Mordprozess

Balger Weserleiche: Freundin erzählt, sie wollte „ein normales Leben führen“

Als „einerseits lebensfroh, andererseits traurig“, beschrieb am Dienstag am Landgericht Verden die Betreuerin die 19-Jährige, deren Leichnam Ende April 2020 an eine Betonplatte gefesselt von Binnenschiffern in Höhe Balge im Weser-Schleusenkanal entdeckt worden war.

Verden/Balge – „Sie wollte eigentlich ein normales Leben führen. Zusammen mit ihren Kindern“, so die Zeugin. Doch die drei Angeklagten aus Nienburg, zwei 40 und 53 Jahre alte Männer und eine 40 Jahre alte Frau, sollen die 19-Jährige in der Weser ertränkt haben.

Freundin des Mordopfers: Psychische Auffälligkeiten seit sie Drogen nahm

Einer Betreuerin aus Magdeburg soll das spätere Opfer von einer Kindheit ab dem siebten Lebensjahr in verschiedenen Heimen erzählt haben. Die Mutter sitze in Polen im Knast. Der Vater sei Ende November 2018 an Leukämie verstorben. Sechs Geschwister gebe es und zwei eigene Kinder, die jedoch nicht bei der 19-Jährigen in Schöningen (Kreis Helmstedt) lebten.

Mit ihrer Drogensucht war die junge Frau laut ihrer Betreuerin offen umgegangen. Einer ehemaligen Freundin zufolge kam mit den Drogen der Absturz. 2013 hätten sie sich kennengelernt: „Wir hatten viel Freude am Leben, waren glücklich und konnten viel lachen“, erinnerte sich die 18-Jährige. Öfter hätten sie „mal was getrunken“. 2015 habe der Drogenkonsum begonnen. Die 19-Jährige sei auf die Mittel fixiert gewesen. Ziemlich früh hätten sich Wesensveränderungen gezeigt. Die Freundschaft sei schließlich zerbrochen: „Ich konnte das nicht mit ansehen.“ Damals schon soll die später Getötete psychisch auffällig gewesen sein.

Opfer hat „ihr Ding gemacht“ und wurde alleingelassen

Befragt zur Finanzierung ihrer Drogensucht, sagte die Zeugin: „Sie hat ihr Ding gemacht.“ Als Prostituierte ihr Geld zu verdienen, habe die spätere Getötete selbst in Erwägung gezogen. „Sie hat damals mit uns darüber geredet. Sie könne viel Geld verdienen, indem sie sich verkauft. Zweieinhalb Jahre später ist es wahr geworden“, so die Zeugin. „Wir haben es nicht ernst genommen. Das war unser Fehler. Definitiv.“

2017/2018 sei der heute 21-Jährige nach Schöningen gekommen, der als Freier die 19-Jährige ausgebeutet haben soll. Im März 2020 sei der Kontakt abgebrochen, nachdem die 19-Jährige ihr ein Foto von „nuttigen Schuhen“ geschickt habe, berichtete die Freundin. Im Gerichtssaal spielte sie eine Audio-Nachricht zu dem Foto ab. Die letzte Nachricht, die ihr die 19-Jährige geschickt habe: „Ich geh viel tanzen. Viele Clubs. Ich habe schöne Kleider und brauch auch schöne Schuhe“, sagt die 19-Jährige und lacht. Drei Wochen später sollen ihre Mörder sie gefesselt an eine Betonplatte über ein Brückengeländer geworfen haben.

Unter Betreuung stand die psychisch kranke Schöningerin seit September 2019. Der Berufsbetreuerin gegenüber soll sie am 24. März 2020 den Wunsch geäußert haben, dass sie wieder in eine Klinik möchte. Dann habe ein Mann, mutmaßlich der 21-Jährige, das Gespräch übernommen und gesagt, dass er sich kümmern werde. Doch weil er als Freier die 19-Jährige nicht mehr gebrauchen konnte, soll er sie an einen der späteren Mörder verkauft haben. Laut Anklage wurde die junge Frau drei Nächte später ermordet.  

Rubriklistenbild: © dpa

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