SERIE „KÜNSTLER IN IHREM REFUGIUM“

Das Ehepaar von Lingen aus Bücken hat sich der Musik verschrieben

Renata und Joachim von Lingen setzen sich für das
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Renata und Joachim von Lingen setzen sich für das

Bücken – Renata und Joachim von Lingen sind nicht einfach nur Lehrer. Sowohl in ihrem Beruf als auch in ihrem Privatleben spielt die Musik eine große Rolle.

Der Titel des Klassikers „Thank you for the music“ der schwedischen Popband „ABBA“ trifft sicherlich uneingeschränkt auch auf Renata und Joachim von Lingen zu, mit denen in der siebten Folge der Serie über Künstler in der Region erstmals ein Ehepaar vorgestellt werden soll. Das Paar, das in Bücken ein von einem großen und individuell angelegten Garten umgebenes Haus bewohnt, hat zwei Söhne aus Renatas erster Ehe und zwei gemeinsame Töchter, die aber inzwischen alle ausgezogen sind.

Neben dem von beiden ausgeübten Lehrerberuf, verbindet sie auf vielfältige Weise die Musik, über die man sich im Übrigen auch kennengelernt hat.

Renata von Lingen stammt gebürtig aus Nienburg und hat in Hannover Musik, Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert. Fächer, die sie auch heute noch an der Grundschule Marklohe unterrichtet, wo sie seit 2007 angestellt ist. Von frühester Kindheit an mit der Musik aufgewachsen, widmete sie sich später lange Zeit auf Gesangs- und Liederabenden schwerpunktmäßig der Klassik sowie dem klassischen Chorgesang. Darüber hinaus wirkte sie in unterschiedlichen Formationen mit, die, wie etwa die einstige Folkgruppe „Wir“ von Bruno Schützeck, musikalisch völlig anders ausgerichtet waren.

1999 gründete Renata von Lingen den Chor „Schräglage“, dessen Repertoire 15 Jahre lang eine bunte Mischung von Liedern aus der Zeit vom Mittelalter bis in die Gegenwart umfasste und zu denen die Chormitglieder bei ungezählten Auftritten nicht selten amüsante Erklärungen und Geschichten lieferten. Eine Fortsetzung fand diese Chorarbeit unter dem Namen „Haste Töne“, deren Aktivitäten jedoch pandemiebedingt vorerst ruhen müssen. „Wir werden wohl mit die Letzten sein, die irgendwann wieder öffentlich auf der Bühne stehen dürfen, denn gerade das gemeinsame Singen birgt doch eine hohe Ansteckungsgefahr durch Aerosole“ stellt die Chorleiterin bedauernd fest.

Die passionierte Musikerin und Pädagogin verfügt über die besondere Fähigkeit, andere Menschen zu begeistern. Ihr ist es ebenso wie ihrem Mann außerordentlich wichtig, das in ihr für die Musik brennende Feuer an junge Menschen weiterzugeben. In zahlreichen, meist stark praxisorientierten Projekten, die dann deutlich über den lehrplanmäßigen Musikunterricht hinausgegangen sind, ist ihr dieses regelmäßig gelungen. Als nur ein Beispiel mag der Auftritt von 15 Schülern des ehemaligen Grundschulchores Marklohe dienen, die – obwohl sie diese Schule längst verlassen hatten – sich im September 2019 noch einmal zusammenfanden, um im Rahmen des Bücker Kulturspektakels gemeinsam mit „Haste Töne“ aufzutreten und Lieder aus dem sehenswerten Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ vorzutragen.

Ehemann Joachim von Lingen ist seit dem Sommer 2000 Leiter der Kapitän-Koldewey-Grundschule Bücken, wo er – wie nicht anders zu erwarten – Musik, aber auch Mathematik unterrichtet. Musikalisch orientiert sich der gebürtige Hannoveraner eher in Richtung Pop und Blues, singt aber auch bei „Haste Töne“ mit. Bereits in jungen Jahren ist er mit seinen Geschwistern zusammen in einer Band aufgetreten und nun schon über einen Zeitraum von 40 Jahren in immer wieder neuen Zusammensetzungen mit anderen Künstlern unterwegs.

