Ein Leopard mit Reisefieber

Mit dem Oldtimer-Trecker von Wiedensahl nach Norderney

Reinhard Pucher mit seinem Treckergespann.
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Treckerfan Reinhard Pucher macht Station in Brokeloh.

Mit dem Fahrrad wäre er wohl schneller gewesen: Reinhard Pucher fuhr mit seinem Oldtimer-Trecker „Leopard“ von Wiedensahl nach Norderney und wieder zurück.

Brokeloh - von Johanna Ritter. Knapp zwei Wochen war der Wiedensahler Reinhard Pucher mit seinem Zweizylindertrecker „Leopard“, Marke Eicher unterwegs. Von Wiedensahl aus hatte er sich zu einer 500 Kilometer langen Tour bis auf die ostfriesische Insel Norderney aufgemacht. Mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 16 Stundenkilometern war er fünf bis sechs Stunden am Tag unterwegs und zog vielerorts lange Autokolonnen hinter sich her.

Doch sehr zu seinem Erstaunen, begleiteten ihn keine ärgerlichen Hupkonzerte, sondern winkende Autofahrer mit „Daumen hoch“. Was daran liegen mochte, dass Pucher nicht nur mit dem 65 Jahre alten Schlepper unterwegs war, sondern auch mit einem selbstgezimmerten Anhänger, der ein märchenhafter Hingucker ist.

Der Treckerreisende mit seinem Gespann auf der Weserfähre von Brake nach Sandtstedt im Landkreis Wesermarsch.

Seit Oktober vergangenen Jahres hat der gelernte Tischler an der Fertigstellung seiner fahrbaren Ein-Raum-Wohnung im Keller seines Hauses herumgewerkelt. Letztlich entstand ein gemütliches Zimmer auf Rädern, das keine Wünsche offen lässt. Einzige Schwierigkeit war, den fertig gezimmerten Anhänger wieder ans Tageslicht zu befördern. So hieß es für den talentierten Tischler, den Anhänger wieder zu zerlegen, das Treppengeländer abzuschneiden und alles später wieder komplett zusammenzusetzen. Als dieses vollbracht war, befanden sich auf wenigen Quadratmetern eine Bank, die zum Bett umzubauen ist, ein Klapptisch, eine Waschecke mit Spiegel und Campingtoilette, eine Kommode, ein winziger batteriebetriebener Kühlschrank, ein Ein-Platten-Gaskocher und weitere ausgefeilte Dinge, die eine Reise in solch einem Gefährt bereichern.

Über einen Stellplatz für die Nacht machte Pucher sich im Vorhinein kein Kopfzerbrechen. „Ich bleibe dort, wo es mir am besten gefällt“, erklärt der 72-Jährige. Auch machte der Treckerreisende sich keine Sorgen darum, ob sein Schlepper die Fahrt bewältigen konnte. Schließlich war er mit dem Oldie bereits vor einigen Jahren bis auf 3000 Meter Höhe auf den Großglockner getuckert. Da lag es nahe, dass dieser die Fahrt über das platte Ostfriesland mit Leichtigkeit bewältigen würde. Mit der Fähre ging es von Norddeich rüber nach Norderney. „So etwas sehen die Einweiser auf einer Fähre auch nicht so oft“, sagt Pucher schmunzelnd. Auf einem Campingplatz im Osten der Insel fand er einen Stellplatz und wurde von den dortigen Campern herzlich empfangen und bei seiner Abreise mit einem Spalier und vielen winkenden Händen verabschiedet.

Mit Mandoline und Beleuchtung ging es ab gen Norden.

Eine letzte Rast auf seiner Reiseroute legte er auf dem Bickbeernhof in Brokeloh ein. Bei einer Tasse Kaffee genoss er den letzten Teil seiner Tour-Etappe, bevor er sich anderentags gen Heimat im Schaumburgischen aufmachte.

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