Interview mit „JUST“: Die Hoyaer Schülerband steht im Halbfinale des bundesweiten „School Jam“-Wettbewerbs

„Musik beeinflusst uns schon unser ganzes Leben lang“

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„JUST“, das sind (von links): Hendrik Schumacher aus Hoya (18 Jahre, Gesang, E-Gitarre) sowie die Eystruper Sebastian Mayer (17 Jahre, E-Gitarre), Julian Marz (16 Jahre, Schlagzeug) und Jannis Klettke (17 Jahre, E-Bass). Sebastian lernt an der Sozialpädagogik-Schule in Nienburg, Hendrik macht gerade Abi am Johann-Beckmann-Gymnasium in Hoya, Julian und Jannis gehen dort ebenfalls zur Schule, sind aber noch nicht im Abschlussjahrgang. ·

Hoya - Die junge, vierköpfige Band „JUST“ vom Johann-Beckmann-Gymnasium Hoya hat es ins Halb finale des deutschlandweiten „School Jam“-Wettbewerbs geschafft (wir berichteten). Per Internetabstimmung können die Fans nun ihre Favoriten unterstützen, indem sie ihnen ab sofort ihre Stimme geben und sie damit bestenfalls ins Finale am 15. März auf der Musikmesse in Frankfurt wählen.

Das School-Jam-Onlinevoting ist auf vier Portalen möglich: MusikMachen.de, Radio bigFM, Spiegel Online und viva.tv. Die Direktlinks darauf finden sich am leichtesten auf www.schooljam.de.

Im Interview mit unserer Mitarbeiterin Alexandra Hübscher sprechen die vier Schülerband-Mitglieder aus Eystrup und Hoya über ihre Stimmung vor der Entscheidung, ihre Vorbereitung, Zukunftspläne, Lampenfieber und darüber, wie sie überhaupt zur Musik kamen.

Ihr habt es ins Halbfinale  des „School Jams“  geschafft, das ist eine  wirkliche Spitzenleistung, oder was sagt ihr dazu?

Julian:Wir sind wirklich stolz und zufrieden. Wir hätten da ehrlich gesagt gar nicht mit gerechnet. Es ist einfach total krass, überhaupt so weit gekommen zu sein.

Wie bereitet ihr euch auf die Endrunde vor?  Bekommt Hendrik beispielsweise ein besonderes  Vocalcoaching?

Hendrik: Ich bekomme einmal die Woche Gesangsunterricht. Irgendwann kennt man aber auch einfach seine Grenzen. Wenn man eine Stunde lang mit der Band spielt, dann klingt die Stimme am Ende natürlich nicht mehr so wie am Anfang. Die Übung kommt mit der Erfahrung. Je länger man singt, desto trainierter ist die Stimme, und desto länger hält man dann durch. Wenn man schnell heiser wird, macht man definitiv irgendetwas falsch. Ein spezielles Coaching bekomme ich aber nicht.

Jannis:So richtig viel proben wir wieder, wenn wir Bescheid bekommen, dass wir es in die letzte Runde geschafft haben.

Was macht ihr,wenn ihr gewinnt?

Hendrik: Soweit denken wir noch gar nicht. Wir konzentrieren uns mehr auf das Hier und Jetzt. Wenn wir gewinnen würden, wäre das natürlich toll, aber momentan konzentrieren wir uns erst einmal aufs Halbfinale.

Und was macht ihr,wenn ihr nicht gewinnt?

Jannis: Wir werden auf jeden Fall weiter Musik machen und unser Bestes geben. Wenn wir nicht weiterkommen, wären wir da auch nicht böse drum. Aber falls schon, ist der Titel „beste Nachwuchsband Deutschlands“ in jedem Fall etwas, auf dem man karrieremäßig aufbauen kann. Und das werden wir dann auch tun.

Wie geht ihrauf Stimmenfang?

Julian: Durch Plakate beispielsweise, die hängen hier in allen Schulen aus.

Jannis: Das Internet ist natürlich auch ein wichtiger Werbeträger. Über unsere Bandseite bei Facebook [http://www.facebook.com/JUSTofficial] und unsere eigenen Profile rufen wir unsere Fans auf, für uns zu voten. Dort haben wir auch die Links zu den Websites gepostet, auf denen man für uns abstimmen kann.

Wieso singt ihr auf Deutsch?