Exemplarisch seien an dieser Stelle die im Jahr 2000 gegründete „Martfeld Blues Band“, wo er seit etwa 2007 der Mann an den Tasten ist, sowie die Gruppe „Löppt“ genannt, ein lockerer Zusammenschluss von Musikern aus dem Raum Bücken und Sulingen. Beiden Formationen ist eine ungewöhnliche Zugkraft gemein, kleinere Lokalitäten, wie die gern aufgesuchte Kleinkunstdiele in Bücken, können bei ihren Auftritten schon mal aus allen Nähten platzen.

Ganz wichtig sind Joachim von Lingen auch die von ihm selbst komponierten, getexteten und arrangierten Lieder, von denen zuletzt vor drei Jahren 14 unter dem Titel „Traumtänzer“ als CD erschienen. Dieses Album ist auf allen Online-Musikportalen (Spotify, Deezer, YouTube) verfügbar und zu hören. In seinen Texten verarbeitet der Songwriter persönliche, häufig ganz einfache und schlichte Erfahrungen, erkennt zugleich aber stets auch das Besondere darin, wenn sich etwa das Räderwerk des Alltäglichen in Regenbogenlicht auflöst.

Um sich seine Kreativität auch in Coronazeiten zu bewahren, produziert er, wie üblich unterstützt von bewährten Musikern, derzeit im Studio eine neue CD, die voraussichtlich in zwei Monaten unter dem Titel „Zwei. Melancholie und Poesie“ veröffentlicht und zeitnah angekündigt werden soll. Wie schon bei den Vorgängern wird das Cover auch jetzt wieder von der Malerin Indre Busar aus der Gemeinde Graue gestaltet. Auf dieser CD finden sich erneut viele persönliche Erfahrungen, Erlebnisse und Erinnerungen, so etwa in „Friedwald, Eiche 10a“, einer Hommage an Norbert Ohrt, dem vor zwei Jahren verstorbenen Weggefährten aus der „Martfeld Blues Band“.

Der Song „Leitstern“ zielt nach Worten des Künstlers darauf ab, dass es im Leben manchmal einen Punkt braucht, an dem man sich ausrichten kann, womit der Leitstern hier das „ganz Eigene“ wiedergibt. Darunter versteht er Momente, in denen man sich gewissermaßen im eigenen Leben verläuft und in denen einem solchen Leitstern, im Song immer wieder durch einen einzigen hohen Ton in der Begleitung versinnbildlicht, entscheidende Bedeutung zukommt. Hingegen ist „Kleiner Tod“ ein Abschiedslied, verortet zwischen Melancholie und Poesie. Genau in diesem Spannungsfeld bewegen sich die Songs des neuen Albums und stehen damit in einem inhaltlichen Zusammenhang.

Gerade weil die Corona-Pandemie für sie als festangestellte Lehrer nicht existenzbedrohend ist, verweisen die Eheleute ausdrücklich auf die Probleme, Sorgen und Nöte der ungezählten freiberuflich tätigen Künstler, für die vollständig andere Bedingungen gelten würden. Zwar sei es auch für sie selbst bitter, dass viele, zum Teil schon lange im Voraus geplante Veranstaltungen abgesagt werden mussten, im Vergleich zu den Freiberuflern wären diese Probleme aber eher von untergeordneter Bedeutung. Dennoch würde man sich nach Beendigung der Krise natürlich über viele Anfragen von Konzertveranstaltern freuen. Als fest verankerte Größen der regionalen Musikszene, die die Beiden darstellen, sollte daran jedoch kein Mangel herrschen.

Wie groß jedenfalls Hoffnung und Vorfreude sind, bald wieder vor Publikum Musik machen zu können, wurde zum Abschluss des Gespräches deutlich, als sich Joachim von Lingen zum Fotoshooting an den häuslichen Flügel setzte und gemeinsam mit seiner Frau spontan ein Stück von der neuen CD vortrug.

Dass die jeweils ausgeübte Kunst im höheren Sinn den eigentlichen Rückzugsort darstellt, dürfte für alle bislang in der Serie „Künstler in ihrem Refugium“ vorgestellten Personen gelten, in besonderer Weise aber auch für das charismatische Ehepaar.

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