Vater und Schwester des Opfers wollen eine Verurteilung des Täters wegen Mordes

Klosterwald-Prozess neu gestartet 

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Vor zwei Jahren wurde der Angeklagte wegen Totschlags zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt und die Sicherungsverwahrung angeordnet

Verden. Am Montag ist der Prozess um den Mord im Loccumer Klosterwald am Landgericht Verden neu gestartet.

Vor zwei Jahren wurde der Angeklagte wegen Totschlags zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt und die Sicherungsverwahrung angeordnet. Doch das war Vater und Schwester der im September 2015 getöteten Judith Thijsen nicht genug. Erfolgreich zogen sie vor den Bundesgerichtshof und erreichten, dass das Verfahren neu aufgerollt wird. Sie wollen eine Verurteilung des 51-Jährigen wegen Mordes.

„Damit er länger sitzt und keine Chance auf Freiheit hat“, sagte am Montag in einer Verhandlungspause Barend-Johannes Thijsen. Er hatte sich im September 2015 selbst auf die Suche nach seiner vermissten Tochter begeben und ihren Leichnam versteckt unter Farnblättern und Ästen abseits des Pilgerweges im Klosterwald entdeckt.

In Saal 104 traf er am Montag erneut auf den Mann, der zur Überzeugung der Staatsanwaltschaft die Tat zur Befriedigung seines Geschlechtstriebes oder einem sonstigen niedrigen Beweggrund begangen haben soll. Weitere Nebenkläger sind die Schwester der Getöteten und ihre Mutter, die sich mit zwei Antistressbällen offenbar selbst zu beruhigen versuchte.

Sie hörten die Anklage mit all den grausamen Details. Dass offen sei, ob die 23-Jährige gezwungen wurde sich zu entkleiden oder ob Angeklagte dies tat. Der Angeklagte, ein sechsfacher Vater, habe sie zu Boden gebracht und fixiert. Spuren stumpfer Gewalt wurden später festgestellt. Er habe sie gewürgt, um „sich sexuell an ihrer Atemnot zu stimulieren“, verlas Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt.

Ein psychiatrischer Sachverständiger war in einem Prozess am Landgericht Aurich zu dem Ergebnis gekommen, dass der gebürtige Lingener ein „Psychopath mit sexuellem Sadismus“ sei, „der sich auf das Würgen bis zur Bewusstlosigkeit spezialisiert“ habe. Der heute 51-Jährige wurde im Januar 2012 wegen Vergewaltigung zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Zudem hatten die Richter die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung angeordnet und die vorherige Unterbringung im Maßregelvollzug.

In Bad Rehburg sollte der 51-Jährige ab Januar 2013 vom Alkohol loskommen. Teil der Therapie sind schrittweise Lockerungen. Diese wurden ihm trotz angeordneter Sicherungsverwahrung gewährt. „Nach eingehender Prüfung sowohl innerhalb der Maßregelvollzugseinrichtung als auch durch ein externes, dreiköpfiges Prognoseteam“, erklärte später das niedersächsische Sozialministerium.

Die Staatsanwaltschaft Verden hält den Angeklagten dagegen noch immer für so gefährlich, dass in dem aktuellen Prozess erneut die Frage der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung zu klären ist. Deshalb wird der psychiatrische Sachverständige Prof. Dr. Norbert Leygraf den Prozess begleiten und am Ende ein Gutachten erstatten.

Zu den Vorwürfen äußern, wollte sich der Angeklagte gestern nicht. „Unser Mandant wird keine Einlassung abgeben“, erklärte Verteidiger Mathias Huse, der den 51-Jährigen gemeinsam mit Verteidiger Torben Werk vertritt. Es wird somit wieder ein Indizienprozess für den die 3. Große Strafkammer 18 Verhandlungstage bis zum 2. Oktober 2018 eingeplant hat.

wb

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