Hendrik: Die Sprache ist näher an uns dran. Wir können die Botschaften der Texte besser vermitteln, wenn wir sie direkt in Deutsch schreiben, als wenn wir sie umständlich ins Englische übersetzen müssten und dann auch noch mit Wörtern, die vielleicht nicht exakt dasselbe bedeuteten wie im Deutschen.

Julian: Wenn man vor einem deutschen Publikum spielt, dann hört das Publikum auch zu, wenn es hört, dass die Texte Deutsch sind. Bei englischen Texten schalten viele ab, die gehen dann in der Musik ein bisschen unter.

Wie kommt ihr auf die Ideen für eure Songtexte, und wer schreibt sie?

Jannis:Hauptsächlich schreibt Basti die Songtexte. Aber zum Schluss besprechen wir sie gemeinsam.

Hendrik:Auch wenn einer der anderen eine Idee hat, schreibt er sie auf. Um einen Songtext zu schreiben, braucht man Ruhe. Meistens sitzt man dann zu Hause. Gemeinsam können wir den gar nicht schreiben, dann stören wir uns nur gegenseitig bei der Konzentration.

Was sind die zentralen  Themen eurer Songtexte? Beruhen sie auf  persönlichen Erfahrungen?

Sebastian:In unseren Texten geht es um die zentralen Probleme, die unsere Generation belasten. Beispielsweise um den enormen Leistungsdruck, dem viele ausgesetzt sind, oder den Magerwahn, dem viele junge Mädels verfallen sind.

Hendrik:Aber unsere Songs sind nicht nur schwarzmalerisch. Wir zeigen auch die schönen Seiten des Lebens.

Sebastian:Durch unsere Songtexte malen wir sozusagen ein Bild davon, wie schön das Leben sein kann. Ein schönes Leben ist dabei meiner Meinung nach ein selbstbestimmtes Leben, in dem man sein Leben eigenständig gestalten und genießen kann.

Wie seid ihr zur Musik  gekommen?

Hendrik: Hauptsächlich dadurch, dass wir viel Musik hören. Musik beeinflusst uns schon unser ganzes Leben lang. Ich hab‘ schon als ganz kleines Kind alle Songtexte mitgesungen, obwohl ich noch gar kein Englisch konnte. Ich hatte früher auch so ein kleines Plastikmikrofon, in das ich wie ein Bekloppter gesungen habe. Seit acht Jahren spiele ich Gitarre. Also, ich mache eigentlich schon Musik, seit ich denken kann.

Julian: Ich habe als kleines Kind immer viel auf Kochtöpfen oder Hockern herumgetrommelt. Seit zehn Jahren spiele ich schon Schlagzeug. In der sechsten Klasse hat Herr Füller [Musiklehrer am Johann-Beckmann-Gymnasium Hoya, d. Red.] Sebastian und mir dann mal zugehört, als wir Musik gemacht haben, und uns vorgeschlagen, eine Schulband zu gründen. Dann kamen die anderen beiden dazu, und seitdem entwickelt sich die Band immer weiter.

Jannis:Mein Vater hat immer schon Musik gemacht, und meine Eltern wollten immer schon gerne, dass ich ein Musikinstrument spiele. In der sechsten Klasse habe ich dann mal kurzzeitig Keyboard gespielt, ehe ich auf E-Bass umgestiegen und in die Band gekommen bin.

Sebastian:Bei mir ging das Musikmachen auch schon im Kindergarten los. Ich hab‘ mich immer mit einer Schaufel hingestellt und so getan, als würde ich Gitarre spielen. Ein Bekannter meiner Mutter spielt in Metalbands E-Bass und Gitarre, und das hat mich irgendwie schon immer fasziniert. Seit der dritten Klasse nehme ich Gitarrenunterricht.

Habt ihr außer der Musik noch andere Hobbys?

Hendrik: Ich habe momentan außerhalb der Schule kaum noch Zeit für irgendetwas anderes als die Band und meinen Nebenjob. Das Abitur ist mein primäres Ziel, und die wenige Zeit, die ich neben dem Lernen noch habe, stecke ich in meinen Job oder die Band.

Jannis:Ich spiele zusammen mit Julian und Sebastian noch Handball im TSV Eystrup.

Abistress und Band: Wie lässt sich das unter  einen Hut bringen?

Hendrik:Wenn einer zu den anderen sagt: „Ich schreibe morgen eine Klausur“, dann wird da auf jeden Fall Rücksicht drauf genommen, und die Proben werden verschoben, bis die Klausuren geschrieben sind. Flexibilität ist alles.

