiben.

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