Aussage im Mordprozess von Judith Thijsen

Chefarzt gibt an, sich nicht zu erinnern

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Verden/ Bad Rehburg - von Wiebke Bruns. Die Diskussionen um die Frage, ob der mittlerweile freigestellte Chefarzt des Maßregelvollzugszentrums (MRVZ) in Bad Rehburg vor dem Landgericht Verden ein Aussageverweigerungsrecht hat oder nicht, dauerten am vergangenen Mittwoch länger, als seine gesamte Aussage.

Nachdem ihm ein Ordnungsgeld in Höhe von 1 000 Euro auferlegt worden war, erklärte der mit einer Anwältin erschiene Zeuge sich zur Aussage in dem Mordprozess bereit. Zahlen muss er die 1 000 Euro deshalb nun doch nicht.

Seine Anwältin argumentierte damit, dass der Diplompsychologe gegen seine ärztliche Schweigepflicht verstoße, wenn er aus Gesprächen mit dem Angeklagten Jörg N. berichtet. Der einschlägig vorbestrafte Sexualstraftäter war aufgrund eines Urteils des Landgerichts Aurich im MRVZ untergebracht. Während eines unbegleiteten Freigangs im September 2015 soll er die 23-jährige Judith Thijsen im Loccumer Klosterforst ermordet haben.

Bei der Polizei hatte der Zeuge noch Angaben gemacht. Dafür war ihm im April 2016 eine Aussagegenehmigung vom MRVZ erteilt worden. Inwieweit die jüngsten Entwicklungen und Negativschlagzeilen um eine Hausdurchsuchung und zurückgehaltene Unterlagen das neue Aussageverhalten beeinflusst haben, blieb offen.

Der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk ließ sich von der Ersten Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt nochmals bestätigen, dass gegen den Zeugen kein Ermittlungsverfahren geführt wird. Statt um 9 Uhr konnte um 11 Uhr endlich mit der Befragung begonnen werden. Um zirka 12.15 Uhr war diese beendet.

Der Zeuge schien seine Antworten zumeist immer erst genau zu überdenken. Vielfach gab er an, sich nicht erinnern zu können. Anzumerken ist dabei, dass er zum Tatzeitpunkt noch nicht Chefarzt der Klinik, dort allerdings tätig war. Er habe aber nie mit dem Angeklagten über dessen Taten gesprochen, sagte der Zeuge auf Nachfrage.

Gegen Jörg N. war vom Landgericht Aurich neben der Unterbringung in der Entziehungsanstalt auch die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet worden. Dazu hatte die in dem Auricher Prozess getroffene Feststellung des sexuellen Sadismus geführt. Doch im Maßregelvollzug, wo der Angeklagte wegen seiner Alkoholabhängigkeit behandelt werden sollte, wurde die vom Gericht festgestellte Gefährlichkeit des Angeklagten neu bewertet. Welche diagnostischen Verfahren zu der neuen Beurteilung geführt haben, konnte der Zeuge nicht beantworten. Diese Beurteilung habe ein anderer Psychologe des MRVZ vorgenommen.

Die Verteidiger von Jörg N. stellten am Ende des gestrigen Verhandlungstages einen mehrseitigen Beweisantrag und wollen als weitere Zeugen unter anderem die Mitglieder der Prognosekommission hören, die den Lockerungen trotz angeordneter Sicherungsverwahrung zugestimmt hatten. Eine Entscheidung über den Antrag steht noch aus.

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