Nienburg wählt im Mai zum ersten Mal einen Jugendrat

Mitgestalten und eigene Ideen umsetzen

Leonie Stöver und Sebastian Meyer hoffen auf viele engagierte Jugendliche. - Foto: Kreykenbohm

Nienburg - Eine Bahn, wo junge Skater ungestört ihrem Hobby nachgehen können. Wäre das etwas für Nienburg? Oder vielleicht mal ein neuer Treffpunkt für Jugendliche? Oder ein Musik-Festival? Aber wer kann solche Projekte anschieben und dafür sorgen, dass sie auch umgesetzt werden? Für alle Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 21 Jahren aus Nienburg, die sich solche Fragen stellen, lautet die Antwort: Du kannst es selber in die Hand nehmen – und zwar, wenn du dich für den Jugendrat aufstellen lässt, der in diesem Jahr als neues Gremium der Stadt an den Start geht.

Gesucht werden dafür junge Menschen, die das Leben in Nienburg mitgestalten möchten, engagiert sind und Ideen haben. Und dafür muss niemand einen Leistungskurs in Politik besuchen. „Jeder kann dabei sein, der etwas verändern und bewegen möchte“, sagt Sebastian Meyer vom Fachbereich Bildung, Soziales und Sport, der das Projekt Jugendrat gemeinsam mit Leonie Stöver betreut. Und das schon eine ganze Weile, denn bereits im Oktober 2015 gründete sich das Arbeitsforum „Jugend und Politik“, in dem Vertreter der Verwaltung und der Fraktionen mit Jugendlichen zusammensitzen, Ideen sammeln, diskutieren und so den Boden für den Rat bereiten, damit alles Hand und Fuß hat. „Wir wollen etwas Nachhaltiges etablieren“, betont Meyer.

Bis der Rat gewählt wird, bleibt das Forum offen, an dem sich jeder – auch Nicht-Nienburger – beteiligen kann. Eine Satzung für den Rat ist bereits erstellt, nun soll die Wahlordnung unterzeichnet werden. „Es ist uns wichtig, dass die Jugendlichen auch an dem Entstehungsprozess dieses Gremiums beteiligt sind und alles transparent abläuft, damit sie sehen, was alles dazugehört.“

Und die vielfach diagnostizierte Politikverdrossenheit der Jugendlichen? Meyer schüttelt den Kopf: Man müsse Anreize schaffen und nicht gleich aufgeben, wenn die jungen Leute mal wenig motiviert sind. Allerdings sei es auch wichtig, viel Aufklärungsarbeit zu leisten und ihnen die Scheu zu nehmen, weil viele denken, dass sie sich nicht gut genug auskennen, um ein politisches Amt zu übernehmen. „Es geht darum, sich für Belange einzusetzen, zu sagen, wenn etwas stört oder fehlt oder selber Veranstaltungen zu organiseren“, beschreibt Stöver. Der Jugendrat sei also alles andere als ein schmückendes Beiwerk, mit der die Stadt ihr Image polieren möchte.

Er soll aus neun Jugendlichen bestehen. Diese wählen einen Vorsitzenden, der zu den Treffen des Rates einlädt. Wie oft der Rat zusammenkommt, bleibt den Mitgliedern überlassen. „Doch einmal im Monat wäre wünschenswert.“ Die Treffen können unter anderem im Rat- oder Jugendhaus statfinden. Zudem steht den Jugendlichen ein Budget zur Verfügung. „Wir würden es gut finden, wenn der Rat sich darauf verständigt, dass ein Mitglied jeweils in einem Ausschuss der Stadt vertreten ist“, sagt Meyer. Dort hätten sie Rede- aber kein Stimmrecht.

Auffallend ist die behutsame Formulierung, die Meyer und Stöver wählen. Die ist bewusst. „Wir stülpen den Jugendlichen kein starres Programm über, an das sie sich zu halten haben. Wir geben den Rahmen vor und setzen Impulse, aber gestalten und mit Leben füllen sollen die Jugendlichen das Projekt selbst.“ Doch alleingelassen werden sie nicht. „Ein beratendes Mitglied aus der Verwaltung, das sie bestimmen können und das bei ihnen Rede- aber kein Stimmrecht hat, soll an ihren Sitzungen teilnehmen.“ Haben die Jugendlichen einen Beschluss gefasst, der umgesetzt werden soll, kann dieses Mitglied den Vorschlag in einem der Ausschüsse oder in einer Ratsitzung einbringen. Außerdem können sie sich ein Fraktionsmitglied als Mentor wählen. „So viel helfen wie nötig, so viel Freiraum lassen wie möglich“ lautet das Motto. Die Jugendlichen sollen spüren, dass ihre Themen und Belange ernst genommen werden.

„Die Nienburger Politik freut sich sehr auf die Anregungen und Ideen, aber auch die Kritik ihrer künftigen jungen Kollegen“, weiß Meyer. Die erste Amtsperiode dauert vom 15. Mai dieses Jahres bis zum 30. September 2019. Bereits vor den Sommerferien soll die konstituierende Sitzung sein. Noch werden offiziell keine Kandidaten gesucht, aber wer Interesse hat, kann schon jetzt auf der Internetseite des Jugendrates ein Anmeldeformular ausfüllen. Dort sind auch viele Infos zum Jugendrat zu finden.

Die Anmeldungen werden bis zwei Wochen vor der Wahl entgegengenommen. Anfang Mai können die Jugendlichen der Stadt im Alter von zwölf bis 21 Jahren an die Urnen gehen. Meyer und Ludwig machen sie darauf aufmerksam, sobald es in die „heiße Phase“ geht: Sie ziehen durch die Schulen und rühren die Werbetrommel. Zum Wählen haben die Jugendlichen übrigens eine Woche und nicht nur einen Tag Zeit. Als Wahllokale fungieren drei Nienburger Schulen und die Jugendhäuser Nienburg und Langendamm. „Wir hoffen auf eine rege Beteiligung, sowohl bei den Bewebern als auch bei den Wählern“, sagt Meyer. Der Rat sei die Chance, Nienburg im Sinne der Jugend zu gestalten und zu verändern.

www.jugendrat.nienburg.de

Von Julia Kreykenbohm

Quelle: kreiszeitung.de

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