Miteinander sprechen, Vorurteile abbauen 

Reformgemeinde des Islam startet Kampagne im Landkreis

Dr. Mohammad Dawood Majoka (links) und Noman Mehmood von der Ahmadiyya Muslim Jamaat hoffen auf viele Fragen und interessante Begegnungen mit den Menschen im Landkreis Nienburg. - Foto: Kreykenbohm

Nienburg - Von Julia Kreykenbohm. Die Menschen werden den Islam falsch interpretieren, in den Moscheen keine Rechtlehre mehr erfahren, der Koran wird nur eine Schrift sein und der Islam nur noch ein Name. Dieses düstere Bild malte Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, der die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) 1889 in Indien gründete, die sich selbst als Reformgemeinde des Islam versteht.

Und geht es nach deren Mitgliedern, hat sich diese Prophezeiung in der heutigen Zeit voll und ganz erfüllt. „Doch das ist nicht der Islam, wie wir ihn verstehen und leben“, erklärt Dr. Mohammad Dawood Majoka, Pressesprecher der AMJ. „Für uns bedeutet der Islam Frieden. Dass die meisten Menschen ihn mit Terror und Tod verbinden, ist ein großer Rückschritt.“

Das, und auch die Aufforderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Muslime sollten sich von den Extremisten in ihren Reihen deutlich distanzieren, haben Majoka und seine Glaubensbrüder zum Anlass genommen, im März 2016 eine deutschlandweite Info-Kampagne zum Islam zu starten. 65 Landkreise haben sie bereits besucht – und nun kommen sie nach Nienburg. Ihr Ziel: das friedliche Gesicht des Islam zeigen.

„Die Menschen haben Ängste und Sorgen und das ist zum Teil von einigen Muslimen selbst verschuldet. Die Rede ist von den Extremisten, denjenigen, die Frauen unterdrücken und meinen, der Staat habe ihnen nichts zu sagen“, so Majoka. Die AMJ votieren hingegen für eine klare Trennung von Religion und Staat und dass Muslime sich loyal zu dem Land verhalten, in dem sie leben. Sie sind unter anderem gegen jede Form von Gewalt und möchten, dass Muslime Stätten anderer Religionen, wie Kirchen oder Synagogen achten und schützen. Zudem machen sie sich für die absolute Gleichberechtigung von Mann und Frau stark. Diese Grundsätze könnten sie mit Schriften aus dem Koran belegen, erklärt Majoka und lächelt: „Wir haben vor Diskussionen keine Angst, wir können fundierte Argumente für unsere Ansichten liefern.“

Im Landkreis Nienburg hat die AMJ keine Mitglieder. Deswegen kommen diese aus ganz Niedersachsen, um die drei geplanten Aktionen der Kampagne veranstalten zu können. „Zunächst gehen wir immer samstags in die einzelnen Ortschaften und verteilen Flyer über unseren Glauben. Für viele Menschen könnte das der erste Kontakt mit einem Muslim sein. Am 29. April sind wir voraussichtlich mit einem Info-Stand in der Stadt Nienburg. Dort möchten wir mit den Menschen ins Gespräch kommen, ihre Fragen beantworten, Ängste und Vorurteile abbauen.“ Zum Schluss ist noch eine Diskussionsveranstaltung geplant, auf der die Gäste einen Vortrag hören und sich anschließend unterhalten können. Zeit und Ort werden noch bekannt gegeben.

Bisher sei die Resonanz auf die Kampagne sehr gut gewesen, sagt Majoka. Viele hätten es toll gefunden, dass nun auch mal friedliche Muslime in Erscheinung treten. „Natürlich gab es auch Gegenstimmen und Kritik. Zwei- oder dreimal wurden wir als Lügner beschimpft, aber ansonsten war es eine sehr fruchtbare Diskussion.“

Mit Anfeindungen haben die AMJ leben lernen müssen, denn sie sind eine verfolgte Gemeinde. Ihnen wird vorgeworfen, keine Muslime zu sein, sie dürfen nicht nach Mekka reisen und werden in vielen muslimisch geprägten Ländern verfolgt und ermordet. „Sie sagen, unsere Lehren seien entstellt und wir Agenten des Westens.“

Majoka stört sich nicht daran, denn „auch der Prophet wurde verfolgt“. Er erwartet keine Wunder und ein sofortiges Umdenken bei den Menschen. „Der Weg wird lang und mühsam sein, und wir werden die Aktion wohl mehrere Male machen, aber wir tun es, weil es jemand machen muss. Wir müssen uns selbst zu Wort melden.“ Durch die Medien sei das manchmal schwierig, sagt Majoka und nennt ein Beispiel. „Eine Frau aus unserer Gemeinde war in eine Talkshow geladen. Dort sollte auch der radikale Islam-Prediger Pierre Vogel auftreten. Der sagte, er würde nicht kommen, wenn die Frau käme. Daraufhin wurde sie ausgeladen und die Zuschauer hörten mal wieder nur die Stimme eines radikalen Islam. Zugunsten der Quote wurde ein bestimmtes Bild zementiert.“

Quelle: kreiszeitung.de

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