Indizien weisen auf Jörg N.

Mordprozess: Gericht hält Angeklagten für schuldig

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Bis das Urteil im Klostermordprozess fällt, dauert es noch, doch das Gericht hat nach jetzigem Stand keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten.  

Verden/Bad Rehburg - Von Wiebke Bruns. „Die Kammer geht nach dem bisherigen Stand der Beweisaufnahme davon aus, dass der Tod der Judith Thijsen durch den Angeklagten verursacht worden ist“, so deutlich hat sich die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Verden am 24. Verhandlungstag positioniert. Zwar steht der Prozess gegen Jörg N. noch nicht unmittelbar vor dem Abschluss, aber im Rahmen eines Beschlusses zu einem abgelehnten Beweisantrag tat das Gericht kund, wie es die Indizien bislang wertet.

Die Verteidiger hatten weiteren Beweis zu der Frage erheben wollen, was eine Nachbarin des Mordopfers von ihrer „Hundeterrasse“ sehen konnte. Die Frau hatte ausgesagt, dass Judith Thijsen am 12. September 2015 an ihrem Haus vorbeigefahren sei und ein Mann auf dem Beifahrersitz gesessen habe. Diesen hatte die Zeugin jedoch nicht genau erkennen können. Doch für das Gericht ist es nicht entscheidend, ob es der Angeklagte oder ein anderer Mann war.

Der 49 Jahre alte Angeklagte soll die 23-Jährige am Nachmittag des selben Tages im Loccumer Klosterwald ermordet und den Leichnam unter Ästen versteckt haben. Der vermutete Tatort und der Fundort der Leiche liegen nah beieinander. Neben der Brille des Opfers wurde ein Stück Kaugummipapier mit DNA-Spuren des Angeklagten gefunden. „Es ist 14,5 Quadrillionen Mal wahrscheinlicher, dass die DNA von dem Angeklagten stammt als von einer anderen Person“, so der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk.

DNA-Material unter Fingernägeln

„Ein weiteres wichtiges Indiz sind die Kratzer im Gesicht des Angeklagten“, sagte Stronczyk. Unter den Fingernägeln der Getöteten sei DNA-Material gefunden worden, dass mit dem Angeklagten und dem Opfer übereinstimme. Nicht so eindeutig wie auf dem Kaugummipapier, „aber unter 1 000 Personen würde sich keine andere Person finden, zu der es so gut passen würde“, so Stronczyk. Zugleich seien keine Beweismittel gefunden worden, die Hinweise auf einen anderen möglichen Täter geben würden.

Bei einer Zeugin, die Judith Thijsen in Begleitung eines Mannes, jedoch nicht des Angeklagten, am Nachmittag des 12. September 2015 im Klosterwald gesehen haben will, geht das Gericht von einer Verwechslung aus. Die Zeugin habe sich erst nach der Veröffentlichung eines zweiten Fotos von Judith Thijsen gemeldet, auf dem die 23-Jährige eine Brille trägt. Das Gericht glaubt, dass die Zeugin vielmehr die Brille wiedererkannt hat, aber nicht Thijsen.

Der Angeklagte hörte aufmerksam zu, zeigte aber auch bei diesen für ihn fatalen Ausführungen des Vorsitzenden keinerlei Regung. Ihm droht nicht nur eine lebenslange Freiheitsstrafe, sondern ein weiteres Mal die Anordnung der Sicherungsverwahrung.

Die bestand bereits während seiner Unterbringung im Maßregelvollzugszentrum (MRVZ) in Bad Rehburg. Während eines unbegleiteten Freigangs soll er den Mord verübt haben. Thematisiert wurde im Rahmen der Befragung von zwei Mitgliedern des Prognose-Teams, die an der Entscheidung über Lockerungsmaßnahmen mitgewirkt hatten, dass gegen diese ebenfalls Verfahren eingeleitet werden könnten. Genauso wie gegen Mitarbeiter des MRVZ. Der Vorwurf könnte lauten: fahrlässige Tötung. Derzeit gibt es aber noch keine Ermittlungsverfahren.

Zum Thema: 

Prozess in Verden: Sexueller Sadismus nicht nachgewiesen

Quelle: kreiszeitung.de

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