Wer begleitet euch auf  Konzerte? Gibt es da jemanden, der immer dabei ist?

Sebastian: Wir sind auf Fahrer oder Fahrerinnen angewiesen, das heißt, die sind auf jeden Fall immer dabei.

Julian: Unsere Eltern, Herr Füller und unsere Freundin Vicky sind eigentlich auch fast immer dabei und unterstützen uns ungemein. Vicky fotografiert oder filmt uns zum Beispiel. Ohne diese Leute würde einiges nicht so gut laufen wie jetzt.

Auf wessen Unterstützung beim „School Jam“ hofftihr am meisten?

Sebastian:Auf die unserer Fans!

Julian:Ohne die wären wir niemals so weit gekommen.

Wieso habt ihr euch für die Musikrichtungen Rock, Punk und Alternative  entschieden? Hört ihr so  etwas auch in eurer Freizeit?

Sebastian: Wie viele Bands können auch wir uns nicht darüber einig werden, welche Musikrichtung wir einschlagen.

Julian: Jedes Bandmitglied hört privat eine andere Musikrichtung, deswegen fließt von jeder etwas mit in unsere Musik.

Was ist seit dem Gewinn des Rosa-Wettbewerbs in Bruchhausen-Vilsen vor  einem Jahr passiert? Ich  habe gehört, da ging’s mit der Band erst richtig los?

Julian:Der Auftritt hat uns total gepusht, wir haben vor knapp 1 000 Leuten gespielt, und viele Medien waren da. Das war ein wahnsinniges Erlebnis.

Jannis:Ich glaube, ich war noch nie in meinem Leben so aufgeregt.

Hendrik:Man hörte das Intro spielen und wusste, dass da draußen jetzt 1 000 Leute warten, die warten, dass wir vier auf die Bühne kommen und 100 Prozent geben. Vor so etwas hat man schon Respekt.

Julian: Aber solche Auftritte zieht man als Team durch.

Aber ihr spielt auch nochvor kleinem Publikum.

Hendrik: Man kann bei einem kleinen Publikum mehr auf die persönlichen Wünsche eingehen, man ist den Leuten einfach näher und bekommt es auch eher mit, ob ihnen die Musik gefällt oder nicht. Ein kleineres Publikum hat also auch schon etwas für sich.

Sebastian:Es ist einfach ein persönlicheres Feeling.

Julian:Egal, ob 20 Leute oder 200, wir geben immer alles.

Sebastian: Wir freuen uns auf jedes Konzert, ganz egal, wie viele Leute vor der Bühne stehen.

Wie ist die Stimmung auf kleineren Konzerten? Bekommt ihr jedes Publikum?

Hendrik: Das können wir selbst schlecht einschätzen. Es kommt darauf an, ob die Leute wirklich kommen, um die Musik zu hören oder ob die Musik nur Nebensache für sie ist.

Was sind eure weiteren  Ziele mit der Band?

Hendrik:Das nächste Ziel ist es, eine CD aufzunehmen. In den Osterferien fahren wir in ein Studio in der Nähe von Hildesheim und nehmen eine EP mit zwei oder drei Songs auf, die bis zum Sommer veröffentlicht werden soll.

Wie geht es nach der Schule mit der Band weiter?

Hendrik:Vor dieser Frage verschließen wir noch ein bisschen die Augen. Die Zukunft der Band wird sich schwierig gestalten, da jeder nach der Schule etwas anderes machen will. Ich möchte irgendetwas im Bereich Medien machen, Julian möchte gerne Pilot werden, Sebastian, der die Sozialpädagogik-Schule in Nienburg besucht, möchte Erzieher werden und Jannis möchte Bauingenieurswesen studieren. Aber wir werden alles versuchen, um die Band aufrecht zu erhalten. Bis die anderen drei Jungs aus der Schule raus sind, dauert es ja auch noch ein paar Jahre.

Wenn ihr älter werdet, könnt ihr euch mit den  Problemen der jüngeren  Generationen vielleicht nicht mehr identifizieren. Wovon werden  eure Texte dann handeln?

Sebastian:Wahrscheinlich immer noch von den Themen, die uns in unserem Leben so beschäftigen. Es ändert sich meiner Meinung nach in keinem Alter etwas an dem Bedürfnis, seine Gedanken mit anderen zu teilen.

Hendrik: Wir und unsere Musik reifen gemeinsam mit unserer Generation.

Quelle: kreiszeitung.de

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