Mehr als 8000 Rollenspieler in Brokeloh

Finstere Gestalten kämpfen in „Mythodea“

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Fantastisch gewandet und keinesfalls darauf bedacht, möglichst schön zu sein – so zeigen sich viele der Charaktere auf „Mythodea“.

Brokeloh -  Die Explosion der „Weltenschmiede“, dem Quell aller Schöpfungskraft „Mythodeas“, erschüttert das beschauliche Rittergut. Wer war das, und wie geht es jetzt weiter? Das „ConQuest of Mythodea“ hat begonnen, mehr als 8000 Teilnehmer aus aller Welt sind nach Brokeloh zum Live-Action-Rollenspiel, kurz Larp, gekommen. Ihre Aufgabe ist es, Rätsel mit Kopf, Kampf und Geschick zu lösen, um das Schicksal des Kontinents „Mythodea“ in die eine oder andere Richtung zu lenken.

Auf dem Schlachtfeld toben gleich mehrere Kämpfe, finstere Krieger des „Schwarzen Eises“ sind auf Orks getroffen. Schmerzgeschrei tönt durch den Wald. „Wie viele habe ich schon umgebracht?“, brüllt ein Ork und schwingt eine Keule. Beim Kampf um „Mythodea“ erleben die Teilnehmer Abenteuer in einer Fantasiewelt. Die sogenannte Weltenschmiede ist eine Burg aus Holzbrettern mit Türmen und Eingängen.

Für das fünftägige „ConQuest of Mythodea“ hat der Veranstalter mehr als 120 Tonnen Kulissen und mittelalterliches Equipment auf dem Rittergut aufgebaut. Seinen Angaben zufolge ist es das weltweit größte interaktive Festival dieser Art. Dabei ist auch Svenja. Sie ist Fußsoldatin beim „Schwarzen Eis“, in der Rüstung ist ihr ziemlich warm. Doch das stört sie nicht. „Für mich ist das einfach Urlaub vom Alltag, es ist toll, für eine Woche den Kopf freizubekommen“, sagt die 33 Jahre Pflegedienstleiterin eines Altenheims in Köln und bereitet sich schon auf den nächsten Kampf vor. Gefochten wird dabei mit Attrappen, ernste Verletzungen gibt es nicht. Spielleiter lenken die Geschicke etwas. „Wir halten das Spiel unter Spannung und sorgen für Nervenkitzel, kontrollieren aber auch Feuerstellen“, berichtet Fridolin Pfiffenstock, Anführer eines Soldatentrupps. Im wirklichen Leben heißt er Fiete und ist Seemannsdiakon in Hamburg.

Besonders im Blick hat der Veranstalter Live Adventure Event in diesem Jahr die höheren Auflagen für das ConQuest: „Wir haben Waldbrandwarnstufe 5“, sagt Alexander Jaensch vom Organisationsteam. Offenes Feuer ist nur auf Sandflächen und mit 20 Meter Abstand von Bäumen erlaubt. Das Gelände sei zuvor gewässert worden, in der Nacht zum Donnerstag habe es auch geregnet.

Staubwolken über fremden Kontinent

Mit Gebrüll in die Schlacht oder mit Harfenspiel vor dem Zelt – der „Conquest of Mythodea“ auf dem Gelände des Rittergutes Brokeloh hat viele Seiten. Heute kann das Treiben dort noch besucht werden.

Unter einem der wenigen Bäume am Rande des Schlachtfelds sitzt ein Krieger, die Streitaxt aufgestützt, die Augen geschlossen. Der Kampf in glühender Hitze und in einer 30 Kilogramm schweren Plattenrüstung kostet ihn manchen Liter Schweiß. Das ergeht allen anderen rundum nicht anders und ziemlich schnell können diejenigen ausgemacht werden, die erst kurz zuvor angekommen sind, um sich in das weltweit größte Fantasy-Live-Rollenspiel zu stürzen – es sind diejenigen, die noch nicht rundum von einem feinen Staubfilm überzogen sind.

Die Ereignisse auf dem fiktiven Kontinent „Mythodea“, der einmal pro Jahr auf dem Brokeloher Rittergut entsteht, ficht das Wetter jedoch nicht an. In heißen Jahren wie auch in jenen, in denen sich Felder und Pfade in Schlammwüsten verwandelten, nehmen Tausende von Spielern andere Identitäten an, entscheiden sich als Krieger für das eine oder andere Heer, halten sich am Spielfeldrand auf, um ihre Dienste als Heiler anzubieten, lassen Trommeln dröhnen, stürzen sich ins Geschehen oder ergreifen die Flucht, wenn der Tumult sich ihnen nähert. Das wilde Hauen und Stechen mit Schwertern, Äxten und anderem Kriegsgerät hat jedoch seine Grenzen – auch im tosenden Gemenge werden Regeln eingehalten. Der Ruf „Kinder!“ lässt alle innehalten, „Gasse frei!“ wird sofort umgesetzt, um Rettungswagen durchzulassen.

Und Schwerter, Degen und Co. können zwar ansehnliche blaue Flecken fabrizieren – ernsthafte Verletzungen sind aber nicht zu befürchten. Latex statt Stahl ist die Vorgabe auf dem Conquest. Das Schlachtgetümmel ist das, was die Zuschauer von der Tribüne des nahe gelegenen Fantastica-Marktes beobachten können. Das Recht auf diesen Blick haben sie sich mit einer Eintrittskarte erkauft – auf das Spielgelände selbst ist allerdings nicht so leicht zu gelangen. Dafür ist eine Gewandung notwendig, die mehr oder weniger streng kontrolliert wird, dafür muss auch ein zusätzlicher Eintrittspreis geleistet werden – und die Menge derjenigen, die als solche Tagesbesucher eingelassen werden, ist beschränkt. Das Fantasy-Spiel soll möglichst wenig gestört werden.

Jenseits dessen, was von der Tribüne beobachtet werden kann, entfaltet sich in den zahlreichen Lagern auf dem Rittergut aber noch eine ganz eigene Welt in anderem Ambiente, die es an liebevoller Gestaltung nicht missen lässt. Hier sitzt eine Gruppe mit Flöte, Harfe und Gesang, die aufspielt, dort wird Heilung für die Seele angeboten. Massagen kann bekommen, wer mag und auch viele andere Dienste werden angepriesen.

Zugelassen worden auf „Mythodea“ ist in diesem Jahr auch die Stefan-Morsch-Stiftung. Damen und Herren in weißen T-Shirts mit Stiftungs-Logo haben einen Pavillon nah am Sanitär-Bereich aufgebaut – und bekommen etliche Besucher. Die Stiftung wirbt um Stammzell-Spender für Leukämiekranke. Der Aufhänger für sie ist ein Spieler, der in anderen Jahren auf dem Spielfeld war, nun aber an Leukämie erkrankt. Eine Speichelprobe wird erbeten, möglichst auch noch eine kleine Geldspende. Allein am ersten Spieltag haben sich dort mehr als 400 Einwohner „Mythodeas“ auf die Bank gesetzt und sich bereitwillig eintragen lassen. Viel besser kann es für die Stiftung nicht laufen.

Fantasy-Rollenspiel kann heute noch besucht werden

Wer einen Einblick in den Kontinent „Mythodea“ bekommen möchte, hat am Samstag noch die Gelegenheit dazu. Allerdings werden maximal 200 Besucher pro Tag eingelassen. Anders ist das beim Fantastica Festival. Weitere Informationen sind auf www.fantastica-festival.de hinterlegt.

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